Aktualisiert 30.11.2011 09:41

Gang vor Gericht

Gbagbo ist in Den Haag eingetroffen

Dem ehemaligen Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, wird bald der Prozess gemacht. Er ist dem Internationalen Strafgerichtshof überstellt worden.

Laurent Gbagbo auf einem Archivfoto aus dem April 2011, mit seiner Frau Simone. Ende November 2011 wird er an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt.

Laurent Gbagbo auf einem Archivfoto aus dem April 2011, mit seiner Frau Simone. Ende November 2011 wird er an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt.

Ein Flugzeug mit dem 66-jährigen Laurent Gbagbo an Bord landete am Mittwochmorgen kurz vor 04.00 Uhr auf dem Airport Rotterdam-Den Haag, wie die niederländischen Behörden bestätigten.

Die Auslieferung Gbagbos an den nternationalen Strafgerichtshof (IStGH) nach monatelangem Hausarrest in der Elfenbeinküste hatte am Dienstag der dortige stellvertretende Generalstaatsanwalt Dje Noel bekanntgegeben.

Gbagbo wurde am Dienstagabend vom Justizpalast von Korhogo, wo er die vergangenen Monate inhaftiert war, zum Flughafen gebracht, wo ihn eine Maschine der ivorischen Regierung erwartete, um ihn nach Abidjan zu bringen.

Tausende Tote

In dem Machtkampf zwischen dem langjährigen Präsidenten Gbagbo und seinem Herausforderer Alassane Ouattara nach der Wahl wurden laut IStGH mindestens 3000 Menschen getötet.

Gbagbo wurde im April nach heftigen Kämpfen in der Hauptstadt Abidjan festgenommen. Im Mai wurde der Wahlsieger Ouattara schliesslich als neuer ivorischer Präsident vereidigt.

Ouattara bat den IStGH anschliessend, Ermittlungen zu den «schwersten Verbrechen» während des Konflikts aufzunehmen. UNO-Experten werfen sowohl Anhängern Gbagbos als auch Kämpfern Ouattaras schwere Vergehen vor.

Warnung vor Siegerjustiz

Internationale Menschenrechtsorganisationen begrüssten die Ausstellung des Haftbefehls gegen Gbagbo am Dienstag. Sie warnten jedoch auch vor einer Siegerjustiz, die sich lediglich gegen Gbagbo und seine Anhänger richtet.

Während der monatelangen bewaffneten Auseinandersetzungen nach einer umstrittenen Wahl Ende vergangenen Jahres hätten sowohl die Truppen Gbagbos als auch die Anhänger des Wahlsieger Alassane Ouattara Verbrechen begangen, hiess es aus Reihen von Menschenrechtsaktivisten.

«Während das Lager Gbagbos die Gewalt angefacht hat, waren Kämpfer beider Seiten in schwere Verbrechen verwickelt», sagte Elise Keppler von Human Rights Watch. «Die Opfer der Einheiten von Präsident Ouattara verdienen auch Gerechtigkeit.»

(sda)

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