Killerspiel-Verbot: Gamer kämpfen um den Ruf ihrer Killerspiele
Aktualisiert

Killerspiel-VerbotGamer kämpfen um den Ruf ihrer Killerspiele

Auf Bundesebene drohen Killergames ein Verbot durch Politiker, die meist noch niemals ein Computerspiel gesehen haben. Jetzt schlagen die Gamer zurück: Sie starten eine Informationsoffensive. Die Eltern sollen sich informieren, wie es auch der Bund empfiehlt.

von
Lukas Mäder

Ein kalter Wind bläst den Freunden von Killerspielen entgegen: Bei jedem Amoklauf eines Jugendlichen taucht früher oder später ein brutales Computerspiel auf — der Schuldige ist gefunden. Deshalb erstaunt es nicht, dass auch auf politischer Ebene ein Verbot von Killergames unterwegs ist. Jetzt reicht es den Gamern. Nachdem sie im Mai den Verein GameRights gegründet haben (20 Minuten Online berichtete), starten sie nun eine Informationsoffensive. Warum beschäftigt sich jemand in seiner Freizeit mit Computerspielen? Welche Arten von Games gibt es? Worauf sollten Eltern achten? — Solche Fragen will GameRights online und im direkten Gespräch beantworten.

Gamer wollen das Gespräch mit Eltern suchen

«Wir wollen Aussenstehende über Spiele aufklären», begründet GameRights-Präsident Thomas Riediker die Projekte. Auf der neuen Website killerspiele.ch stehen Texte zum Thema zur Verfügung. Das geschehe teilweise aus der Sicht von Gamern und sei eher Game-freundlich. Trotzdem glaubt Riediker, unabhängige Informationen anbieten zu können: «Aus unseren rund 700 Mitgliedern arbeiten auch Experten wie Pädagogen oder Juristen mit.»

Gleichzeitig sucht der Gamer-Verein auch das direkte Gespräch. «Ich hoffe, dass sich Eltern in unserem Forum melden und ihre offenen Fragen stellen», sagt Riediker. So könnten die Mitglieder des Vereins beispielsweise den Eltern schildern, worum es in einem konkreten Computerspiel geht, das Kinder spielen. Die Gelegenheit für solche Fragen haben Eltern im Raum Olten auch an je einem Samstag Ende August und Anfang September: Im Rahmen der Aktion dasjugendschaufenster sind Mitglieder von GameRights mit einer Playstation im Stadtzentrum. Das Ziel: Dikussionen anregen, Tipps für Eltern geben und diese anregen, einmal selbst ein Spiel auszuprobieren.

Bund will auch informieren, braucht aber noch Zeit

Die Motivation der Gamer ist nicht ganz uneigennützig: Der öffentliche und politische Druck ist gross, die Klischees sind tief verankert: «Wir Gamer müssen definitiv kranke Menschen sein, die man vor sich selbst schützen muss – so die Argumentation von Spielegegnern», schreibt GameRights auf der Website. Deshalb wolle man mit Vorurteilen aufräumen und die Faszination von Computerspielen erklären. Doch die Information der Eltern hat auch der Bund als Notwendigkeit erkannt. Im Juni wurde beschlossen, ein Präventionsprogramm zu Filmen, Computerspielen und Internet zu erarbeiten (20 Minuten Online berichtete). Doch zeitlich hinkt der Bund den Gamern hinterher: Das Programm des Bundes steht frühstens im Sommer 2010.

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