Aktualisiert 12.04.2019 07:26

Gretzenbach SO

Gaffer stören Rettung eines kleinen Buben

Weil unzählige Gaffer einen Rettungshelikopter im Kanton Solothurn belagerten, musste die Polizei ausrücken: Nur so konnten die Sanitäter ihrem kleinen Patienten in Ruhe helfen.

von
miw
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Am Samstagnachmittag rückten der Solothurner Rettungsdienst mit einer Ambulanz und einem Helikopter nach Gretzenbach aus. Dort brauchte ein kleiner Bub Hilfe.

Am Samstagnachmittag rückten der Solothurner Rettungsdienst mit einer Ambulanz und einem Helikopter nach Gretzenbach aus. Dort brauchte ein kleiner Bub Hilfe.

Leser-Reporter/Momcilovic
Kurz nach der Landung des Helikopters vor dem Zuhause des Buben...

Kurz nach der Landung des Helikopters vor dem Zuhause des Buben...

Leser-Reporter/Rempe
..füllte sich der Einsatzort mit Gaffern.

..füllte sich der Einsatzort mit Gaffern.

Leser-Reporter/Rempe

Im solothurnischen Gretzenbach brauchte am Samstagnachmittag ein kleiner Bub dringend Hilfe: Wegen seines gesundheitlichen Leidens rückte der Rettungsdienst mit einer Ambulanz und einem Helikopter ins Staldenacker-Quartier aus. Im Helikopter – auf dem Feld direkt vor dem Zuhause der betroffenen Familie – wurde das Kind schliesslich während mehrerer Stunden medizinisch betreut. Zu heikel war wohl der Transport ins nächste Spital.

Die Anwesenheit des Rettungshelikopters lockte am Nachmittag unzählige Schaulustige zum Einsatzort. «Die Leute strömten wie die Mäuse aus ihren Löchern, um zu gaffen. Es war furchtbar», erzählt ein Nachbar gegenüber 20 Minuten. Ein anderer meint verärgert: «Fast ganz Gretzenbach war vor Ort.»

Polizei musste Gaffer vertreiben

Diese Menschenmasse erschwerte die Arbeit der Retter vor Ort: Wie der Solothurner Rettungsdienst gegenüber 20 Minuten berichtet, wurden die Einsatzkräfte während der medizinischen Betreuung des Buben von aufdringlichen Voyeuren gestört – so stark, dass der Rettungsdienst schliesslich gar die Polizei aufbieten musste. «Um die Leute im Zaum zu halten, errichteten Polizisten vor Ort eine Absperrung und wiesen die Leute weg», sagt Thalia Mosimann, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn.

Der Fall Gretzenbach, ein Phänomen? Nicht wirklich: «Solche Situationen gibt es immer mal wieder», sagt Oliver Schneider, Sprecher der Solothurner Rettungsdienste. «Dass es zu so massiven Behinderungen kommt, dass ein Polizeieinsatz nötig wird, ist jedoch sehr selten.»

«Geht einfach weiter»

Allzu neugierige Gaffer machen sich strafbar: Die Staatsanwaltschaft kann störende Schaulustige verzeigen. Der Rettungsdienst verzichtet im aktuellen Fall von Gretzenbach jedoch auf rechtliche Schritte.

Wie sollten sich Passanten oder Nachbarn bei einem Notfalleinsatz verhalten? Schneider: «Im Regelfall empfehlen unsere Mitarbeitenden den Passanten, weiterzugehen.» Etwas anderes sei es, wenn es vor Ort Personen hat, die vor Eintreffen der Sanitäter erste Hilfe leisten konnten. «Diese Personen werden möglicherweise noch gebeten, zu Informationszwecken oder um weiterzuhelfen vor Ort zu bleiben.» Alle anderen seien jedoch eher ein Störfaktor als wirkliche Hilfe.

Trotz der Solothurner Gaffer haben die Einsatzkräfte während der mehrstündigen medizinischen Aktion ganze Arbeit geleistet: Laut einer Bekannten der Familie soll es dem Bub bereits wieder besser gehen.

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