Palace und Kempinski in St. Moritz: Mutations-Ausbruch in Hotel trotz strengster Massnahmen
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Palace und Kempinski in St. MoritzMutations-Ausbruch in Hotel trotz strengster Massnahmen

Im Hotel Kempinski und im Palace in St. Moritz GR sind Covid-Fälle mit einer hochansteckenden südafrikanischen Virus-Mutation bekannt geworden. Die anwesenden Gäste stehen nun unter Quarantäne.

von
Jeremias Büchel
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Das Badrutts Palace in St. Moritz wurde vom Kantonsarzt unter Quarantäne gestellt. 

Das Badrutts Palace in St. Moritz wurde vom Kantonsarzt unter Quarantäne gestellt.

imago/Herb Hardt
Auch Gäste im Kempinski müssen in Quarantäne. 

Auch Gäste im Kempinski müssen in Quarantäne.

imago/nanopixx
Schreiben des Hotel Kempinski an die Gäste. 

Schreiben des Hotel Kempinski an die Gäste.

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Darum gehts

  • In St. Moritz ist eine gehäufte Ausbreitung des mutierten Coronavirus festgestellt worden.

  • In den Hotels Kempinski und Palace sind aktuell rund ein Dutzend Fälle bekannt.

  • Das Gesundheitsamt hat die Hotels unter Quarantäne gestellt und Tests für Mitarbeitende und Gäste angeordnet.

  • Schulen und Skischulen in St. Moritz werden bis auf Weiteres geschlossen.

  • Auf dem gesamten Gemeindegebiet besteht neu eine Maskentragpflicht.

«In St. Moritz wurde eine gehäufte Ausbreitung des mutierten Coronavirus festgestellt. Das Gesundheitsamt Graubünden stellt deshalb zwei Hotels unter Quarantäne und ordnet in beiden betroffenen Betrieben Massentests an», schreibt die Standeskanzlei Graubünden am Montagmorgen in einer Medienmitteilung. Zudem werden die Schulen im Ort geschlossen, auch die Skischulen. Laut der «Südostschweiz» handelt es sich um die südafrikanische Virusmutation.

Eines der betroffenen Hotels ist das Kempinski. Dieses hat die Gäste in einem Schreiben darüber informiert, dass sie das Hotel nicht verlassen dürfen, selbst wenn für Montag die Abreise geplant gewesen wäre. Zudem müssen sich alle Gäste und Mitarbeiter einem Corona-Test unterziehen.

Dasselbe gilt für die Gäste des Hotels Palace, in welchem ebenfalls Infektionen mit dem hochansteckenden Virus festgestellt wurden.

Essen bringt der Zimmerservice

Im Kempinski können sich die Gäste im Hotel testen lassen. Dafür wird vor Ort ein Testzentrum eingerichtet. Die Gäste müssen sich ansonsten in ihren Zimmern aufhalten. Restaurants, Spa und weitere Installationen sind derzeit geschlossen, Essen und Trinken gelangt über den Zimmerservice zu den Gästen.

Im Palace können sich die Gäste ebenfalls vor Ort testen lassen. Bei einen negativen Testresultat ist eine Abreise möglich. Derzeit befinden sich 29 Gäste im Hotel.

Mit Testen hat man im Palace bereits Erfahrung. «Seit dem Beginn der Wintersaison führen wir wöchentlich gross angelegte Tests bei unseren Mitarbeitern durch. Es wurden von Mitte Dezember bis heute bereits über 1500 Tests durchgeführt», teilt das Badrutts Palace in einem Pressecommuniqué am Montagmorgen mit. Zudem werde von Gästen bei Ankunft der Nachweis eines negativen Tests verlangt.
«Die Gäste, welche ihre Abreise für Montag geplant haben, können das Hotel bei einem negativen Covid-Test verlassen», heisst es im Communiqué. Tests können direkt im Hotel durchgeführt werden. «Die anderen Gäste können ihren Aufenthalt unter Einhaltung unseres strengen Schutzkonzeptes fortsetzen», so das Palace.

Herber Schlag für Tourismus

Dass das Palace-Hotel betroffen ist, macht die Hoteliers in St. Moritz nervös, wie ein Kenner der Szene zu 20 Minuten sagt. «Im Palace gibt es mitunter die wohl strengsten Massnahmen. Trotzdem ist das Virus dort aufgetaucht», so der Mann. «Im Moment ist die Verunsicherung deswegen in St. Moritz gross.» Es stelle sich auch die Frage, was die beiden Hotelschliessungen für die Wintersaison auf den Pisten bedeutet. «Es gibt Gerüchte, dass allenfalls die Skilifte den Betrieb einstellen müssen.»

Der Nachweis des mutierten Virus sei jedenfalls ein herber Schlag für die Destination. «Wenn potenzielle Gäste davon hören, werden sie kaum ein Zimmer in St. Moritz buchen.»
Die Bergbahnen geöffnet, wie es in St. Moritz auf Anfrage heisst. Es gäbe keine Hinweise darauf, dass es bezüglich des mutierten Virus Probleme im Skigebiet gegeben hätte. Stand Montag läuft der Skibetrieb weiter.

Massentests für Touristen und Bewohner

Die Gemeinde hat zudem Maskenpflicht im gesamten Gebiet der Gemeinde St. Moritz verfügt. Zudem wird nun mit dem Testen begonnen. «Es werden alle Hotelgäste und Mitarbeiter getestet» sagt Fabrizio D'Aloisio, Medienverantwortlicher von St. Moritz Tourismus. Bereits am frühen Montagmorgen habe man die ersten Hotelmitarbeiter getestet. Anstatt Schnelltests werden PCR-Tests angewendet, mit dem man den neuen Virusstrang nachweisen kann. «Wir möchten so die Quarantäne der Gäste, die nicht betroffen sind, so kurz wie möglich halten», so D’Aloisio. Wer ein negatives Testresultat erhält, darf das Hotel verlassen, muss aber zu Hause oder wohin er sich begibt, die Quarantäne weiterführen. Wer positiv getestet wird, muss vor Ort in Isolation.

Weiter werden alle Einwohner der Gemeinde St. Moritz getestet. Dieses Massentestverfahren wurde bereits im Dezember in verschiedenen Engadiner Gemeinden angewendet. «Es wird analog zu den Massentests im Dezember ablaufen», erklärt der Medienverantwortliche. Die oberste Priorität sei im Moment, dass die Testresultate so schnell wie möglich eintreffen.

Covid-Taskforce

«Neue Variante wächst exponentiell»

Martin Ackermann, der Präsident der unabhängigen Covid-Taskforce, hat am Donnerstag an einer Pressekonferenz eine Grafik präsentiert. Die Erklärung dazu wie folgt: «In Blau sieht man die mögliche Entwicklung der bekannten Variante, mit einem R-Wert von 0,9. Die Fallzahlen im Januar sinken noch, weil der Anteil der neuen Corona-Mutation noch nicht spürbar ist.» Ackermann betont jedoch, das Wort «noch». «Die neue Corona-Mutation ist in Orange zu sehen. Der Anteil der neuen Variante wächst exponentiell, also würden auch die Neuansteckungen sprunghaft ansteigen», so der Experte.

Martin Ackermann, der Präsident der unabhängigen Covid-Taskforce, hat am Donnerstag an einer Pressekonferenz eine Grafik präsentiert. Die Erklärung dazu wie folgt: «In Blau sieht man die mögliche Entwicklung der bekannten Variante, mit einem R-Wert von 0,9. Die Fallzahlen im Januar sinken noch, weil der Anteil der neuen Corona-Mutation noch nicht spürbar ist.» Ackermann betont jedoch, das Wort «noch». «Die neue Corona-Mutation ist in Orange zu sehen. Der Anteil der neuen Variante wächst exponentiell, also würden auch die Neuansteckungen sprunghaft ansteigen», so der Experte.

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