Aktualisiert 04.05.2012 11:18

Zweite Friedens-GesteGangs zwingen Kids nicht mehr zum Töten

Die beiden grössten Banden von El Salvador verkündeten, dass sie ab sofort keine Kinder mehr rekrutieren wollen. Eine erfreuliche Entscheidung. Und doch macht sie manchen Angst.

von
kmo

Es tut sich etwas im tödlichen Gang-Krieg von El Salvador: «Ab sofort werden wir auf die Rekrutierung von Minderjährigen und auf die Zwangsrekrutierung von Erwachsenen verzichten», verkündete Victor Antonio García, Chef der berüchtigten Gang Mara-18, gestern an einer Pressekonferenz im Gefängnis von Quezaltepeque, nördlich von San Salvador. Schulen würden künftig als «zonas de paz», als Friedenszonen gelten, sagte er laut dem Newsportal Milenio.com weiter.

Dieser Erklärung hat sich auch die andere grosse Gang, Mara Salvatrucha (MS-13), angeschlossen. Beide Gangs hatten bisher regelmässig Schüler ab zwölf Jahren rekrutiert – Buben als Mitglieder und Mädchen als Prostituierte.

Bandenchefs senken Mordrate um 50 Prozent

Dieser Akt sei der zweite Teil ihrer «Geste des guten Willens», sagte García. Wobei der erste Teil der Waffenstillstand ist, den die beiden Gangs am 9. März 2012 geschlossen hatten. Seither ist die Mordrate um gut 50 Prozent gesunken – von durchschnittlich 14 auf ca. 6 pro Tag. Eine grandiose Entwicklung in einem Land mit einer der höchsten Mordraten der Welt.

In den Barrios, den Armenquartieren der salvadorianischen Grossstädte, herrscht angespannte Ruhe. Zwar begrüssen die Bewohner die Situation, gleichzeitig befürchten sie laut «The Guardian» aber, dass der Zustand nicht von Dauer ist, dass urplötzlich ein Bandenkrieg von ungeahntem Ausmass ausbrechen könnte.

Der Staat ist in der Zuschauerrolle

Andere wie der Blogger James Bosworth monieren, dass die Bandenchefs das Zepter übernommen haben und der Staat in die Rolle des Zuschauers gedrängt wird. Mehr noch: dass er erpressbar wird. Denn hinter dem Waffenstillstand stecken weder eine politische Vision noch begleitende Massnahmen, sondern allein der Wille der Gang-Chefs.

Trotzdem versucht Staatspräsident Mauricio Funes, den Prozess zu steuern. So hat er Ende März die Gesellschaft – vorab die Unternehmer – dazu aufgefordert, ausstiegswillige Bandenmitglieder zu unterstützen. Zudem kündigte das Ministerium für Sicherheit und Justiz Mitte April den Start eines 20-Millionen-Dollar-Ausbildungsprogramms für Häftlinge an.

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