GC gegen den FC Thun – wer behält die Nerven im Aufstiegskrimi?
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Fernduell um die Super LeagueGC gegen Thun – wer behält die Nerven im Aufstiegskrimi?

Zwei Runden vor Schluss liegen die Grasshoppers punktgleich mit dem FC Thun an der Spitze der Challenge League. Eine Analyse der beiden Teams vor dem grossen Saisonfinal.

von
Florian Gnägi
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Ist «gottenfroh» überhaupt noch im Aufstiegsrennen mit dabei zu sein: Thun-Präsident Andres Gerber.

Ist «gottenfroh» überhaupt noch im Aufstiegsrennen mit dabei zu sein: Thun-Präsident Andres Gerber.

Marc Schumacher/freshfocus
Der FC Thun setzt im Aufstiegskampf auf ein starkes Kollektiv.

Der FC Thun setzt im Aufstiegskampf auf ein starkes Kollektiv.

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GC droht kurz vor der Ziellinie doch noch den sicher geglaubten Aufstieg zu verspielen.

GC droht kurz vor der Ziellinie doch noch den sicher geglaubten Aufstieg zu verspielen.

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Darum gehts

  • Zwei Runden vor Schluss liegt GC mit dem FC Thun punktgleich an der Tabellenspitze der Challenge League.

  • GC spielt noch gegen Xamax und Kriens, Thun gegen Aarau und Wil.

  • Während Thun auf ein starkes Kollektiv setzt, hofft man bei GC auf die Wirkung des Trainerwechsels.

Das Restprogramm

Während der FC Thun am Freitag auf den drittplatzierten FC Aarau trifft und dabei zumindest den Barrage-Platz auch rein rechnerisch sichern könnte, spielt GC in den verbleibenden beiden Runden mit Xamax und Kriens noch gegen zwei Mannschaften, die mitten im Abstiegskampf stecken. Die Berner Oberländer bekommen es am letzten Spieltag noch auswärts mit dem FC Wil zu tun, der sich dank dem 3:2-Sieg gegen Chiasso vorzeitig die Klasse sichern konnte.

Für Thun-Präsident Andres Gerber gibt es für keinen der beiden Aufstiegsaspiranten einen Vorteil hinsichtlich der verbleibenden Aufgaben: «Es gibt manchmal sehr skurrile Resultate in der Challenge League. Aarau verliert beispielsweise mit 0:7 gegen Wil und gewinnt dann 4:0 gegen Kriens.» Gerber ist schon lange im Geschäft und weiss, dass es nichts bringt zu fest zu rechnen oder auf Ausrutscher der Konkurrenz zu spekulieren: «Es gibt immer wieder Überraschungen im Fussball, darum sollten wir einfach cool bleiben und den Ball flachhalten.»

Dass es beispielsweise für Wil in der letzten Runde um nichts mehr gehe, stimme so gemäss Gerber eben doch auch nicht ganz: «Auf dem Platz will sich dann schon jeder Spieler von seiner besten Seite zeigen. Es geht dabei für Viele auch um neue Verträge, oder darum sich für einen Transfer zu empfehlen, darum sollte man da keinen Gegner unterschätzen.»

Die Nervenstärke

«Nicht anfangen zu spinnen» lautet die Devise beim FC Thun. Obwohl rund um den letztjährigen Super-League-Absteiger im Vergleich zum Rekordmeister aus Zürich traditionell weitaus weniger Schlagzeilen generiert werden, hat man bei den Thunern registriert, dass durch die positive Trendwende in der Rückrunde auch das Interesse von Fans und Medien gestiegen ist.

Gerber erlebte 2010, damals noch als Sportchef bei Thun eine ähnliche Situation. Unter Chefcoach Murat Yakin startete der FC Thun nicht als Aufstiegsfavorit in die Saison und konnte im Windschatten des FC Lugano agieren. Die Tessiner lagen, wie in der aktuellen Spielzeit GC, scheinbar uneinholbar an der Spitze, ehe ihnen laut Gerber «etwas die Nerven versagten».

Der frühere Sportchef betont aber deutlich, dass man momentan noch lange nicht so weit sei wie vor elf Jahren. «GC hat nach wie vor die bessere Ausgangslage, da sie das bessere Torverhältnis haben.» Angst darum, dass nun bei den Berner Oberländern das Nervenflattern einsetzt, hat Gerber überhaupt nicht: «Unser Trainer Carlos Bernegger hat das total im Griff. Er kennt solche Situationen, hat die Mannschaft bislang bestens eingestellt und dabei weder zu viel Euphorie noch Nervosität aufkommen lassen.»

Und bei GC? Der schon fast sicher geglaubte Aufstieg droht erneut zu scheitern. Zwei Spiele vor Schluss wird Trainer Joao Pereira entlassen. Als Indikator, dass es bei GC Punkto Nervenkostüm anders aussieht als im Berner Oberland, zeigt auch die Reaktion auf Medienanfragen. Während Thun-Präsident Gerber ausführlich über die Ausgangslage seines Clubs spricht, blocken die Grasshoppers komplett ab. Keine Auskünfte von der Chefetage, keine Aussagen vom interimistisch eingesetzten Trainerstab rund um Zoltan Kadar und den Ex-Profis Ricardo Cabanas sowie Marc Hodel.

Das Kader

Thun kann vor allem auf ein starkes Kollektiv setzen. Es stechen keine Spieler heraus, es gibt nicht den einen Top-Spieler. Etwas, das beim doch eher beschaulichen Kleinclub Tradition hat. Das bestätigt auch Gerber.

Dass GC auf dem Papier das wohl stärkste Kader der Challenge League besitzt, bestreitet auch Gerber nicht. Laut Transfermarkt.ch hat der FC Thun mit 7,45 Millionen Euro den zweitwertvollsten Kader der Challenge League. Nummer eins ist GC mit 10,2 Millionen Euro.

Zumindest ist sicher, dass GC vor dem Saisonende nicht noch einmal mit dem Abwerben eines Schlüsselspielers bei der Konkurrenz für Unruhe stiften kann. Im vergangenen Februar wechselte etwa Thuns damaliger Topscorer Nuno da Silva unmittelbar vor dem Direktduell gegen GC zu den Hoppers.

Die Formkurve

«Wir sind gottenfroh, überhaupt in dieser Situation zu sein», sagt Thun-Boss Gerber, nachdem es sich zu Saisonbeginn noch in keinster Weise abgezeichnet hatte, dass Thun nach dem Abstieg gleich wieder vorne mitspielen kann. Die Berner Oberländer durchlebten nach dem Abstieg in die zweithöchste Schweizer Spielklasse zunächst keine einfache Zeit. Einige Teamstützen wie Goalgetter Ridge Munsy oder Mittelfeldregisseur Leonardo Bertone verliessen den Verein. Präsident Markus Lüthi trat kurze Zeit nach dem Abstieg im August zurück, Trainer Marc Schneider folgte nach verpatztem Saisonstart im Oktober.

Die Thuner festigten sich im Laufe der Saison deutlich, trotzdem hätten nach der 1:3-Niederlage im Direktduell gegen GC vor einigen Wochen, wohl die wenigsten Beobachter noch auf einen Aufstieg der Mannschaft von Carlos Bernegger gesetzt. Es war jedoch die einzige Niederlage in den vergangenen fünf Spielen.

Die Zürcher hingegen starteten von Beginn weg als klarer Aufstiegsfavorit in die Spielzeit und wurden ihrer Rolle gerecht und führten die Challenge-League-Tabelle lange Zeit an. Insgesamt an 29 von bisher 34 Spieltagen lag GC auf dem ersten Tabellenplatz. Nach dem GC-Sieg über Thun am 31. Spieltag hatte GC gar sieben Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Thun. Dann musste GC jedoch einige Tiefschläge einstecken. Aus den letzten fünf Spielen gab es nur einen Sieg und drei Niederlagen.

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