Aktualisiert 03.09.2014 06:44

Küchenporno

Gastrosexuelle Männer erobern die Küche

Die perfekte Hausfrau war gestern. Heute trumpft der Mann mit einer teuren Hightech-Ausrüstung und aufwändigen Menus in der Küche auf.

von
Nicole Glaus
Der Mann von heute ist gastrosexuell: Er investiert nicht nur in kostspielige Kochwerkzeug, sondern weiss, auch was Pochieren und Niedergaren ist.

Der Mann von heute ist gastrosexuell: Er investiert nicht nur in kostspielige Kochwerkzeug, sondern weiss, auch was Pochieren und Niedergaren ist.

Zuerst schneidet er fein säuberlich das Bio-Gemüse aus dem Delikatessenladen mit dem teuren Damast-Stahl Messer. Dann bereitet er den Vakuumbeutel mit dem exklusiven Stück Fleisch vor, um anschliessend im topmodernen Kombi-Dämpfer mit der Garmethode Sous Vide sein Kunstwerk zu vollenden.

Der Mann von heute ist gastrosexuell: Er investiert in kostspielige Kochwerkzeuge. Er weiss, was Pochieren und Niedergaren ist. Seine Leidenschaft erwacht nicht im Bett, sondern in der Küche. «Wir Gastrosexuellen können immer ein Küchengerät nennen, das dummerweise fehlt im Maschinenpark, das aber wirklich wichtig wäre, um unsere Kochkunst zu perfektionieren», schreibt Carsten Otte, der ein Buch über das Phänomen geschrieben hat.

«Die modernen Technikgeräte begeistern die Männer»

Den Einzug gastrosexueller Männer spüren auch die Verkäufer von Küchenutensilien. «Immer mehr Männer interessieren sich für die Wahl des richtigen Küchenmessers, wie die Erfahrung in unseren Shops zeigt», sagt Victorinox-Sprecher Hans Schorno. Besonders gefragt seien zurzeit farbige Küchenmesser. Bei den Hobbyköchen dürfe es auch einmal ein geschmiedetes Messer sein oder eines mit Keramikklinge. «Auch Männer legen grossen Wert darauf, das passende Messer für jede Verwendung parat zu haben», so Schorno.

Auch der Haushaltgeräte-Anbieter V-Zug bestätigt, dass sich Männer zunehmend für Hightech-Küchengeräte interessieren. Besonders beliebt sei etwa der Combi-Steamer, sagt der Marketingverantwortliche Philipp Hofmann. An den Kochveranstaltungen der V-Zug, wo die Küchengeräte präsentiert werden, sind die Männer inzwischen manchmal sogar in der Überzahl.

«Die modernen Technikgeräte begeistern die Männer», sagt Hofmann. Diese erlaubten es ihnen auch, Mahlzeiten nachzukochen, die früher Profiköchen in Restaurants vorbehalten gewesen seien. Das präzise Kochen mit Dampf ermöglicht es zudem, das gute Stück Fleisch oder ein Soufflé mit einer Gelinggarantie auf den Tisch zu zaubern: «Auch wenn ein Fussballmatch in die Verlängerung geht», so Hofmann.

Auch topmoderne Kühlschränke oder Backofen sorgen bei Männern für leuchtende Augen: «Das amerikanische Food Center, das Eiswürfel direkt ins Glas spuckt, sorgt für Begeisterung», sagt Roland Astner, Leiter der Fachberatung von Electrolux. «Frauen tendieren hingegen pragmatisch zu einem herkömmlichen Backofen», sagt Astner.

«Die grosse Show am Wochenende übernimmt der Mann»

Vom Alltagskochen aber hält der Mann offenbar nicht viel. Nach wie vor bekoche die Frau von Montag bis Freitag die Familie - etwa mit Spaghetti Bolognese, sagt Astner: «Die grosse Show am Wochenende, den speziellen Einkauf und das Fünfgangmenu, übernimmt dann aber der Mann.»

Der gastrosexuelle Mann begnügt sich also nicht nur mit der topmodernen Ausstattung, sondern kümmert sich auch um den exklusiven Einkauf. «Gerade an einem Samstag spürt man, dass im Vergleich zu früher immer mehr Männer bei uns einkaufen, um etwas Spezielles zu kochen», erklärt der Sprecher von Globus, Jürg Welti. Es seien vor allem die Frischprodukte wie Fleisch, Fisch und Gemüse, aber auch spezielle Gewürze. «Ich habe selber schon erlebt, dass die Männer nicht nur mit den Mitarbeitern, sondern auch untereinander an der Theke über das Kochen fachsimpeln.»

Sind Sie auch ein gastrosexueller Mann oder ärgern Sie sich als Frau über diese Männer? Schreiben Sie uns an feedback@20minuten.ch

Sind Sie stolz auf Ihr neustes High-Tech-Küchengerät? Dann schicken Sie uns auch ein Foto von sich mit Ihrem Lieblingsutensil an community@20minuten.ch

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