Berühmt-berüchtigt: Gaddafis TV-Einheizerin
Aktualisiert

Berühmt-berüchtigtGaddafis TV-Einheizerin

Hala Misrati ist TV-Moderatorin und Gaddafis bekanntestes Sprachrohr. Wegen ihres fanatischen Auftretens gilt sie je nach Optik des Betrachters als Heldin oder Witzfigur.

von
kri

Muammar Gaddafis Fernsehauftritte sind selten geworden. Zu Beginn des Volksaufstands wetterte er noch täglich gegen die verräterischen Rebellen, warnte vor Al Kaida und dem Westen und beschwor mit viel Pathos die libysche Einheit. Möglicherweise ist alles gesagt - oder aber er verlässt sich einfach auf Hala Misrati, eine libysche TV-Moderatorin. Ihre bisweilen wirre aber leidenschaftliche Verteidigung des Regimes steht jener des Revolutionsführers in nichts nach.

Misrati hat eine eigene, einstündige Sendung im staatlichen Fernsehen. Mit viel Make-up und in gewagten Outfits poltert sie täglich gegen die Rebellen und die Nato sowie alle, die im Verdacht stehen, mit ihnen zu sympathisieren. Das schliesst westliche Medien und besonders den verhassten Konkurrenten Al Jazeera mit ein, den sie «Schweinesender» nennt - ein arabisches Wortspiel, denn Schwein heisst auf arabisch «Al Khanzeera».

«Nicht der Kopf, aber der Schwanz der Schlange»

Ihr Interview mit der libysch-syrischen Journalistin Rana al Aqbani erinnert an ein Polizeiverhör. «Sag, was du auf den Aufnahmen sagst», bellte sie ihre «Kollegin» an, ein möglicher Hinweis auf mitgehörte Telefonanrufe. Al Aqbani sollte öffentlich gestehen, dass sie mit der Opposition auf die Absetzung Gaddafis hinarbeite. Misrati beschuldigte sie, mit ihrer Berichterstattung die Nato-Luftschläge provoziert zu haben und versicherte den Zuschauern zugleich, dass die fehlbare Journalistin dafür nicht hingerichtet wird: «Sie und ihre Freunde sind nicht der Kopf der Schlange, vielleicht ihr Schwanz.»

Al Aqbani ist seither verschwunden. Laut Amnesty International wurde sie am 28. März zusammen mit ihrem Bruder von Agenten Gaddafis aus ihrer Wohnung entführt.

«Auch Huren können patriotisch sein»

Ihre emotionalsten Momente hatte sie im Zusammenhang mit dem Schicksal Iman Al Obeidis. Die Libyerin war im März in ein Hotel in Tripolis gestürzt, wo sie westlichen Medien berichtete, sie sei von Soldaten Gaddafis vergewaltigt worden. Kurz darauf wurde sie von Sicherheitsbesamten weggeschleift.

«Iman ist eine Lügnerin», schimpfte Misrati in einem zehnminütigen Wortschwall. «Keine Araberin würde freiwillig Schande über ihre Familie bringen und öffentlich über eine Vergewaltigung reden.» Vielmehr seien es die Rebellen im Osten des Landes, die Frauen vergewaltigen. Sie forderte Al Obeidi auf, die Wahrheit zu sagen, da ihre Lügen zu Bombenangriffen der Alliierten führten. «Manchmal ist sogar eine Hure patriotisch, wenn sie weiss, dass die Heimat in Gefahr ist», spottete Misrati. Später machte sie Al Obeidi ausfindig und versuchte sie zu einem Interview zu bewegen, was diese aber ablehnte.

Peinliche Versprecher amüsieren

Im libyschen Publikum gehen die Meinungen über Misratis journalistisches Talent weit auseinander. Eine regierungsfreundliche Frau in Tripolis sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP: «Sie hat Libyen im Blut. Sie sagt uns, was wirklich in Bengasi geschieht.» Miriam Al Amani, eine 23-jährige Studentin in Bengasi bezeichnete sie hingegen als «Clown». Sie lüge so schlecht, dass ihr niemand glaube, sagte sie lachend. Ihre peinlichen Versprecher tun ein übriges: Die arabischen Länder hätten die UNO-Resolution nicht annehmen (englisch adopt) dürfen, da der Islam Adoption (von Kindern) verbiete.

Dass sie heute Gaddafis berühmt-berüchtigstes Sprachrohr ist, erstaunt angesichts ihrer Vergangenheit. Ihre Fernsehkarriere hatte sie bei einem halbprivaten Sender von Saif al Islam, Gaddafis Sohn, begonnen. Dort kam es laut einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Tripolis 2009 zu einem Eklat. Damals stürmten Sicherheitsbeamte ins Studio und beendeten ihr Live-Interview mit einem Mitglied des Revolutionären Komitees abrupt. Laut der Depesche beklagte sie sich später über die Restriktionen, die «reaktionäre» Vertreter des Regimes den Journalisten auferlegen.

Deine Meinung