Aktualisiert 09.06.2015 14:48

Zentralschweiz «Gastfreundschaft soll im Ranking nach vorne»

Beim Werben um Gäste vertrauen die Zentralschweizer Touristiker auf die schöne Landschaft und lokale Attraktionen. Dabei sollten sie mehr Wert auf die Gastfreundschaft legen, sagt eine Studie.

von
mme
Ungleiche Vorstellungen: Die Zentralschweizer Touristiker unterschätzen den Wert der Gastfreundschaft.

Ungleiche Vorstellungen: Die Zentralschweizer Touristiker unterschätzen den Wert der Gastfreundschaft.

«Unsere Gäste – unsere Freunde»: So lautet das Motto des Gästival, dem Jubiläumsanlass zur 200-jährigen Tourismusgeschichte in der Zentralschweiz. Dieses Festival nahm die Hochschule Luzern zum Anlass, herauszufinden, welchen Stellenwert die Gastfreundschaft in der Region hat.

Die Studie zeigt jetzt, wie wichtig es für die Gäste ist, wie sie am Ferienort behandelt werden. Beim Ranking, welche Faktoren für einen Buchungsentscheid am wichtigsten sind, landete die Gastfreundschaft bei den befragten Gästen auf Rang 2. Wichtigeres Kriterium für die Gäste war nur noch die Unterkunft. Der Preis hingegen ist erst auf Rang 4.

Tourismus-Profis ist Gastfreundschaft nicht so wichtig

Einen tieferen Stellenwert hat die Gastfreundschaft hingegen bei denen, die sie anbieten. Aus Sicht der Touristiker kommt die Gastfreundschaft erst auf Rang 6, wenn es um Buchungentscheide geht. Als viel wichtiger nannten die befragten Tourismus-Profis die Faktoren Landschaft, Attraktionen, Preis, Unterkunft und Erreichbarkeit der Destination. Jürg Stettler, Leiter des Forschungsprojekts, sagt zu diesem Befund: «Die Branchenvertreter unterschätzen, wie wichtig Gastfreundschaft für Touristen ist. Das ist problematisch.» Gastfreundschaft sei ein Wettbewerbsfaktor: «Gäste, die das Gefühl vermittelt

bekommen, willkommen zu sein, sind zufriedener, bleiben länger, geben mehr Geld aus, kommen häufig wieder und empfehlen den Ort weiter.»

Gäste sind recht zufrieden mit der Gastfreundschaft

Weiter zeigt die Studie indes auch, dass der Umgang mit Gästen gar nicht so schlecht ist. Auf einer Skala von 1 (völlig unzufrieden) bis 7 (völlig zufrieden) benoteten die Gäste die Gastfreundschaft mit 6,2. Die Touristiker selbst gaben der gebotenen Gastfreundschaft selbstkritisch nur die Note 4,7. «Das macht deutlich, dass wir im Umgang mit unseren Gästen nicht so schlecht sind. Sie sind zufrieden mit unserer Gastfreundschaft», so Stettlers Einschätzung.

Touristiker sind selbstkritisch

Für Gästival-Sprecher Stefan Ragaz ist es gar kein so schlechtes Zeichen, dass die Tourismus-Profis ihre Gastfreundlichkeit als schlechter bewerten als die Gäste: «Die Touristiker sind selbstkritisch, dass ist eine gute Voraussetzung, um noch besser zu werden. Und das Gästival will ja genau den Stellenwert der Gastfreundschaft herausstreichen.»

Zum Befund der Studie, dass die Touristiker die Gastfreundschaft als nicht so wichtig für einen Buchungsentscheid halten, sagt Ragaz: «Wir müssen schauen, dass der weiche Faktor Gastfreundschaft im Ranking nach vorne kommt. Auch das ist genau ein Ziel des Gästival.» Er habe jedoch auch Verständnis dafür, dass in der Branche harte Faktoren wie der Preis eben auch wichtig seien.

Zentralschweiz will noch gastfreundlicher werden

Um die Gastfreundlichkeit zu verbessern, wird derweil einiges unternommen. So gibt es am Gästival beispielsweise Gastfreundlichkeitskurse, und die Hochschule bietet Workshops für Mitarbieter und Führungskräfte von touristischen Betrieben an. Zum Bespiel spionieren die Angestellten eines Hotels in einem anderen Hotel die Serviceleistungen aus und bewerten diese nachher. Zudem gibts die «Charta der Gastfeundschaft», die von 10'000 Personen unterschrieben werden soll. Wer unterschreibt, bekräftigt damit, alles zu tun, damit die Gäste sich in der Zentralschweiz gut betreut fühlen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.