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FrankreichGbagbo «plündert» die Elfenbeinküste

Frankreich ruft alle Wirtschaftsakteure weltweit auf, jegliche illegale Ausfuhr von Kakao aus der Elfenbeinküste zu verhindern.

Die französische Regierung ist wütend. Der Entscheid des nicht anerkannten Staatschefs Laurent Gbagbo, den Kakaohandel zu verstaatlichen, komme einer «Plünderung» des Landes gleich.

Gbagbo hatte am Montag entschieden, den Ankauf und die Ausfuhr von Kakao zu verstaatlichen. Künftig dürfen demnach nur noch der Staat oder staatlich lizensierte Firmen Exporte tätigen, während dies bislang internationale Unternehmen getan hatten.

Die Anordnung habe keinerlei Rechtskraft, weil Gbagbos Regierung nicht rechtmässig sei, erklärte das französische Aussenministerium am Mittwoch. Die USA hatten die Verstaatlichung des ivorischen Kaffees und Kakaos tags zuvor bereits als «Diebstahl» bezeichnet.

Gbagbo hatte Ende November die Präsidentschaftswahl gegen seinen Rivalen Alassane Ouattara verloren, den die internationale Gemeinschaft als neuen Staatschef anerkennt. Allerdings weigert sich Gbagbo abzutreten und stürzte das Land damit in eine blutige Krise und an den Rande des Bürgerkriegs.

Wichtigster Kakaoproduzent

Die Elfenbeinküste ist der weltweit wichtigste Produzent von Kakao. Das westafrikanische Land erwirtschaftet 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts mit dem Anbau von Kakao und Kaffee. Die EU belegte die Elfenbeinküste mit Handelssanktionen, von denen auch der Kakaohandel betroffen ist.

Seit Januar stellten auf Ouattaras Bitte zudem die meisten grossen Schokoladenhersteller und Kakaohändler den Ankauf des Rohstoffs aus der Elfenbeinküste ein. Das französische Aussenministerium warnte am Mittwoch, Gbagbos Vorhaben werde die Wirtschaftskrise des Landes noch verstärken.

Treffen in Äthiopien

Am Donnerstag befasst sich die Afrikanische Union (AU) bei einem Treffen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit der Krise in der Elfenbeinküste. Ouattara soll dafür zum ersten Mal seit der Wahl sein Hauptquartier in einem Hotel in der ivorischen Hafenstadt Abidjan verlassen und ins Ausland reisen. Das Hotel wird seit Monaten von UNO-Truppen beschützt.

Gbagbo wird wahrscheinlich nicht persönlich an den Gesprächen teilnehmen. Bereits am Dienstag waren sein Chefdiplomat Alcide Djedje und andere führende Vertreter seiner Partei in die äthiopische Hauptstadt abgereist.

Seit Beginn des Machtkonflikts wächst in der Elfenbeinküste die Gefahr eines neuen Bürgerkrieges. Erst am Dienstag waren in Abidjan vier Demonstrantinnen erschossen worden, die an einem Protestmarsch gegen Gbagbo teilgenommen hatten.

Nach Angaben der UNO sind seit November mehr als 250 Menschen getötet worden und mindestens 70 000 in das Nachbarland Liberia geflohen. Innerhalb des Landes flohen Hunderttausende aus umkämpften Gebieten oder Stadtteilen. (sda)

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