Aktualisiert 26.02.2010 10:26

Legende des Schweizer KunsthandelsGalerist Ernst Beyeler ist tot

Der Basler Galerist, Kunstsammler und Museumsgründer Ernst Beyeler ist gestorben. Er verstarb am Donnerstag im Alter von 89 Jahren.

Ernst Beyeler 2005 vor einem Bild von René Magritte.

Ernst Beyeler 2005 vor einem Bild von René Magritte.

Eine Legende des Schweizer Kunsthandels ist tot: Ernst Beyeler starb laut «Basler Zeitung» am letzten Donnerstag. Die Todesnachricht wurde von der Fondation Beyeler bestätigt.

Zusammen mit seiner am 20. Juli 2008 verstorbenen Ehefrau Hildy hatte Ernst Beyeler seine Kunstsammlung aufgebaut, eine der weltweit bedeutendsten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Das Paar war seit 1948 verheiratet und blieb kinderlos.

Beyeler war mit seinem sicheren Urteil, Charisma, geschäftlichem Geschick und pointierten Kommentaren eine der herausragendsten Persönlichkeiten des internationalen Kunsthandels. Mit seiner Frau war er 1971 auch Mitbegründer und bis 1992 Mitorganisator der weltweit führenden Kunstmesse Art Basel.

Von Holzschnitten zur Klassischen Moderne

Die Laufbahn Ernst Beyelers begann in den 1940er-Jahren: Damals durchlief der am 16. Juli 1921 geborene Basler eine kaufmännische Ausbildung und studierte Ökonomie sowie Kunstgeschichte an der Universität Basel. Zur gleichen Zeit arbeitete er als Aushilfe in einem Basler Antiquariat.

1945 übernahm er das Antiquariat an der Bäumleingasse, eröffnete 1947 eine erste Ausstellung mit japanischen Holzschnitten und widmete sich ab 1951 nur noch Ausstellungen und dem Kunsthandel. 1959 bis 1965 landete er einen ersten grossen Coup, als er 340 Werke der Sammlung Thompson in Pittsburgh (USA) erwerben konnte.

Von diesen Werken der Klassischen Moderne - so von Cézanne, Monet, Picasso, Matisse, Léger, Mondrian und Braque bis Klee - gingen zahlreiche in Museen. Unter anderem kehrten 80 Werke Giacomettis in die Schweiz zurück, in die Giacometti-Stiftung Zürich und ins Kunstmuseum Basel.

Privatsammlung für alle

1966 zu Besuch bei Picasso, liess dieser Beyeler 26 Werke aus eigenen Beständen auswählen - ein Privileg. 1982 gründete er die Beyeler-Stiftung. So ging seine Sammlung auch auf Reisen: Teile davon wurden 1989 mit grossem Publikumserfolg im Centro de Arte Reina Sofia in Madrid präsentiert, später auch in Berlin und Sidney.

Der Erfolg in Madrid bestärkte Beyeler in der Absicht, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um die über Jahrzehnte entstandene Kollektion mit Werken der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts sowie aus Afrika und Ozeanien buhlten Museen aus aller Welt, sogar das Museum of Modern Art in New York.

Das Kunstmuseum Basel litt derweil schon unter Platzmangel. Doch Beyeler wollte die Sammlung in seiner Heimat unterbringen. Nach Debatten und einer Volksabstimmung in Riehen entstand schliesslich das Beyeler-Museum am Wohnort des Ehepaars, nach Plänen von Renzo Piano, der das Pariser Centre Pompidou mit entworfen hatte.

Naturschützer

Das 1997 eröffnete Beyeler-Museum wurde wegen des Publikumsandrangs bereits 1999 erweitert. Die grossen Sonderausstellungen ziehen bis heute Scharen von Kunstfans an: Das Haus hatte 2008 mit rund 300'000 am meisten Besucher aller Museen in Basel und auch landesweit einen Spitzenplatz.

Beyeler war neben der Kunst auch mit der Natur stark verbunden. 2001 rief er die Stiftung «Kunst für den Tropenwald» ins Leben. Für seine Verdienste um die Kunst wurde er unter anderem zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.

Nicht verschont blieb die Beyeler-Stiftung im Übrigen von Streitigkeiten um Raubkunst aus der Nazi-Zeit in Deutschland. Ein Rechtsstreit um ein Kandinsky-Gemälde konnte 2002 mit den Erben der früheren Besitzerin aussergerichtlich beigelegt werden.

(sda)

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