Jean-Claude Ankli (†): Ganzes Dorf trauert um seinen «Waldmenschen»
Aktualisiert

Jean-Claude Ankli (†)Ganzes Dorf trauert um seinen «Waldmenschen»

Im Alter von 81 Jahren ist der als Waldmensch bekannte Aussteiger Jean-Claude Ankli in Muttenz Anfang Janaur gestorben. Der Aussteiger war ein beliebtes Original.

von
lha

So lebte Jean-Claude Ankli, der Waldmensch von Muttenz. (Video: Wibbit/20Minuten)

Kein Paradies auf Erden ist das Wäldlein an der Hardackerstrasse in Muttenz, eingeklemmt zwischen dem Güterbahnhof und Autobahn. Hier lebte zwischen Pfadihütte, Aushubdeponie und Kompostanlage Jean-Claude Ankli über 20 Jahre lang sein Aussteigerleben. Waldmensch nannten ihn die Muttenzer, sie meinten es liebevoll und nicht abwertend. Nun ist das Dorforiginal gestorben. Vielleich noch vor, spätestens aber kurz nach Neujahr ist Ankli im Alter von 81 Jahren im Anbau seines Wohnwagens gestorben.

Die Polizei wurde am 3. Januar gerufen, als seine Leiche gefunden wurde. Ankli starb offenbar eines natürlichen Todes. Eine Untersuchung sei nicht angeordnet worden, erklärte ein Sprecher der Baselbieter Polizei auf Anfrage.

In der Gemeinde machte die Nachricht zehn Tage später die Runde. «Lieber Jean-Claude, du wirst uns nicht nur im Wald, sondern vor allem auch im Dorf fehlen», schrieb ein Muttenzer auf Facebook. Dort wurde ein Post in der Gruppe «Du bisch vo Muttenz wenn», der die Todesnachricht verbreitete, von Dutzenden kommentiert, die um ihn trauern. Viele kannten den eigenwilligen Aussteiger, der keineswegs menschenscheu war, von Begegnungen im Dorf oder bei der Pfadihütte.

«Und heute haben wir so einen schönen Tag. Das ist Glück!»

«Er war ein sehr interessanter Mensch», sagt Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann, die Ankli auch kannte und schätzte. Künstlerisch begabt, aufgestellt und herzlich sei er gewesen. «Er gehörte einfach zu Muttenz», sagt sie.

Dabei hatte Ankli in Muttenz keinen leichten Start als Aussteiger. Er musste mehrmals umziehen. Nachdem ihn 1991 Jäger im Wald entdeckten, wurde er auf das unbebaute Landstück zwischen Güterbahnhof und Autobahn umgesiedelt. Nach zwei Jahren musste er aber einem Biotop für Kreuzkröten weichen, konnte man damals lesen. Angebote der Behörden, die ihm eine Unterkunft geben wollten, lehnte er ab.

Und so errichtete er sein Refugium neben der Pfadihütte und baute es stetig aus. Mit dem Segen der Gemeinde, die ihn dort gewähren und seine Insel der Freiheit bauen liess. Dort besuchte ihn um 2006 auch die Basler Filmemacherin Anna Thommen. Ihr kurzer Dokumentarfilm über ihn heisst «Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt». Und genau so habe sie ihn auch erlebt, sagt Thommen. «So nahe in der Natur zu wohnen und nur das nötigste zu besitzen – das war für ihn ein kleines Paradies.»

Trailer zu Dok über den Muttenzer Waldmenschen

Filmemacherin Anna Thommen besuchte den "Waldmenschen" Jean-Claude Ankli in Muttenz, woraus 2006 ein kurzer Dokuemtarfilm entstand.
(Video: Anna Thommen)

Der Trailer zum Film über Ankli. (Video: Anna Thommen)

Warum er zum Aussteiger wurde, ist nicht bekannt. Wohl gab es Brüche in der Biografie des Mannes, der einst Schriftenmaler war. Mühe mit dem System habe er gehabt, sagt Thommen. Aber nicht mit den Menschen. «Er war auch gesellig», erzählt Andreas Meier, der Verwalter der Pfadihütte.

Die Nachbarschaft sei bereichernd gewesen, so Meier. Ankli war künstlerisch tätig, bastelte und baute viel. Sein Reich ist eine Ansammlung von Bauten, die er als Lager oder auch Werkstatt und Atelier nutzte. Zuletzt dann wohl zunehmend nur noch als Lager.

«Ich will draussen wohnen. In einer Wohnung fühle ich mich eingesperrt.»

Das Gelände ist heute verwildert und ausserhalb des Wohnwagens mit dem Anbau, in dem er lebte, kaum mehr begehbar. Die Hütten sind gefüllt mit allerlei Material und Sachen, die Ankli da vor allem hortete. «Er war zuletzt wohl ein bisschen ein Messi», meint Meier. Als alter Mann war er mit seinem Paradies wohl etwas überfordert. Zumal auch gesundheitlich angeschlagen und zu Fuss nicht mehr so gut unterwegs. Meier fuhr ihn erst Mitte Dezember noch ins Dorf, weil er gebrochene Zehen hatte. «Er sagte noch, dass er da mal herausgetragen wird. Er ahnte es wohl.»

Deine Meinung