20.08.2015 23:30

Fukushima Game JamGames entwickeln gegen das Katastrophenimage

Der Fukushima Game Jam kämpft seit vier Jahren für ein positiveres Bild der ehemaligen Katastrophenregion. Erstmals dabei: Schweizer Entwickler.

von
Jan Graber
Beflügelt von einem positiven Bild der Region: Der Fukushima Game Jam findet erstmals auch in der Schweiz statt.

Beflügelt von einem positiven Bild der Region: Der Fukushima Game Jam findet erstmals auch in der Schweiz statt.

Wenn man hierzulande an Fukushima denkt, laufen vor dem inneren Auge vor allem die Bilder ab, die im Zug der Erdbeben- und Atom-Katastrophe im März 2011 im Fernsehen zu sehen waren: Rauchende Atommeiler, verzweifelte Menschen, ein grosses Desaster in der östlichen Präfektur des Landes. Mit der medialen Reduktion auf die Katastrophe waren japanische Gameentwickler aber nicht einverstanden: Die International Game Developers Association Japan (IDGA) rief noch im August desselben Jahres den «Tohoku IT Concept Fukushima Game Jam 2015» ins Leben, an dem innerhalb von weniger als 24 Stunden Games entwickelt werden sollten. Ziel des Fukushima Game Jams: Hilfe leisten bei der Regeneration der Region und die Wahrnehmung des Lebensraums Fukushima positiv beeinflussen.

Seitdem wird der Fukushima Game Jam jedes Jahr durchgeführt: einerseits in der Stadt Koriyama in Fukushima, mittlerweile aber auch rund um die Welt. Neben anderen japanischen Städten wie Tokio und Okayama, wird der Event auch in Taiwan, Chile, den USA und in Kanada durchgeführt. Dieses Jahr erstmals auch in Zürich und Genf.

Ein Game in weniger als 24 Stunden

Organisiert wird der Fukushima Game Jam hierzulande vom britischen Gamedesigner und Buchautor Chris Solarski, der in der Schweiz lebt; als Host des Events wirkt das Bildungsinstitut SAE, an dem Solarski neben dem Designen von Spielen und dem Schreiben von gamerelevanten Büchern lehrt. «Als ich zur Promotion meines Buches letztes Jahr in Japan war, lernte ich Leute der IDGA Japan kennen», sagt Solarski. Er wurde angefragt, ob er einen weiteren Satelliten des «Fukushima Game Jam» in der Schweiz installieren wolle. Solarski liess sich nicht zweimal bitten.

Zum Fukushima Game Jam, der am 22. und 23. August in Zürich und Genf stattfindet (siehe Box), sind nicht nur Profientwickler zugelassen – es kann jedermann teilnehmen, der ein Notebook und den Willen, an einem Game zu arbeiten, mitbringt. «Es ist egal, ob jemand allein kommt und sich einem Team anschliesst oder mehrere als fertiges Team teilnehmen», verdeutlicht Solarski. Der Startschuss zum Game Jam findet am Samstagmorgen um 10 Uhr statt, wenn das Thema des diesjährigen Game Jams bekannt gemacht wird. Am Sonntag darauf ist dann um 17 Uhr Schluss und die Kreationen werden öffentlich präsentiert. «Hierzu laden wir auch Eltern mit ihren Kindern ein», sagt Solarski.

Japaner sind Romantiker

Es gehe beim Game Jam denn auch nicht nur um Fukushima selbst, gibt der 36-jährige, in London geborene Gamedesigner zu, sondern auch darum, junge Menschen fürs Gamedesign zu begeistern. Wichtig sind ihm aber vor allem die internationalen Kontakte. «Ich liebe es, möglichst viele internationale Vernetzungen zwischen Gameentwicklern herzustellen», sagt er. Im Gegensatz zum Global Game Jam, der mittlerweile riesige Dimensionen angenommen habe, sei der Fukushima Game Jam wegen seiner überschaubaren Grösse viel besser geeignet, die Leute zusammenzubringen. Schweizer und Japaner würden bestens passen. «Viele Japaner pflegen ein romantisches Bild der Schweiz», weiss Solarski. Und umgekehrt sind viele Schweizer fasziniert vom Land der aufgehenden Sonne.

Chris Solarski

Der britische Gamedesigner und Buchautor Chris Solarski lebt mit seiner Schweizer Frau in Zürich. Neben der Entwicklung eigener Spiele ist er als Lehrer am Bildungsinstitut SAE tätig und spricht an internationalen Game-Konferenzen übers Videospiel-Design. Internationale Anerkennung hat Solarski mit seinem Buch «Drawing Basics and Video Game Art» gefunden.

Fukushima Game Jam

Der schweizerische Fukushima Game Jam findet am 22. und 23. August in den SAE Instituten Zürich (Buckhauserstrasse 24, 8048 Zürich) und Genf (42-44 Avenue Cardinal Mermillod, 1227 Carouge Genève) statt. Die Teilnahme ist gratis, einzig ein eigenes Notebook und allenfalls Snacks und Schlafsäcke müssen selbst mitgenommen werden.

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