Amriswil TG: Gangsta-Rapper will bedrohte Bäume retten
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Amriswil TGGangsta-Rapper will bedrohte Bäume retten

In Amriswil TG tobt ein absurder Nachbarschaftsstreit um Bäume, die gefällt werden sollen. Nun hat sich ein Basler Rapper per Video in die Debatte eingeschaltet.

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taw

Dem Basler Rapper Esat Akpinar liegen die Thurgauer Bäume am Herzen. (Video: Facebook/Esat Akpinar)

«Ich kämpfe für meine Grundstück und für meine Bäume. Wenn nötig ziehe ich die Sache sogar bis vor das Bundesgericht», sagt Gabriela Wyss (56) aus Amriswil TG gegenüber TVO. Seit 2013 tobt zwischen der Anwältin und ihren Nachbarn ein Streit. Grund dafür sind Bäume auf ihrem Grundstück, die über das Anwesen hinaus ragen und so die Nachbarn gewaltig stören. Sie verlieren laut den Nachbarn nämlich derart Nadeln, dass sie damit Dachrinnen verstopfen. Zudem sei wegen der Bäume die Fassade der Nachbarn voller Moos.

«Was ich vor allem vermisse, ist, dass Frau Wyss nicht persönlich auf uns zukommt und Vorschläge bringt, wie es für beide Seiten stimmen könnte», so Nachbar Olaf Sager gegenüber TVO. Wyss kontert: «Ich wohne hier bereits seit 2001. Die Nachbarn sind erst später zugezogen. Und die Bäume waren längst da.» Sie verstehe nicht, warum es jetzt ein Problem gibt.

Zudem sei sie immer sehr entgegenkommend gewesen und habe versucht, es den Nachbarn recht zu machen. Diese hätten dennoch die Flurkommission Amriswil eingeschalten, welche im Streit vermitteln sollte. Eine aussergerichtliche Einigung scheiterte allerdings. So entschied die Kommission, dass Wyss ihre Bäume radikal stutzen muss.

Wyss lässt das nicht auf sich sitzen: «Mein Lieblingsbaum ist über 80 Jahre alt, vielleicht hundert. Wenn ich ihn Meter kürze, geht er ein.» Das habe sie auch von unabhängigen Experten so bestätigt bekommen. Inzwischen beschäftigt sich das Thurgauer Verwaltungsgericht mit dem Fall.

«Das ist gegen die Natur»

Unterstützung erhalten Wyss und ihr Mann Carlo Häfeli nun vom Basler Rapper S-Hot alias Esat Akpinar. «Ich habe etwas, was mir sehr am Herzen liegt», so der Rapper am Anfang des gut sechsminütigen Videos, das er dieser Tage auf Facebook gepostet hat. Der 25-Jährige kann nicht verstehen, warum man die Bäume fällen sollte: «Das ist gegen die Natur und gegen menschliches Denken. Wir brauchen Bäume, um zu leben.» Am Ende des Videos ruft er seine Fans auf, Stellung zu beziehen. Für ihn ist klar: «Wer ein Mensch ist, den berührt die Sache auch.» Beinahe 9000 Mal wurde das Video bereits angesehen und über 100 Kommentare gingen ein.

«Ich bin überwältigt, was das für eine Welle ausgelöst hat», sagt Akpinar gegenüber 20 Minuten. Er sei zwar momentan mitten in den Vorbereitungen zu seinem neuen Album, die Sache habe ihm aber keine Ruhe gelassen. «Ich bin deshalb extra vor Ort gegangen, um das Video zu drehen», so der Rapper. Häfeli sei ein Kollege von ihm – die beiden hatten sich im Rahmen eines Projektes für die Opferhilfe kennengelernt – und er habe deshalb einfach handeln müssen. Akpinar, Wyss und Häfeli hoffen nun, dass das Video möglichst viele Leute erreicht und hilft, die Bäume zu erhalten.

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