Aktualisiert 11.03.2014 15:14

Dritter JahrestagGanz Japan trauert

Japan gedenkt der 18'000 Opfer, die bei der Tsunami-Katastrophe vor drei Jahren ums Leben gekommen sind. Die AKW-Ruine in Fukushima verstrahlt das Land noch heute.

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Eindrücke aus einer Gedenkfeier in Japan. (Video: Reuters)

Drei Jahre nach der Natur- und Atom-Katastrophe mit Tausenden Opfern kommt der Wiederaufbau in Japan nur schleppend voran.

Am Gedenktag gelobt die Regierung erneut Besserung - und treibt zugleich das Wiederanfahren von Atomreaktoren im Lande voran.

Mit einer Schweigeminute hat Japan am Dienstag der Opfer der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe von vor drei Jahren gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit legten die Menschen in den Katastrophengebieten und an anderen Orten eine Gedenkminute für die fast 19'000 Todesopfer des Tsunami ein - genau zu dem Zeitpunkt, als am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9,0 Japan heimsuchte.

«In den vergangenen drei Jahren haben die Menschen in der Region, die noch immer unter harten Bedingungen leben, mit einem starken Sinn für Solidarität zahlreiche Schwierigkeiten überwunden», sagte Kaiser Akihito auf einer Gedenkveranstaltung in der Hauptstadt Tokio.

Vor dem havarierten Reaktor Fukushima erleuchteten am Abend zweitausend Kerzen, die zum Schriftzug «Fukushima 3/11» arrangiert waren. In Namie, einem zur Geisterstadt gewordenen Ort acht Kilometer neben Fukushima, versammelten sich am Dienstag hunderte frühere Bewohner, Polizisten und Feuerwehrleute zu einer eher symbolische Suche nach Vermissten.

267'000 Menschen in Notunterkünften

Auch drei Jahre nach der Dreifachkatastrophe leben weiterhin rund 267'000 Menschen in containerähnlichen Behelfsgebäuden oder anderen vorübergehenden Unterkünften. Eine grosse Mehrheit der Betroffenen in der Katastrophenregion beklagt laut einer Umfrage der Zeitung «Tokyo Shimbun», dass der Wiederaufbau nicht vorankomme.

Infolge des Erdbebens und Tsunamis kamen 15'884 Menschen ums Leben, 2636 weitere gelten noch als vermisst. Hinzu kommen weitere fast 3000 Menschen, die an den gesundheitlichen Folgen des jahrelangen Lebens in den provisorischen Behelfsunterkünften starben oder Selbstmord begingen. Obwohl bei dem Unglück massiv Radioaktivität austrat, gibt es keine belegten Todesfälle durch Verstrahlung.

Abe will Wiederaufbau vorantreiben

Ministerpräsident Shinzo Abe versprach erneut, den Wiederaufbau zu beschleunigen. Seine Regierung werde die Bebauungspläne so umfassend wie möglich vorantreiben, sagte Abe.

Betroffene Gemeinden beklagen einen Mangel an Arbeitskräften, der sich im Zuge der Vorbereitungen Japans auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio noch zu verschärfen droht. Viele Bewohner der Katastrophenregion leiden auch mit Blick auf die nahenden Olympischen Spiele unter dem Gefühl, dass ihr Schicksal im Rest des Landes in Vergessenheit geraten ist.

Unterdessen schickt sich die Regierung unbeeindruckt von Protesten an, schon bald wieder die ersten Atomkraftwerke hochzufahren. Noch sind alle 48 Reaktoren des Landes infolge der Atomkatastrophe in Fukushima zu verschärften Sicherheitsprüfungen abgeschaltet.

Riskante Entsorgung

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami war es im AKW Fukushima Daiichi zu Kernschmelzen gekommen. Es war der schwerste Atomunfall seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Die drei geschmolzenen Reaktorkerne können auch drei Jahre später nur mit viel Kühlwasser in stabiler Temperatur gehalten werden.

Im vierten Reaktor lagern noch immer rund zwei Drittel der ursprünglich 1500 Brennstäbe, die Entsorgung ist riskant. An den gewaltigen Becken, in denen fast 450'000 Kubikmeter verseuchtes Wasser lagern, werden immer wieder Lecks festgestellt. Fischer und Umweltschützer stemmen sich gegen den Plan, das Wasser einfach ins Meer zu leiten.

(mis/sda)

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