Interview: «Gangsta-Rap ist wie ein netter Film»
Aktualisiert

Interview«Gangsta-Rap ist wie ein netter Film»

Der somalische Rapper K'naan über Piraten, Krieg und sein neues Album.

von
Marion Bangerter

Wieso heisst dein neues Album «Troubadour»?

Ein Troubadour ist für mich ein Reisender, so wie ich. Ich bin ständig in Bewegung – musikalisch, artistisch und physisch. Dabei versuche ich, Menschen in eine neue Welt und eine neue Musik einzuführen. Dieses Album hat so viele Gefühle und Styles, und ich habe den Endpunkt noch nicht erreicht.

Im Song «Fatima» erzählst du von einem Mädchen, das du sehr gern gehabt hast. Ist das eine wahre Geschichte?

Ja. Fatima war meine Kindheitsfreundin.

Was ist passiert?

Wir standen uns sehr nah. Sie war so schön. Als ich aus Mogadischu flüchten konnte und in Amerika ankam, klingelte das Telefon - Fatima war erschossen worden.

Wahrscheinlich könntest du zehn Alben mit deinen traurigen Geschichten füllen ...

Ja klar, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das will. Wenn ich nichts Wichtiges mehr zu sagen habe, wirst du auch nichts mehr von mir hören.

Du hast einen Song mit Metallica-Gitarrist Kirk Hammett aufgenommen. Wie war die Zusammenarbeit?

Grossartig. Er ist sehr cool und grosszügig und für mich einer der besten Gitarristen aller Zeiten. Es hat riesigen Spass gemacht, mit ihm im Studio zu sein.

Was hast du für einen Bezug zu Gangsta-Rap?

Gangsta-Rap ist für mich wie ein netter Film. Okay zum Anhören – aber ich schalte ihn auch oft wieder aus. Er bedeutet mir nicht viel. Ich komme aus einer ganz anderen Welt.

Was unterscheidet dich denn von Rap-Stars wie Jay-Z oder Kanye West?

Ich habe ganz andere Lebenserfahrungen gemacht. Jay-Z kommt von der Strasse, Kanye aus einer Familie mit Uniprofessoren. Ich komme von ganz woanders her: aus Mogadischu, Somalia. Ich unterscheide mich von ihnen in der Art, wie ich denke und wie ich das Leben anschaue mit meinen Erinnerungen an eine Heimat, in der alles am Boden liegt.

Siehst du dich als Stimme Somalias?

Ich denke eher, Somalia sieht mich als Stimme, die es braucht. Das Land ist von Krieg und Korruption zerstört. Die Menschen sind dankbar, dass ich in meinen Rhymes über ihr Leben berichte.

Was war das Schlimmste, das du als Kind erlebst hast?

Die kriegerischen Auseinandersetzungen. Aber nebst den Explosionen und der ständigen Angst vor dem Tod war es am schlimmsten, das Land zu verlassen und die engsten Freunde zurückzulassen.

Sind viele Leute, die du kennst, in Somalia geblieben?

Ja. Aber viele von ihnen sind getötet worden. Meine jungen Brüder und Schwestern sind noch da, meine Tante und Grossmutter. So ziemlich alle.

Der Song «Somalia» handelt von Piraten. Hast du schon mal mit Piraten zu tun gehabt?

(Lacht) Oh ja, das hab ich. Ich habe junge Cousins, die Piraten wurden und gerade jetzt auf hoher See sind.

Out of Africa: K’naans Story

Kanaan Warsame stammt aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Als der Bürgerkrieg 1991 Mogadischu erreichte, flüchtete der damals 13-Jährige nach New York. Mit Hilfe von Hip-Hop-Alben lernte er Englisch und entdeckte seine Liebe zum Rap. Bei Open-Mic-Nächten machte er sich einen Namen. 2005 veröffentlichte er sein Debüt «The Dusty Foot Philosopher». Auf seinem aktuellen Album «Troubadour» rappt K’naan wortgewandt und zu traditionell afrikanischen Melodien über seine vom Krieg gebeutelte Heimat. K’naan, «Troubadour» (Universal)

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