Gaza-Abzug soll vorverlegt werden
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Gaza-Abzug soll vorverlegt werden

Israels Regierung erwägt, früher als geplant aus dem Gazastreifen abzuziehen. Sie will damit den militanten Siedlern zuvorkommen, die tagelang zum Teil gewalttätig gegen den Abzug protestiert haben.

Vize-Premier Ehud Olmert sprach sich im israelischen Radio für einen früheren Termin aus. Er sagte am Donnerstag, rechtlich gesehen könne der Rückzug bereits am Freitag starten. Bislang sollte er Mitte August beginnen.

Ursprünglich hätte der Abzug bereits sogar am Mittwoch dieser Woche beginnen sollen. Er wurde wegen einer dreiwöchigen Trauerzeit religiöser Juden über die Zerstörung der jüdischen Tempel vor rund 2000 Jahren verschoben.

Olmert sagte dazu, wenn die Abzugsgegner in dieser Trauerzeit Proteste veranstalten könnten, spreche nichts dagegen, den Abzug in diesen Zeitraum zu legen.

Korei: Palästinenser bereit

Der palästinensische Regierungschef Ahmed Korei sagte in Ramallah: «Wir können die Kontrolle im Gazastreifen ab sofort übernehmen.» Er äusserte vor dem Nahost-Besuch von US- Aussenministerin Condoleezza Rice die Hoffnung auf Fortschritte.

Rice traf am Donnerstagabend zu dreitägigen Gesprächen in Israel ein. Nach ihrer Ankunft lobte sie die Entschlossenheit des israelischen Premiers Ariel Scharon. Die Region stehe am Scheideweg.

Israel plant, aus allen 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und aus vier der 120 im Westjordanland abzuziehen. Dafür sollen Siedlungsblöcke im Westjordanland ausgebaut werden.

Scharon kündigte denn auch vor Rice' Besuch den Ausbau der Siedlerstadt Ariel bei Jerusalem an. Bei einem Besuch sagte er, der Grossraum Ariel werde «auf ewig ein untrennbarer Teil des Staates Israel» bleiben.

Siedler-Proteste abgeflaut

Am Donnerstag nahmen die Proteste der Siedler ab. In der Nacht hatte die Polizei nach eigenen Angaben noch 300 Demonstranten festgenommen. Sie hätten versucht, in den Siedlungsblock Gusch Katif zu gelangen und Absperrungen zum Gazastreifen zu durchbrechen.

Sie waren Teilnehmer des verbotenen Protestmarsches, den die Polizei in Kfar Maimon gestoppt hatte. Die Kundgebung, an der in den vergangenen Tagen über 20 000 Menschen teilgenommen hatten, löste sich auf. Gemäss Schätzungen waren noch 1500 Demonstranten vor Ort.

Ein harter Kern wollte jedoch nach Gusch Katif vordringen, um den Widerstand der Bewohner zu unterstützen. Sie berufen sich auf ein «biblisches Recht» auf den Gazastreifen, in dem derzeit 8500 jüdische Siedler unter 1,3 Millionen Palästinensern leben. Bedenken gegen einen früheren Termin meldeten Armee und Polizei an, die die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen haben.

Machtkampf unter den Palästinensern

In den Palästinenergebieten ging der Machtkampf zwischen Autonomiebehörden und radikalislamischer Hamas weiter. Minister Mohammed Dachlan beschuldigte in der israelischen Tageszeitung «Haaretz» die Hamas des Putschversuchs.

Im Gazastreifen kam es auch am Donnerstag zu Zwischenfällen. Palästinenser, die eine Rakete auf Israel abfeuern wollten, trafen stattdessen die palästinensische Ortschaft Chan Junis. Dabei wurden ein Kind getötet und acht verletzt.

(dapd)

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