Knatsch beim FCZ: Gavranovics Ausraster ist nur ein Symptom
Aktualisiert

Knatsch beim FCZGavranovics Ausraster ist nur ein Symptom

Einmal top, einmal flop – der FCZ fährt Achterbahn. Mario Gavranovics Ausraster zeigt: Trainer Urs Meier kommt an mehreren Fronten nicht vom Fleck.

von
Sandro Compagno

Am Sonntag knallte es: Mario Gavranovic, sechsfacher Schweizer Nationalspieler, explodierte, als er zur Kenntnis nehmen musste, dass er im Spiel gegen YB keine Einsatzminute erhalten würde.

FCZ-Trainer Urs Meier wechselte wenige Minuten vor Schluss zur Sicherung des knappen 1:0-Sieges mit Berat Djimsiti einen Innenverteidiger und keinen Stürmer ein. Eine logische und nachvollziehbare Entscheidung, allerdings nicht im Sinn von Gavranovic. Der 23-Jährige flippte aus und beschimpfte Teammanager Massimo Rizzo, es soll sogar zu einem physischen Kontakt gekommen sein.

Gavranovics kurzsichtiges Handeln belegt, dass es beim FCZ knirscht im Gebälk: Auf zwischenmenschlicher Ebene könnte die Verbannung des Stürmers in die U21 Wirkung zeigen. Insider billigen Gavranovic durchaus die Fähigkeit zu, eine Mannschaft zu spalten. Dass die «Soap» mit der vorübergehenden Denkpause für den heissblütigen Stürmer damit zu Ende ist, darf bezweifelt werden.

Sportliche Achterbahnfahrt

Auch sportlich liegt beim Schweizer Meister von 2009 einiges im Argen. Das Problem des FC Zürich lässt sich anhand einiger Resultate erkennen:

1:3 gegen die Young Boys

2:1 gegen Basel

1:2 gegen Aarau

1:0 gegen die Young Boys.

Der FCZ fährt in der Saison 2013/14 Achterbahn. Und das hat Gründe: In mittlerweile neun Meisterschaftsspielen hat Trainer Urs Meier neun verschiedene Startformationen aufs Feld geschickt. Noch immer tüftelt der 52-Jährige an seiner Wunsch-Elf, hat es nicht geschafft, Kontinuität in Auftritt und Abschneiden seiner Mannschaft zu bringen.

Zu grosses Kader

Dabei ist Meier Täter und Opfer zugleich: Mit Gavranovic, Chermiti und Etoundi verfügt(e) er über drei Strafraumstürmer. Im zentralen Mittelfeld stehen sich Chiumiento, Rikan, Buff, Kukuruzovic und Kajevic auf den Füssen. Für eine Saison ohne Europa League ist das qualitativ hochwertige 25-Mann-Kader des FCZ schlicht zu gross.

Darunter leidet die Atmosphäre, wie das Beispiel Gavranovic zeigt. Darunter leiden aber auch die jungen Spieler. Fünf Spieler unter 23 Jahren kamen in der laufenden Saison zu Einsätzen in der Super League, nur zwei davon regelmässig.

- Captain Philippe Koch stand in acht Spielen während 703 von 810 Meisterschaftsminuten auf dem Platz.

- Loris Benito spielte bis zu seiner Verletzung sechsmal über die volle Distanz (540 Minuten).

- Berat Djimsiti kam immerhin noch auf sieben Einsätze, aber nur 468 Minuten.

Dann wird's trist:

- Offensivmann Davide Mariani spielte 211 Minuten.

- Linksaussen Maurice Brunner kommt auf 180 Minuten.

- U17-Weltmeister Oliver Buff auf lediglich 155 Minuten.

Das Durchschnittsalter der Mannschaften, die Meier aufstellte, lag bis auf eine Ausnahme stets über 24 Jahren. In den letzten zwei Jahren hat der FC Zürich mit verschiedenen Transfers (Rodriguez, Mehmedi, Nikci, Drmic) rund 15 Millionen Franken an Einnahmen generiert. Darauf basiert sein Geschäftsmodell gerade in Spielzeiten ohne Europa-Cup. Setzt Meier die Zukunft des FCZ auf die Bank statt in die Verkaufsvitrine?

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