Contact-Tracing in Restaurants - Gäste wollen Kontaktdaten nicht mehr angeben – jetzt drohen Bussen
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Contact-Tracing in RestaurantsGäste wollen Kontaktdaten nicht mehr angeben – jetzt drohen Bussen

Die Berner Gesundheitsdirektion ruft zu seriöserem Contact-Tracing auf. Beim Branchenverband ist man konsterniert, weil die Gäste sich nicht mehr registrieren wollen.

von
Lucas Orellano
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Laut Kanton Bern funktioniert das Contact Tracing nur mangelhaft.

Laut Kanton Bern funktioniert das Contact Tracing nur mangelhaft.

20min/Simon Glauser
Die Gesundheitsdirektion vermutet, dass die Datenerhebung in den Restaurants nicht vollumfänglich durchgeführt wird.

Die Gesundheitsdirektion vermutet, dass die Datenerhebung in den Restaurants nicht vollumfänglich durchgeführt wird.

20min/Simon Glauser
«Bei verschiedenen Personen, bei denen wir mit dem Contact-Tracing die Ansteckungsketten rückverfolgt haben, wurden uns unwahrscheinlich wenige Gäste gemeldet», sagt Kommunikationschef Gundekar Giebel.

«Bei verschiedenen Personen, bei denen wir mit dem Contact-Tracing die Ansteckungsketten rückverfolgt haben, wurden uns unwahrscheinlich wenige Gäste gemeldet», sagt Kommunikationschef Gundekar Giebel.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • In Berner Restaurants wurden auffallend kleine Gästezahlen gemeldet. Die Gesundheitsdirektion vermutet deshalb eine lückenhafte Datenerhebung.

  • Nun ruft sie auf, das Contact-Tracing zu verbessern. Andernfalls könnten bald Bussen drohen.

  • Der Verband Gastro Bern und Umgebung ärgert sich und verweist auf schwierige Gäste.

Im Kanton Bern drohen bald verstärkte Kontrollen und Bussen wegen mangelhaften Contact-Tracings. Dies, weil die Gesundheitsdirektion vermutet, dass die Datenerhebung in den Restaurants nicht vollumfänglich durchgeführt wird.

«Bei verschiedenen Personen, bei denen wir mit dem Contact-Tracing die Ansteckungsketten rückverfolgt haben, wurden uns unwahrscheinlich wenige Gäste gemeldet», sagt Kommunikationschef Gundekar Giebel zu 20 Minuten. «Wir haben diese zentral in unserer Datenbank gespeichert und mussten sagen: So wenig Leute in so einem grossen Restaurant. Das kann nicht sein.»

Bis zu 5000 Franken Busse

Deshalb veröffentlichte die Gesundheitsdirektion am Dienstag einen Aufruf, sich an die Contact-Tracing-Regeln zu halten. In «guter Freundschaft», wie Giebel sagt. Denn: «Die Delta-Variante ist voll da und verbreitet sich vor allem in den Innenräumen. Wenn man die Menschen nicht schnell warnen kann, dann breitet sich die Variante noch stärker aus.»

Sollte der Aufruf nicht fruchten, behält sich der Kanton weitere Massnahmen vor. Die Verwendung des Covid-Zertifikats in Restaurants steht derzeit nicht zur Diskussion. Allerdings müssten Gäste und Betreibende vermehrt mit Kontrollen rechnen. «Wenn wir konkrete Fälle feststellen, bei denen die Contact-Tracing-Regeln nicht eingehalten wurden, müssten wir auch Bussen aussprechen», so Giebel.

Fehlbare Gäste müssten mit Beträgen von zwischen 50 und 200 Franken rechnen, Betriebe gemäss Artikel 83 des Epidemiengesetzes mit Bussen von bis zu 5000 Franken. «Es ist kein Kavaliersdelikt, wenn man versucht, sich durch die Corona-Massnahmen durchzuschwindeln», betont Giebel. «Es ist absolut kontraproduktiv.»

«Jeder zweite Gast will sich nicht registrieren»

«Es ist nicht in Ordnung, dass einfach wieder die Wirte gebüsst werden», sagt Tobias Burkhalter vom Branchenverband Gastro Stadt Bern und Umgebung. «Grundsätzlich ist der Wille da und alle Restaurants sind dafür eingerichtet. Aber mit den Gästen ist es wirklich nicht einfach.»

«Mittlerweile will sich jeder zweite Gast nicht mehr registrieren. Als Grund wird dann meist die Impfung angegeben», so Burkhalter weiter. «Man hat uns diese Polizeiaufgabe aufgedrückt, aber es kann nicht unsere Aufgabe sein, deswegen mit unseren Gästen zu streiten. Das ist für die Mitarbeitenden nicht einfach.»

Über die möglichen Bussen gegen Restaurants ärgert sich Burkhalter. «Ich lade Herrn Giebel ein, er soll doch einmal vorbeikommen, Kontrollen machen und schauen, wie das funktioniert.»

Das gilt für Restaurants momentan

Seit dem neuen Öffnungsschritt Ende Juni gelten in Restaurants und Bars (ausser Kantinen) folgende Regeln:

  • In Innenräumen gilt eine Sitzpflicht.

  • In Innenräumen darf die Maske nur am Tisch abgelegt werden.

  • In Innenräumen müssen von einer Person pro Gästegruppe die Kontaktdaten erhoben werden.

  • Zwischen den Tischen muss ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten oder eine Abschrankung angebracht werden

Für das Contact-Tracing bedeutet das, dass nur in Innenräumen und nur noch von einer Person pro Gruppe die Kontaktdaten erhoben werden müssen. Gemäss Regeln des BAG dürfen Restaurationsbetriebe das Covid-Zertifikat verwenden. Dann gelten für Gäste keine Einschränkungen mehr.

Wie weit muss ein Wirt gehen?

Unterstützung erhält Burkhalter von Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. «Ich sehe das ähnlich», sagt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Es ist derzeit nicht immer einfach, viele Leute haben die Nase voll von den Massnahmen.»

Gastrosuisse habe seine Mitglieder darauf hingewiesen, dass sie sich an die Contact-Tracing-Regeln halten sollen. «Was soll ein Wirt machen, wenn sich Gäste weigern, sich zu registrieren? Sie wegweisen?», sagt Platzer. «Das geht uns ganz klar zu weit.»

Er zweifelt zudem daran, dass Restaurantbetreiberinnen und -betreiber überhaupt in jedem Fall belangt werden können. «Auch wenn ein Wirt sich nachweisbar gar nicht an die Regeln hält, müsste man ihn zuerst verwarnen und ihm die Möglichkeit geben, die Datenerhebung zu verbessern», so Platzer.

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