13.08.2020 13:19

Schärfere Registrierung in Bern«Gäste geben unerreichbare Telefonnummern an»

Der Kanton Bern verlautet eine strengere Registrierungspflicht für Restaurant-Gäste sowie Bar- und Club-Besucher. Laut Gundekar Giebel von der Gesundheitsdirektion ist der Schritt wegen mangelnder Daten notwendig.

von
Christian Holzer
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Für Restaurant-Gäste gelten neue und strengere Richtlinien beim Erfassen ihrer Daten im Falle einer Quarantäne-Verordnung.

Für Restaurant-Gäste gelten neue und strengere Richtlinien beim Erfassen ihrer Daten im Falle einer Quarantäne-Verordnung.

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In Innenräumen von Restaurants muss mindestens eine Person pro Gästegruppe ihre Kontaktdaten angeben.

In Innenräumen von Restaurants muss mindestens eine Person pro Gästegruppe ihre Kontaktdaten angeben.

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Der Kanton geht damit weiter als das Bundesgesetz, das eine Registrierungspflicht nur dort vorschreibt…

Der Kanton geht damit weiter als das Bundesgesetz, das eine Registrierungspflicht nur dort vorschreibt…

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Darum gehts

  • Der Kanton Bern geht weiter als der Bund: Er verschärft die Registrierungspflicht für Restaurant- sowie Bar- und Club-Gäste.
  • Neu muss etwa auch das Geburstdatum und die Wohnadresse angegeben werden.
  • Die Daten müssen jedoch nicht in jedem Fall von Mitarbeitenden verifiziert werden.

Wegen den steigenden Covid-19-Ansteckungen wurde im Kanton Bern eine Verschärfung der Registrierungspflicht für Restaurant-Gäste sowie Bar- und Club-Besucher beschlossen. Wie der Berner Regierungsrat am Donnerstag mitteilt, soll auf diese Weise das Contact Tracing effizienter durchgeführt werden können.

Konkret gilt ab Montag eine Registrierungspflicht in Innenräumen von Restaurants. Mindestens eine Person pro Gästegruppe muss Namen, Telefonnummer, Geburtsdatum und Wohnadresse angeben. Der Kanton Bern verfügt damit über eine strengere Registrierungspflicht als der Bund, der die Daten lediglich erfasst sehen will, wenn der 1,5-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann. In Bars und Clubs muss neu auch das Geburtsdatum der Gäste erfasst werden.

«Gäste haben grosses Verständnis»

Eveline Neeracher, Präsidentin des Verbands Gastro Bern, nennt die Verschärfung «umsetzbar». Sie kritisiert jedoch einzelne Punkte. Sie fände es unlogisch, dass Innen- und Aussenräume unterschiedlich gehandhabt würden: «Was ist, wenn es zu regnen beginnt und Personen auf der Terrasse schnell ins Innere wechseln?» Dass die Daten elektronisch erfasst werden müssten, stelle zudem viele Wirte vor eine technische Herausforderung: «Vor allem wenn Gäste kein Smartphone besitzen.» In Anbetracht davon, dass die neuen Spielregeln bereits ab Montag gelten würden, müssten sich nun viele sputen.

Bei Tom Christen, Gastgeber beim Restaurant Landhaus in Liebefeld, kommt die neue Verordnung gut an: «Wie viele andere Restaurants bitten auch wir bereits seit Längerem unsere Gäste nach Kontaktdaten.» Diese hätten kein Problem damit: «99 Prozent haben extrem grosses Verständnis und erachten es sogar als Service.» Es sei eine Herausforderung, auch in stressigen Situationen die Kontaktangaben korrekt zu erfassen, aber: «Mit Routine und Achtsamkeit ist das kein Problem.» Ausserdem sei wichtig den Gästen klar zu kommunizieren, dass die Daten nach 14 Tagen vernichtet würden, sofern das Contact-Tracing-Team sie nicht anfordere.

Geburtsdatum für Adresssuche

Die Verschärfung sei notwendig gewesen, sagt Gundekar Giebel von der Staatskanzlei des Kantons Bern: «Die Daten, die wir für das Contact Tracing erhalten, sind teilweise mangelhaft.» Giebel nennt ein Beispiel: «In unseren Daten fanden wir immer wieder einen ‹Hans Muster›. Von diesem gibt es jedoch viele im Kanton Bern. Ohne Geburtsdatum oder Adresse wissen wir nicht, um welchen es sich konkret handelt.» Die Gäste hätten teilweise unerreichbare Telefonnummern angegeben – auch im Ausgang.

«Es scheint, dass manche extra ein Party-Handy nutzen.» Die angegebene Nummer, obschon beim Club-Besuchen sogar verifiziert, war für das Contact-Tracing-Team teilweise die ganze Woche nicht erreichbar. Mit den nun zusätzlich erhobenen Daten sollen Betroffene auch auf andere Weise kontaktiert werden können: «Als letztes Mittel haben wir dank des Geburtsdatums nun die Möglichkeit, die Adresse herauszufinden», so Giebel.

Während die Daten der Bar- und Club-Besucher vor dem Einlass kontrolliert werden müssen, gilt bei den Restaurant-Gästen «Selbstdeklaration», führt Giebel aus. Ausserdem gelte die Registrierungspflicht im Restaurant nur für die Innenräume: «Drinnen ist die Ansteckungsgefahr viel höher.» Es gäbe weniger Luftzirkulation und die Menschen würden näher beieinander sitzen. «Wir wissen mittlerweile aus Erfahrungen, dass Ansteckungen öfter in Innenräumen stattfinden – viel weniger im Aussenbereich.»

«Was ist der Erkenntnisgewinn?»

Über 40’000 Menschen haben sich bisher über die Corona-App der Bar und Clubkommission Bern (Buck) registriert, damit sie Zugang zu einer Party bekamen oder in der Bar Cocktails genissen konnten. Laut Buck-Präsident Max Reichen werde man das Tool nun anpassen, damit auch das Geburtsdatum hinterlegt sei. Die Verschärfung löst bei der Kommission jedoch auch Bedenken aus. «Wir fragen uns, was der Erkenntnisgewinn ist.» Ausserdem sei bei der Swiss-Covid-App der Datenschutz ein zentrales Element: «Jetzt werden im grossen Stil Daten gesammelt. Das ist nicht unproblematisch.» Wenn irgendwo eine Excelliste mit diesen Daten herumliege, egal ob physisch oder im Netz, könnte man damit grossen Schaden anrichten.

Corona beutelt Gastro-Betriebe

Covid-19 entwickelt sich zum Alptraum vieler Gastronomen. In Bern haben wegen der Pandemie bereits drei Restaurants konkurs angemeldet – Experten rechnen mit weiteren Schliessungen auf den Herbst. Eine Umfrage unter deutschen Gastronomen zeigt, wie dort das Empfinden in der Branche ist: «Fast 60 Prozent der befragten Betriebe sehen sich in ihrer Existenz gefährdet», sagte der Präsident des Deutschland Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick.

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633 Kommentare
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Micha

14.08.2020, 20:54

Irgend etwas muss so wie so gemacht werden. Wennim Herbst/Winter zum Coronavirus dann noch eine normale Grippe (Influenza) dazu kommt. Kann man nicht mehr unterscheiden ob es die Grippe ist oder Covid19. Spätestens dann kommt die Maskenpflicht. Weil ja die Kantone nicht mehr mit der Bearbeitung der Kontakte der Kranken nach kommt vergessen noch die Spitäler.

Micha

14.08.2020, 20:45

Mir soll’s ja egal sein, wohne ja nicht im Kanton Bern. Aber da stellt sich für manch einen die Frage des Datenschutzes. Das könnte auch manch einen, von einem Restaurant Besuch abhalten. Da sind dann die Wirte bzw. das Personal die leid tragenden.

Phoni

14.08.2020, 12:50

Vor Ort die angegebene Nummer anrufen. Wenn es klingelt und die Bar, der Club als Anrufer erscheint, dann ist die Nummer ok. Kostet bei Flatrates nichts und dauert nur 20 Sekunden.