Aktualisiert 04.03.2011 09:54

ElfenbeinküsteGbagbo-Truppen töten mehrere Frauen

Tausende Frauen waren aus Protest gegen den abgewählten Präsidenten Gbagbo auf die Strasse gegangen. Dessen Milizen schossen daraufhin auf die Demonstrantinnen.

In der Elfenbeinküste hat der seit drei Monaten dauernde Konflikt eine neue Stufe der Intensität erreicht. Am Donnerstag erschossen Sicherheitskräfte bei einer Demonstration mindestens sechs Frauen. Wie ein Mitarbeiter der Behörden mitteilte, eröffneten Milizen des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo mit Maschinengewehren das Feuer auf die Demonstrantinnen, die sich in der Stadt Abobo versammelt hatten. Augenzeugen berichteten, die Frauen seien von den Gewehrkugeln «in Stücke gerissen» worden.

Tausende Frauen waren aus Protest gegen Gbagbos Weigerung, die Macht an den international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara abzutreten, auf die Strasse gegangen. In der Elfenbeinküste haben Frauenmärsche Tradition. Eine der Veranstalterinnen der Kundgebung erklärte, sie hätten nicht damit gerechnet, dass Gbagbos Truppen auch auf Frauen schiessen würden.

UN befürchten neuen Bürgerkrieg

Washington verurteilte den Angriff umgehend. US-Aussenministeriumssprecher P. J. Crowley schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, der moralische Bankrott Gbagbos sei angesichts der Tat offensichtlich. Der UN-Sicherheitsrat erklärte, er sei «zutiefst beunruhigt» über die Eskalation der Gewalt in der Elfenbeinküste und befürchte, sie könne zu einem neuen Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land führen.

Angesichts anhaltender Strassenkämpfe in Abobo, einer Stadt in der Metropolregion Abidjan, sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 200 000 Menschen aus dem Gebiet geflohen. Seit Tagen war es dort bereits zu Kämpfen zwischen der Gbagbo-treuen Polizei und Soldaten gekommen, die hinter Ouattara, stehen.

Hochrechnungen der Nachrichtenagentur AP basierend auf UN-Zahlen und bestätigten Opferzahlen zufolge starben bei dem Konflikt knapp 400 Menschen. Allein in den vergangenen 24 Stunden kamen 32 Menschen ums Leben; die Opfer waren fast ausschliesslich Anhänger Ouattaras.

Gbagbo wird bis zum Ende kämpfen

Auch die Expertengruppe International Crisis Group (ICG) hat nun vor einem unmittelbar drohenden Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste gewarnt. In dem jüngsten Afrikabericht der ICG zeichneten die Autoren ein düsteres Bild der einstigen westafrikanischen Wirtschaftsmacht.

«Die internationale Gemeinschaft muss erkennen, dass der illegitime Präsident gewillt ist, bis zum Ende zu kämpfen, selbst wenn das bedeutet, die Elfenbeinküste in Anarchie und eine wirtschaftliche Katastrophe zu stürzen», warnen die Experten in ihrem Bericht. Alle Hoffnungen auf gutnachbarliche Beziehungen, Frieden und wirtschaftlichen Fortschritt in Westafrika drohten zu scheitern.

Massive Gewalt gegen Zivilisten befürchtet

Angesichts der Eskalation der Gewalt in den vergangenen Tagen sei das wahrscheinlichste Szenario für die Elfenbeinküste «ein bewaffneter Konflikt mit massiver Gewalt gegen Zivilisten, der eine militärische Intervention der Nachbarstaaten auslösen könnte».

Die westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS hat bereits vor Wochen mit einer militärischen Intervention als letztes Mittel gedroht.

(sda/dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.