Autobahn A13: Gaffer zückten Handy, jetzt werden sie gebüsst
Aktualisiert

Autobahn A13Gaffer zückten Handy, jetzt werden sie gebüsst

Weil sie bei einem Unfall zu ihren Smartphones griffen, müssen fünf Autofahrer nun mit Bussen rechnen. Der Ostschweizer Polizei sind Gaffer schon länger ein Dorn im Auge.

von
tso
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Am 17. Januar blies der Sturm Evi auf der A13 bei Weite einen Lieferwagen um. Gaffer fotografierten und filmten den Unfall. Die Polizisten vor Ort hielten sie sogleich an...

Am 17. Januar blies der Sturm Evi auf der A13 bei Weite einen Lieferwagen um. Gaffer fotografierten und filmten den Unfall. Die Polizisten vor Ort hielten sie sogleich an...

Kapo SG
...und verzeigten die Gaffer. Ihnen flatterten Bussen ins Haus, bestätigt die Staatsanwaltschaft.

...und verzeigten die Gaffer. Ihnen flatterten Bussen ins Haus, bestätigt die Staatsanwaltschaft.

Kapo SG
Auch die Kapo Thurgau schlägt sich mit Gaffern herum. Bei diesem Unfall vom 12. Juni musste die Polizei mehrere Gaffer verzeigen, wie Mediensprecher Matthias Graf mitteilt.

Auch die Kapo Thurgau schlägt sich mit Gaffern herum. Bei diesem Unfall vom 12. Juni musste die Polizei mehrere Gaffer verzeigen, wie Mediensprecher Matthias Graf mitteilt.

Kapo TG

Die deutsche Polizei machte jüngst Schlagzeilen, als sie auf der Autobahn Gaffer filmte und verzeigte. Doch auch ihre Ostschweizer Kollegen gehen rigoros gegen Gaffer vor.

«Vor Kurzem mussten wir mehrere Personen verzeigen, die bei einem Unfall auf der A13 aus dem Auto filmten und fotografierten», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei. Ein Lieferwagen war Mitte Januar bei Weite vom Sturm buchstäblich umgeblasen worden. Der Fahrer blieb unverletzt. Während die Polizei die Unfallstelle sicherte, hielten gemäss Rezzoli mehrere Autofahrer ihre Smartphones aus dem Fenster. «Die fehlbaren Lenker wurden sogleich angehalten und verzeigt», sagt er.

«Diese Personen trugen nicht nur zur Staubildung bei, sondern gefährdeten sich und andere. Es hätten sehr leicht Folgeunfälle passieren können», so Rezzoli weiter. «Wir Polizisten fragen uns manchmal, was diese Autofahrer überlegen.» Generell findet er die Mentalität der Gaffer daneben: «Es ist ja schon traurig genug, dass Polizei und Rettungskräfte mit schlimmen Bildern konfrontiert werden.» Auch Leser-Reporter sollten sich an einige Grundregeln halten (siehe Box).

«Die Leute greifen schnell zum Handy»

Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, hat Kenntnis von den Vorfällen: «Es wurden insgesamt fünf Personen verzeigt, zwei davon wurden bereits per Strafbefehl gebüsst», teilt er mit. Der Tatbestand lautete mangelnde Aufmerksamkeit im Strassenverkehr. «Gaffen an sich ist nicht strafbar», hält Dobler allerdings fest. Die Bussen in den vorliegenden Fällen betrügen 200 und 250 Franken.

Auch die Kantonspolizei Thurgau schlägt sich öfters mit Gaffern und Handyfilmern herum, meist bei Verkehrsunfällen. «Ich war einmal bei einem Unfall mit Personenschaden vor Ort und stellte fest, dass mehrere vorbeifahrende Lenker plötzlich Handys in der Hand hielten», erzählt Sprecher Matthias Graf. «An diesem Tag wurden zwei Lenker verzeigt, glücklicherweise kam es nicht zu Folgeunfällen.» Gaffer habe es zwar schon immer gegeben, sagt er. Doch: «Heute greifen die Leute auch noch zum Handy.» Die Kapazität, sich um störende Gaffer oder Handyfilmer zu kümmern, fehle oft: «Wir haben bei einem Einsatz grundsätzlich anderes zu tun.»

Leser-Reporter sollten keine Gaffer sein

Privatsphäre anderer Menschen respektieren.

Fahrzeuglenker während der Fahrt erstellt wurden, werden nicht gezeigt.

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