Aktualisiert 04.03.2011 12:19

Prêt-à-Porter-SchauGallianos letzter Akt

Heute wird «Dior» im Pariser Rodin-Museum seine neue Kollektion vorstellen: Es ist John Gallianos letzte Arbeit für das Luxushaus. Eine geplante Gegen-Schau hat der Designer abgesagt.

Der britische Modeschöpfer John Galliano, der sich wegen judenfeindlicher Pöbeleien vor einem Pariser Gericht verantworten muss, hat seine für Sonntag, den 6. März geplante Modeschau abgesagt.

Gallianos eigene Kollektion solle am Sonntag in Paris ohne Laufsteg nur im kleinen Rahmen vorgestellt werden, hiess es aus seinem Umfeld. Die neue Herbst- und Wintermode, die Galliano für das französische Traditionshaus Dior entworfen hatte, soll wie geplant am Freitagnachmittag im Pariser Rodin-Museum präsentiert werden.

John Galliano: Reaktionen aus der Modeszene

«Es ist ein historischer Moment»

Dior hatte schnell auf die Pöbeleien des 50-Jährigen in seiner Pariser Stammbar reagiert und sich von dem Stardesigner getrennt, der 15 Jahre lang den Stil der Traditionsmarke vorgab. Das Modehaus rechnet nicht damit, dass sich die Affäre negativ auf seine Schau auswirkt, für die es laut einer Sprecherin keine Absagen gab. «Jeder wird da sein, denn es ist ein historischer Moment», sagte der Modejournalist Jean-Paul Cauvin vom Fachblatt «Fashion Daily News» voraus.

Galliano war im Pariser Szeneviertel Marais mehrfach durch antisemitische Pöbeleien aufgefallen. In einem Video war er ausserdem in angetrunkenem Zustand mit der Äusserung «Ich liebe Hitler» zu sehen. Der Stardesigner entschuldigte sich mittlerweile für sein Verhalten, betont aber, er habe nichts Rassistisches gesagt.

Zwei Nachfolger im Gespräch

Als Nachfolger Gallianos, der derzeit ausserhalb von Paris eine Entzugskur machen soll, sind zwei Namen im Gespräch: der italienische Givenchy-Chefdesigner Riccardo Tisci und der französische Modeschöpfer Haider Ackermann, der seine eigene Marke entwirft.

Experten gehen nicht davon aus, dass die Modemarke Dior, die von Frankreichs First Lady Carla Bruni gerne bei offiziellen Anlässen getragen wird, durch die Affäre Schaden nimmt. Ein Wechsel nach 15 Jahren könne nun «frisches Blut» bringen, sagte der Finanzexperte für Luxusprodukte, Erwan Rambourg.

(sda)

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