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GDL-Chef Claus WeselskyGanz Deutschland hasst diesen Mann

Auch deutsche Gewerkschaftsmitglieder stellen sich gegen Streikführer Claus Weselsky. Medien rufen zur Hatz gegen den Lokführer-Chef auf. Nun schaltet er die Polizei ein.

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laf/sda

«Geigen Sie dem Gewerkschaftsboss die Meinung», ruft die deutsche «Bild»-Zeitung in einem Artikelanriss auf. Daneben zu sehen: die Telefonnummer des Frankfurter Büros von Claus Weselsky. Die Nachrichtenseite Focus Online geht noch weiter: «So versteckt lebt Deutschlands oberster Streikführer», heisst der Titel eines Berichts über den Gewerkschaftschef. Wobei das Versteckspiel nun wohl vorbei ist. Focus Online zeigt die Fassade des Altbaus, in dem Weselsky mit seiner Familie wohnt, und berichtet detailliert über Klingelschild und Nachbarschaft. In einer früheren Artikelversion stand sogar noch der Name des Ortsteils.

Auch bei Twitter und Facebook häufen sich die Hasstiraden gegen Weselsky, auch aus Gewerkschaftskreisen schwindet die Unterstützung. Bei Twitter ist der Hashtag #Weselsky derzeit der zweitbeliebteste in Deutschland. Doch nicht alle hassen den Streikführer. Das deutsche Autovermietungsunternehmen Sixt etwa nutzt das Bahn-Chaos für sich und wirbt mit dem Konterfei von Weselsky für die eigenen Services. Er sei der «Mitarbeiter des Monats», heisst es in einer einseitigen Anzeige, die Sixt unter anderem in der «Süddeutschen Zeitung» schaltete.

Zur Polizei gegangen

Am Donnerstagmorgen hat sich Weselsky erstmals zu der Aufregung um seine Person gekümmert. Personenschutz brauche er noch nicht, erklärte er im «ARD»-Morgenmagazin. «Ich bin auch bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun», erklärt er. Doch als dann Fotos seiner Privatwohnung veröffentlicht wurden, ging es ihm zu weit. «Ich habe gestern Abend die Polizei verständigt, weil es hier in einer unglaublichen, nennen wir es einfach Verletzung meiner Privatsphäre nicht mehr um die Sache geht.»

Es handelt sich bereits um die sechste Streikaktion im laufenden Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft GDL hatte ein Schlichtungsangebot der Deutschen Bahn am Mittwochnachmittag abgelehnt – und mit noch längeren Streiks gedroht. Der seit dem frühen Morgen andauernde Streik fällt zusammen mit den Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, zu denen in Berlin Hunderttausende von Besuchern erwartet werden, und mit dem Ferienende in den Bundesländern Bremen und Niedersachsen.

Einstweilige Verfügung

Die Deutsche Bahn will die Aktion mit einer einstweiligen Verfügung vorzeitig gerichtlich beenden lassen. Ein entsprechender Antrag werde beim Arbeitsgericht Frankfurt am Main gestellt, kündigte das Unternehmen am Donnerstag in Berlin an. Die GDL habe das Angebot zu einer Schlichtung «offenbar ohne ernsthafte Prüfung abgelehnt». Nun habe die Deutsche Bahn dem Gericht «umfangreich dargelegt», welch zahlreiche substanzielle Angebote sie der GDL unterbreitet habe, hiess es.

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