Anhaltender Widerstand: Gaddafis Anhänger geben nicht auf

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Anhaltender WiderstandGaddafis Anhänger geben nicht auf

Die Anhänger von Muammar Gaddafi leisten in Sirte nach wie vor erbitterten Widerstand. Selbst der Nato-Kommandant für Libyen ist überrascht, doch das Ende der Kämpfe ist absehbar.

von
pbl

Rund sechs Wochen sind vergangen, seit die libyschen Rebellen die Hauptstadt Tripolis erobert haben. Seither gilt Langzeit-Diktator Muammar Gaddafi als gestürzt. Wo er sich aufhält, ist nach wie vor unklar. Mussa al Kuni, der Vertreter des Tuareg-Volks im Nationalen Übergangsrat, vermutete ihn am Dienstag im südwestlichen Teil des Landes in der Wüste nahe der Grenze zu Niger und Algerien. Beweise konnte er nicht vorlegen.

Die Anhänger des gestürzten Machthabers jedenfalls sehen bislang keinen Grund, sich der neuen Realität in Libyen zu beugen. In Gaddafis Geburtsstadt Sirte und in der Wüstenstadt Bani Walid – den letzten grösseren Ortschaften, die noch nicht von den Revolutionsstreitkräften kontrolliert werden – dauern die Kämpfe an. Selbst US-General Ralph Jodice, der die Nato-Luftangriffe in Libyen kommandiert, zeigte sich in einem Interview mit der «New York Times» überrascht von der Beharrlichkeit der Gaddafi-Loyalisten.

Söldner und Loyalisten

«Sie scheinen keinen Ausweg zu sehen», meinte Jodice im Gespräch aus seinem Hauptquartier nördlich von Bologna. Entsprechend heftig ist der Widerstand, Haus um Haus müssen sich die Streitkräfte des neuen Libyen in Sirte vorwärts kämpfen. Die Nato ist weitgehend machtlos, sie muss die Zivilbevölkerung beschützen und kann deshalb keine Luftangriffe fliegen. «Der Kampf findet nun am Boden statt», sagte ein hoher Nato-Diplomat am Montag der «New York Times».

Warum aber kämpfen die Gaddafi-Anhänger diesen aussichtslosen Kampf? Für General Jodice handelt es sich bei diesen um eine Mischung aus afrikanische Söldnern – die in der Tat nichts zu verlieren haben – und Libyern, die sich aus (Stammes-)Loyalität dem gestürzten Diktator verpflichtet fühlen. Für einen Reporter des britischen «Guardian», der mit den Revolutionstruppen nach Sirte vorgedrungen ist, handelt es sich hingegen um «gewöhnliche, verängstige Menschen, die nur noch überleben wollen».

Entscheidungskampf wird hart

Tatsächlich ist ein Ende der Kämpfe absehbar. Die Gaddafi-Anhänger kontrollierten am Montag in Sirte nur noch einen Palastkomplex, mehrere Wohnhäuser und ein Hotel in der Nähe des Grünen Platzes. Jubelnde Kämpfer der neuen libyschen Führung hissten ihre Flagge über einem Tagungszentrum der Stadt, das lange als Stützpunkt für die Gaddafi-Kämpfer gedient hatte. Diese seien nun in einem kleinen Areal umstellt worden, sagte einer der Kommandeure der Revolutionsstreitkräfte in Sirte, Junis al Abdalli.

Der Entscheidungskampf um die Gaddafi-Hochburg werde aber hart werden, erklärte Abdalli. Er habe Informationen darüber, dass sich einer von Gaddafis Söhnen und eine Reihe von hochrangigen Vertretern des Regimes dort in Villen verschanzt hätten. Der Nationale Übergangsrat hatte am Freitag eine grosse Offensive gegen Sirte begonnen und angekündigt, nach dem Fall der Stadt die Befreiung Libyens zu verkünden.

Fortschritte auch in Bani Walid

Auch in Bani Walid wird weiter gekämpft. Die Revolutionsstreitkräfte erklärten, sie hätten am Montag deutlich an Boden gewonnen, nachdem die Angriffe in den letzten Wochen wenig Erfolg gezeigt hatten. In der Wüstenstadt werden ebenfalls hochrangige ehemalige Regime-Vertreter vermutet. Die Nato behält die Lage im Auge, wie General Ralph Jodice erklärte. Es gebe zwar keine Anzeichen, dass der Widerstand aus den beiden Städten auf andere Teile des Landes übergreife. Das Militärbündnis werde sein Engagement in Libyen dennoch fortsetzen, «so lange wie nötig, aber nicht länger». (pbl/dapd)

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