Ferien für Schwule: Gay-Kreuzfahrten im Hoch
Aktualisiert

Ferien für SchwuleGay-Kreuzfahrten im Hoch

Seit 2008 haben sich die Buchungen von Gay-Kreuzfahrten mehr als verdoppelt. Reiseveranstalter und Reedereien freuts, denn Schwule bringen viel Geld mit aufs Schiff.

von
Alex Hämmerli

Als Raymond Fuhrer vor elf Jahren das Reisebüro Pink Cloud gründete, lag der Schweizer Markt für Gay-Reisen brach: «Es war eine absolute Marktlücke; kein Reisebüro kümmerte sich um unsere Bedürfnisse», so Fuhrer. Seitdem boomt das Geschäft: Pink Cloud wuchs bis 2008 im Schnitt um 35 Prozent pro Jahr – und damit deutlich schneller als der restliche Reisemarkt.

Dann kam die Übernahme durch den Schweizer Reisveranstalter Kuoni. Seither hat das Wachstum noch einen Zacken zugelegt: Fuhrer spricht von einer Verdoppelung des Umsatzes innerhalb von zwei Jahren. «Das Geschäft läuft super», freut sich Fuhrer. Wie hoch Gewinn oder Umsatz mittlerweile sind, will er aber nicht verraten.

Eine Woche Party pur

Am meisten Erfolg haben bei Pink Cloud die Kreuzfahrten, die das Unternehmen zusammen mit grossen internationalen Gay-Reiseveranstaltern anbietet. «Kreuzfahrten für Schwule und Lesben sind etwas Besonderes», so Fuhrer. «Statt alten Leuten ist hier Party, Spass, Sonne und Strand angesagt.» Auf einen Dampfer passen nicht selten 2000 bis 5000 Gäste. Am Abend gibt es Shows mit Drag Queens und Motto-Partys mit gutaussehenden Gogo-Tänzern.

Bei manchen mag da das Bild des schmuddligen «Bums-Schiffs» aufkommen. Doch Fuhrer winkt ab: «Dieses Klischee stimmt nicht.» Die meisten schwulen Kreuzfahrer seien Pärchen, die einfach ihre Ferien geniessen wollen, ohne blöd angeguckt zu werden.

Hohe Ansprüche, viel Geld

«Die Kreuzfahrtschiffe sind auch immer die absolut modernsten», betont Fuhrer. Eine Woche kostet üblicherweise zwischen 800 und 3500 Franken pro Person. Ebenfalls speziell an Gay-Cruises: «Die teuersten Suiten sind immer am schnellsten ausgebucht.» Fuhrers Begründung: Schwule sind meist Doppelverdiener ohne Kinder und können sich deswegen mehr leisten.

Nicht nur bei der Zimmerwahl sind Schwule beliebte Kunden. Laut Fuhrer gönnen Sie sich auch sonst viel mehr als der heterosexuelle Durschnitts-Feriengast. «Schwule nutzen viel häufiger das kostenpflichtige Programm auf dem Schiff.» Dazu gehören Massagen, Kosmetik oder Fitness. Zudem essen sie weniger und trinken mehr. Das gefällt den Veranstaltern, weil das Essen üblicherweise in der Pauschale inbegriffen ist, (alkoholhaltige) Getränke dagegen nicht. «Die Reedereien reissen sich deswegen auch richtiggehend um uns.»

Kuoni ist mit dem Label Pink Cloud in der Schweiz der unangefochtene Marktführer in Sachen Schwulen- und Lesbenreisen. „Wir haben keine grosse Konkurrenz“, so Fuhrer. Hotelplan setzt ebenfalls auf Gay-Reisen, wenn auch nicht sehr ausgeprägt. Seit 2010 gibt es in sechs Filialen auf solche Reisen spezialisierte Berater.

Pink Cloud hat dieses Jahr anlässlich der MrGay-Wahl den Alliance Award gewonnen. Die Schweizer Jury zeichnet Firmen aus, die sich für die Schwulen- und Lesben-Community stark machen. 2010 ging der Award an die Zürcher Kantonalbank.

Deine Meinung