Bei Covid-Zertifikat - Gastrosuisse fordert neue finanzielle Entschädigungen

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Bei Covid-ZertifikatGastrosuisse fordert neue finanzielle Entschädigungen

«Die Reserven sind aufgebraucht», sagt Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. Der Sommer lief für die Restaurants noch schlechter als im letzten Jahr. Nun fürchten sie sich vor dem Covid-Zertifikat.

von
Fabian Pöschl
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Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer warnt vor einem weiteren Stellenabbau in der Gastro-Branche (Archivbild).

Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer warnt vor einem weiteren Stellenabbau in der Gastro-Branche (Archivbild).

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Die Restaurants haben ihre Reserven aufgebraucht.

  • Laut dem Branchenverband Gastrosuisse steht die Überlebensfähigkeit der Betriebe auf dem Spiel.

  • Um einen weiteren Stellenabbau zu verhindern, fordert der Verband finanzielle Entschädigungen.

Für die Restaurants lief der Sommer noch schlechter als im letzten Jahr. Laut Umfrage lagen die Umsätze im Juli und August etwa 70 Prozent hinter dem Vorjahr. Massgeblich dafür verantwortlich waren die Corona-Massnahmen, wie der Branchenverband Gastrosuisse am Sonntag in einer Mitteilung schreibt.

Die Liquidität habe sich über den Sommer hinweg wieder verschlechtert. «Die Reserven sind aufgebraucht», sagt Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. Die Härtefall-Entschädigungen hätten zwar einen Kahlschlag verhindert, aber bei mehr als 50 Prozent der befragten Bezüger waren weniger als 50 Prozent der laufenden Kosten während der behördlichen Schliessungen gedeckt.

53’000 Stellen seit 2020 weg

Die Härtefall-Entschädigungen reichten nicht aus, um die Folgen weiterer Einschränkungen aufzufangen, warnt Platzer. Die Covid-Zertifikatspflicht, die nun doch kommen soll, werde das Gästepotenzial um bis zu 45 Prozent verringern. Entsprechend erwarten 56,7 Prozent der Betriebe mit dem Zertifikat Umsatzeinbussen von mindestens 30 Prozent, selbst wenn die Kapazitätsbeschränkungen fallengelassen würden.

Platzer warnt, dass die Überlebensfähigkeit der Betriebe gefährdet sei. Seit Anfang des vergangenen Jahres seien laut Bundesamt für Statistik schon rund 53’000 Stellen im Gastgewerbe verloren gegangen. «Das entspricht jeder fünften Stelle», so Platzer. Um einen weiteren Abbau zu verhindern, müsste das Gewerbe bei Einschränkungen wie dem Zertifikat finanziell entschädigt werden.

«Die Zertifikatspflicht wird nicht viel bewirken»

Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, fordert ein Ausstiegsszenario vom Bundesrat (Archivbild).

Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, fordert ein Ausstiegsszenario vom Bundesrat (Archivbild).

20min/Matthias Spicher

Sind Sie enttäuscht vom Bundesrat, dass er sich am Mittwoch für eine Zertifikatspflicht entscheiden dürfte?

Casimir Platzer: Meines Wissens ist noch nichts entschieden. Der Bundesrat wird am kommenden Mittwoch darüber entscheiden. Falls die Auslastung der Intensivbetten weiter steigt, ist aber leider davon auszugehen, dass es früher oder später zu einer Zertifikatspflicht kommen wird.

Haben Sie Verständnis dafür?

Vor gut einem Jahr gab es fast doppelt so viele Intensivbetten. Bund und Kantone hätten nach Bundesverfassung dafür zu sorgen, dass eine ausreichende, allen zugängliche medizinische Grundversorgung besteht. Man hätte besser hier die Pflichten wahrgenommen, anstatt jetzt schon wieder unsere Branche einzuschränken. Wir haben dem Bundesrat verschiedene Alternativen zur Zertifikatspflicht vorgeschlagen und diese müsste man zuerst prüfen.

Werden die Restaurants das Zertifikat umsetzen?

Die Zertifikatspflicht wird in epidemiologischer Sicht nicht viel bewirken, aber wir werden unseren Mitgliedern empfehlen, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Wenn man aber von uns diese Solidarität verlangt, dann fordern wir auch die Abschaffung aller Schutzkonzepte sowie bei zusätzlichen Umsatzeinbussen eine Entschädigung der ungedeckten laufenden Kosten.

Werden die Wirte die Zertifikate ihrer Gäste kontrollieren?

Es scheint so beabsichtigt, die Kontrolle und auch die Haftung den Gastronomen und deren Mitarbeitenden aufzutragen. Das hat gerade in ländlichen Regionen und bei Stammgästen ein grosses Konfliktpotential.

Wie lange werden Sie die Zertifikatspflicht akzeptieren?

Nur solange, wie das die Spitalbelastung bedingt. Wir fordern vom Bundesrat, dass er auch ein Ausstiegsszenario definiert.

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