Kampf um Sirte: Gaddafis Heimat in Schutt und Asche
Aktualisiert

Kampf um SirteGaddafis Heimat in Schutt und Asche

Die Gaddafi-treuen Truppen haben den Kampf um Sirte noch längst nicht aufgegeben, sie kämpfen um jeden Meter. Derweil sucht der ehemalige Herrscher neue Soldaten.

Der Kampf um die letzten Schlupfwinkel der Anhänger des früheren libyschen Machthabers Muammar Gaddafi zieht sich weiter hin. Einheiten der libyschen Revolutionsstreitkräfte kämpften sich am Mittwoch in Gaddafis Geburtsstadt Sirte von Haus zu Haus, um dort endgültig die Kontrolle zu übernehmen. Gleichzeitig äusserte der Vorsitzende des Übergangsrats, Mahmud Dschibril, in einem Interview die Befürchtung, dass Gaddafi auch von seinem Versteck aus Probleme verursachen könnte.

Der gestürzte libysche Führer bewege sich zwischen Niger, Algerien und der libyschen Wüste und versuche Kämpfer aus dem Sudan zu verpflichten, ihm bei der Errichtung eines eigenen Staates im Süden Libyens zu helfen, sagte Dschibril laut dem in der Zeitung «Aschark al Ausat» veröffentlichten Interview. Auch ein Marsch in den Norden sei demnach ein möglicher Plan Gaddafis, mit dem er die neue Führung destabilisieren wolle. Eine Bestätigung der Aussagen Dschibrils in dem am Dienstag veröffentlichten Interview gab es zunächst nicht.

Gaddafi-Truppen eingekesselt

Neben der Festnahme oder Tötung Gaddafis, deren Wichtigkeit auch US-Aussenministerin Hillary Clinton bei ihrem Besuch am Dienstag betont hatte, ringt die Übergangsführung nach dem wochenlangen Kampf um die Gaddafi-Hochburgen vor allem mit dem schleppenden Fortschritt in Sirte. Für die Eroberung eines einzigen Wohnhauses benötigten die Revolutionsstreitkräfte, die auch mit Desorganisation in den eigenen Reihen zu kämpfen haben, zwei Tage.

Der Kommandeur einer Brigade in Sirte, Wissam bin Hmade, erklärte am Mittwoch, seine Männer hätten Gaddafi-Anhänger in einem 700 Quadratmeter grossem Wohngebiet eingekesselt. Allerdings seien sie schwerem Geschützfeuer von Heckenschützen ausgesetzt, die sich in umliegenden Gebäuden verschanzt hätten. Nach Angaben eines anderen Kommandeurs, Chaled al Maghrabi, wurden 15 Kämpfer offenbar versehentlich durch den Beschuss eigener Truppen getötet.

In einem als symbolträchtig gewerteten Akt erkannte die libysche Übergangsregierung indessen die Opposition in Syrien offiziell als legitime Vertretung ihres Landes an, wie Hassan al Sughajer vom libyschen Übergangsrat am Mittwoch in Tripolis vor Journalisten mitteilte. Damit ist Libyen das erste Land, das diesen Schritt vollzogen hat.

Vertreter des neu gegründeten Syrischen Nationalrats halten sich derzeit in Tripolis auf, um für Unterstützung für die Protestbewegung gegen Präsident Baschar Assad zu werben. Damaskus hat jedem Land, das den Oppositionsrat anerkennt, mit Konsequenzen gedroht. (dapd)

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