Zürcher Langstrassen-Quartier: Gammelhäuser-Kauf: Linke dafür – SVP dagegen

Aktualisiert

Zürcher Langstrassen-QuartierGammelhäuser-Kauf: Linke dafür – SVP dagegen

Die Stadt will die Gammelhäuser kaufen. Linke finden das gut – Bürgerliche sind dagegen oder eher skeptisch. Für die Parteien gilt jedoch: Entscheidend ist der Preis.

von
rom

Rundgang durch die Gammelhäuser Anfang Jahr.

Zuerst unter anderem Studenten, später vielleicht Asylbewerber: Die Stadt Zürich hat konkrete Vorstellungen, was sie mit den zwei Gammelhäusern an der Neufrankengasse anstellen würde, wenn sie in ihren Besitz kämen. Noch ist dies unklar – die Stadt ist offenbar nicht die einzige Interessentin. Klar ist dagegen: Über einen allfälligen Kauf würde dereinst das Stadtparlament befinden – und dort gehen die Meinungen über die Absichten der Stadt weit auseinander.

Gar nichts davon hält SVP-Präsident Mauro Tuena: «Erstens gehört das nicht zu den Kernaufgaben der Stadt und zweitens ist es iditiotisch, Asylbewerber ausgerechnet in der Nähe der Langstrasse unterzubringen – dort hat es viele Dealer und das könnte sie zum Drogenverkauf animieren.» Es könne auch nicht sein, dass die Stadt wegen einem schwarzen Schaf unter den Immobilienbesitzern gleich durchgreifen und ihm die Häuser abkaufen wolle. «Dieser soll die Häuser jetzt instand setzen – Luxuswohnungen will die SVP übrigens auch keine.»

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Die Neufrankengasse 14 wurde am 15.01.16 verbarrikadiert.

Die Neufrankengasse 14 wurde am 15.01.16 verbarrikadiert.

jen
Am Dienstag, 4.1.17, fiel der Startschuss für die Räumung der Gammelhäuser an der Neufrankengasse in Zürich.

Am Dienstag, 4.1.17, fiel der Startschuss für die Räumung der Gammelhäuser an der Neufrankengasse in Zürich.

jen
Das Interesse der Öffentlichkeit war gross.

Das Interesse der Öffentlichkeit war gross.

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Skepsis über die Pläne der Stadt herrscht auch bei CVP-Fraktionschefin Karin Weyermann: «Der Kauf von Liegenschaften ist keine staatliche Aufgabe.» Abgesehen davon habe die Stadt gerade im Asylbereich bereits Lösungen getroffen. «Falls sich aber eine Stiftung wie etwa die PWG dafür interessiert, bin ich offen», so Weyermann. «Und wenn die beiden Häuser weiterhin Privaten gehören, ist es auch in Ordnung – eine Sanierung ist allerdings unumgänglich.»

«Wir sagen nicht kategorisch Nein»

Die FDP will laut Fraktionschef Michael Schmid im Parlament ohnehin die Frage stellen, warum als Käuferin nicht auch eine der Stadt nahe Stiftung wie die PWG denkbar wäre: «Letztlich spielt aber der Preise eine zentrale Rolle – vor allem auch, weil die Stadt in letzter Zeit oft Liegenschaften auf Vorrat gekauft hat, so wie etwa das Koch-Areal.» Immerhin sei im Fall der Gammelhäuser die künftige Nutzung schon einigermassen klar definiert. Schmid: «Wir sagen auf alle Fälle nicht kategorisch Nein zu dem Vorhaben.»

Von einer aus «sozialpolitischen Gründen guten Sache» spricht derweil Grünen-Fraktionschefin Karin Rykart. Einerseits mache studentisches Wohnen an einem solch zentralen und belebten Ort Sinn, andererseits seien Wohnungen gerade für den Asylbereich gesucht. Dass Bürgerliche monieren, der Kauf solcher Liegenschaften sei keine staatliche Kernaufgabe, lässt Rykart nicht gelten: «Die Stadt hat durchaus auch die Aufgabe, Wohnungen für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen.» Wenn sich die Gelegenheit biete, mache es Sinn, Häuser zu erwerben, «sofern der Preis fair ist».

Ein akzeptabler Preis ist auch für SP-Fraktionschef Davy Graf unabdingbar: «Grundsätzlich begrüssen wir die Initiative der Stadt aber.» Das Sozialdepartement müsse immer wieder Ein-Zimmer-Wohnungen für ihre Klienten hinzumieten, in den beiden Liegenschaften könnte sie laut Graf auf einen Schlag mehrere Dutzend kaufen. Graf: «Trotzdem ist eine Durchmischung der Bewohner wichtig – damit hat die Stadt jedoch viel Erfahrung, da wäre ich zuversichtlich.»

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