GAV-Verhandlungen gescheitert
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GAV-Verhandlungen gescheitert

Ab Samstag stehen die Arbeitnehmenden der grafischen Industrie in vertragslosem Zustand.

Die Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) sind gescheitert. Der Arbeitgeberverband kritisiert die Gewerkschaften schwer.

«Die grossen Verlierer sind die Arbeitnehmenden», sagte Hans- Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Verbandes für visuelle Kommunikation (Viscom), am Freitag vor den Medien in Zürich. Die Gewerkschaften müssten sich einmal mehr die Frage nach ihrer eigenen Verantwortung gefallen lassen.

Mit einem «der wirtschaftlichen Situation angepassten» Verhandlungspaket habe Viscom versucht, den Weg für einen tragbaren Kompromiss zu ebnen. Man sei bereit gewesen, auf Anpassungen der Mindestlöhne einzutreten und den Kündigungsschutz von Mitgliedern der Betriebskommissionen zu verbessern.

Scheitern provoziert

Auch in der Frage der Mutterschaftsversicherung sei man den Gewerkschaften entgegengekommen, sagte Viscom-Präsident Peter Edelmann. «Wir haben aber von Beginn weg gespürt, dass es zu keiner Lösung kommen wird.» Die Gewerkschaften Comedia und Syna hätten das Scheitern provoziert.

Dies sehen die Gewerkschaften anders: Die Verhandlungen seien an der kompromisslosen Haltung der Arbeitgeber gescheitert. Diese hätten sich nicht auf die zahlreichen Angebote der Gewerkschaften eingelassen. Viscom allein trage die volle Verantwortung für das Scheitern.

Die Comedia will ihren Mitgliedern vorschlagen, Kampfmassnahmen zu ergreifen. Am 8. Mai werden die Delegierten darüber entscheiden, wie Comedia-Zentralsekretär Pierre-André Charrière gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Wenn diese grünes Licht geben, will die Gewerkschaft am 28. Mai bei einer Abstimmung die Basis befragen.

Viscom will am 17. Juni an seiner Delegiertenversammlung neue Lösungen präsentieren. Jetzt überlege man aber auf Betriebsebene, wie die Sozialpartnerschaft weitergeführt werden kann. «Wir haben die Betriebskommissionen aufgefordert, Verträge abzuschliessen, die auf dem auslaufenden GAV basieren», sagte Edelmann. «Wir wollen aber eigentlich einen neuen GAV.» (sda)

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