Kontroverses Programm: Gangmitglieder erhalten Geld, damit sie nicht töten
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Kontroverses ProgrammGangmitglieder erhalten Geld, damit sie nicht töten

Die Stadt Washington will Gangmitgliedern Geld geben, damit sie sich vom kriminellen Leben abwenden. Das Programm ist in Kalifornien sehr erfolgreich.

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Vor nicht allzu langer Zeit war Richmond in Kalifornien eine der gefährlichsten Städte der USA. Schiessereien und der Territorial-Kampf zwischen rivalisierenden Banden forderten in der 100'000-Einwohner-Gemeinde jährlich Dutzende Tote. Doch dann lancierten die Behörden in Richmond ein einzigartiges Sozialhilfeprojekt: Sie bezahlten potentiellen Gewalttätern bis zu 1000 Dollar pro Monat — fürs Nicht-Töten. Das Programm zeigte Wirkung: Die Mordrate sank zwischen 2008 und 2013 um zwei Drittel.

Nun überlegten sich andere US-Städte — darunter Washington D.C., Miami und Baltimore —, das erfolgreiche Modell aus Kalifornien zu kopieren, berichtet die «Washington Post».

Ein kriminalpräventives Programm

Das Programm «Operation Peacemaker Fellowship» aus Richmond wurde 2008 von dem Sozialhelfer DeVone Boggan ins Leben gerufen. Boggan setzte dabei auf zwei Elemente: Als Erstes engagierte er Mentoren mit kriminellem Hintergrund, um an die potentiellen Gewalttäter zu gelangen. Diese Projektmitarbeiter sollten jene Jugendlichen unter 25 Jahren identifizieren, die am ehesten einen Mord begehen oder Opfer eines Mordes werden könnten. Wichtig dabei war, dass die «Spitzel» keinen Kontakt zur Polizei hatten und auch von der Pflicht befreit wurden, über kriminelle Handlungen zu informieren.

Dann begann der zweite Teil des Programms: Die Betreuer mussten mit dem Jugendlichen einen Lebensplan ausarbeiten und Wege definieren, «um sich aus allem Ärger rauszuhalten». 18 Monate lang erhielten die jungen Männer Bargeld und dazu ein Stipendium, um ihren Schulabschluss oder eine Ausbildung zu machen. Von den 88 Teilnehmern sind nach fünf Jahren noch 84 am Leben. Vier von fünf haben es geschafft, in keine Waffendelikte verwickelt zu sein. Pro Jahr kostete das Programm seit 2010 im Durchschnitt 70'000 Dollar.

Jetzt ist Washington dran

Die Stadt Washington D.C. wird jetzt als nächste das Richmond-Programm implementieren. Doch nicht alle sind davon überzeugt — so wie die Bürgermeisterin von D.C., Muriel Bowser. Die Demokratin ist der Meinung, dass das Geld, mit dem die jungen Gangmitglieder subventioniert werden sollen, lieber in einen Job-Förderungsplan gesteckt werden sollte. Auch Washingtons Polizeichefin Cathy Lanier ist skeptisch: Man habe bis jetzt die Resultate in Richmond nicht genügend ausgewertet.

Der Stadtrat hat das Programm dennoch autorisiert. Der Demokrat Kenyan McDuffie meinte, «den Erfolg in Kalifornien kann man nicht ignorieren». Es sei zudem wichtig, den schlechten Ruf der Stadt Washington so rasch wie möglich zu verbessern.

«Ich weiss, das Programm ist kontrovers», sagt dessen Erfinder DeVone Boggan. «Aber hier bekommen junge Männer eine Belohnung für einen echt harten Job. Denn für diese Männer ist es sehr hart, ihre Probleme nicht, wie zuvor immer, mit einer Waffe zu lösen.»

Sozialhelfer DeVone Boggan erklärt, was sein Programm so erfolgreich macht: (Video: Youtube/SierraHealth)

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