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Strassen von London«Gangs befinden sich in einem offenen Krieg»

London muss sparen und zieht deshalb Polizisten von der Strasse ab. Jetzt steigt in der Stadt die Angst vor den brutalen Banden.

von
nsa

Die Polizei in London hat laut einem ehemaligen Polizisten die Kontrolle über die Gangs in der Stadt verloren. Darin sagt Birmingham zu SkyNews: «Diese Gruppen befinden sich in einem offenen Krieg.» Die Polizei könne dagegen nicht mehr ankommen – und sei zunehmend Gewalt ausgesetzt. Erst am vergangenen Donnerstag erschoss laut «Guardian» ein Gangmitglied einen Polizisten.

Ein Grund für diese Gewaltzunahme ist laut Birmingham die Fixierung der britischen Polizei auf Jihadisten. «Die Behörden kümmern sich nur noch um Leute, die nach Syrien reisen wollen. Strassengewalt und Gangs vergessen sie», sagt Birmingham. Die Polizei verliere zunehmend die Kontrolle über die Strasse. Den Grund sieht der Ex-Polizist einerseits bei den neuerdings verschärften Personenkontrollen, welche die Polizisten mehr Gewalt aussetze, andererseits bei den rigorosen Budgetkürzungen. Laut «Evening Standard» sollen in den kommenden vier Jahren eine Milliarde Pfund bei den Sicherheitskräften von London eingespart werden.

Gruppendruck in den Gangs

Von den Gangs in der britischen Hauptstadt geht aber laut Ex-Polizist Birmingham nach wie vor Gefahr aus. «Diese Kids sind das Chaos. Wenn sie zwei Mitglieder einer anderen Gang auf der gegenüberliegenden Strassenseite sehen, gehen sie rüber und erstechen sie.» Jugendgewalt hat im Vereinigten Königreich in diesem Jahr bereits um 23 Prozent zugenommen, je nach Schätzung gehören vier bis sechs Prozent aller Jugendlichen aus dem Grossraum London zu kriminellen Gruppen. Viele von ihnen stammen aus sozial benachteiligten Schichten und haben ausserhalb des kriminellen Milieus nur wenige Möglichkeiten, an Geld zu kommen.

Die jüngsten Mitglieder der Gangs sind laut Birmingham erst 12 Jahre alt. Das führe innerhalb der Banden zu einem erhöhten Konkurrenzdruck: «Die Älteren haben Angst, dass die Jüngeren ihnen ihre Ränge streitig machen», sagt Birmingham. Das verleite sie dazu, «etwas völlig Verrücktes» zu tun, um ihren Status zu verteidigen. Viele der Gangmitglieder hätten nichts zu verlieren. «Einer hat mir mal gesagt, er habe gesehen, wie seine Familie in Ruanda mit Macheten abgeschlachtet worden sei», sagt Birmingham. Da habe man keine Angst mehr vor der Gewalt auf den Strassen von London.

200 Gangs in London

Die Londoner Polizei widerspricht Birmingham. Man habe zwar mit den Budgetkürzungen zu kämpfen – von einem Scheitern im Umgang mit den derzeit rund 200 Gangs zu sprechen, sei jedoch eine «falsche Darstellung der Arbeit unserer Polizisten».

«Birmingham sagt die Wahrheit über Gangs und ihre Kultur», schreibt dieser Twitter-User, der angibt, ein Polizist aus London zu sein.

Auf diesen Karten sollen die Reviere der einzelnen Gangs verzeichnet sein.

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