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Heu-«Gump» GC grüsst von Platz 1 - und geniesst

Der einzige Motor der stottert, ist der vom Mannschafts-Car. GC lässt sich aber nicht stoppen und steht zumindest für eine Nacht an der Spitze der Super-League-Tabelle.

von
Eva Tedesco

GC gewinnt das 229. Derby gegen den FC Zürich 1:0 und klettert erstmals seit 2006 auf den ersten Tabellenplatz. Für Trainer Uli Forte ist das nur eine Momentaufnahme. (Video: 20 Minuten Online)

Bei der Anfahrt zum Stadion begann der Motor des Mannschaftscars zu stottern. Auf der Höhe des Einkaufszentrums Letzipark lag der Bus endgültig ab. Die GC-Spieler mussten die 700 Meter bis zum Letzigrund zu Fuss in Angriff nehmen – mitten unter den Fans, die den Plausch hatten und die Profis ohne Probleme passieren liessen. Der unfreiwillige Fussmarsch tat keinen Abbruch: GC sicherte sich den ersten Derby-Auswärtssieg seit 2003.

Der Auftritt der Hoppers im 229. Stadtrivalen-Duell war zwar nicht unwiderstehlich, aber mit Leidenschaft erkämpft. «Es war sicher ein glücklicher Sieg und keine Galavorstellung», gab auch GC-Trainer Uli Forte nach dem 1:0-Sieg gegen den FC Zürich zu, «aber in einem Derby ist manchmal mehr Arbeit gefragt und kein Glanz.» Es war bereits der fünfte Sieg in Folge und das fünfte Spiel in Serie ohne Gegentreffer für Keeper Roman Bürki. «Für mich lautet das Ziel in jedem Spiel zu Null zu spielen, aber es ist natürlich schön, dass uns das derzeit immer gelingt», so der GC-Goalie zu den 450 Minuten ohne Gegentor.

Nicht die Bodenhaftung verlieren

Die Lorbeeren heimst der Berner nicht allein ein. «Ich muss der gesamten Mannschaft ein Riesenlob aussprechen. Der Stürmer ist der erste Verteidiger und auch die Achse mit Vilotic, Grichting und Salatic hat einen grossen Anteil am Erfolg», sagt Bürki. Bei GC hütet man sich wohlweislich davor, eine grosse Klappe zu schwingen. Die letzte Saison, in der man dem Abstieg nur dank Konkurs und Punkteabzug der Konkurrenz entgangen ist, haftet den «Heugümpern» nur zu gut im Gedächtnis. «Es ist wichtig, dass wir bodenständig bleiben. Wir sind bisher gut gefahren Spiel für Spiel zu nehmen und daran dürfen wir jetzt nichts ändern und müssen genau so weiter machen», so Bürki.

Trainer Forte sieht als Basis für den Erfolg die Stabilität in der Defensive an. In neun SL-Runden hat die letztjährige Schiessbude (66 Gegentore) bisher lediglich fünf Gegentreffer kassiert. «Wir haben im letzten Jahr in Sion zwei Tore und in Basel sogar drei Tore geschossen, aber jedes Mal eben so viele wenn nicht mehr kassiert und konnten nichts mitnehmen. Jeglicher Erfolg im Fussball basiert eben darauf, dass die Abwehr verhebt und das tut es bei uns bisher.»

Solide Defensive die Basis zum Erfolg

Als Sinnbild für die solide Defensive steht wohl keiner besser als Routinier Stéphane Grichting. Zuverlässig haut er die Bälle aus dem Gefahrenbereich. Unterstützt Milan Vilotic, seinen Partner in der Innenverteidigung, sicher und führt die jungen Spieler vor sich in einer unaufgeregt Art und Weise. Unterstützung findet der 33-jährige ehemalige Nationalspieler in Captain Vero Salatic, der mit viel Ruhe und Übersicht sowohl gegen hinten, aber auch nach vorne viel Aufwand betreibt. Von den beiden Leadern profitieren die jungen Spieler wie zum Beispiel Steven Zuber und auch Izet Hajrovic, die sich nun auf sich konzentrieren und vom Druck der Verantwortung entlastet, befreiter aufspielen können.

«Allgemein im Sport, aber auch im Geschäftsleben, ist es schwierig nach oben zu kommen. Aber oben zu bleiben, ist noch viel schwieriger», sagt der GC-Trainer. «Für uns hat nun die Situation begonnen, dass wir uns da oben festkrallen wollen. Das bedeutet noch mehr Arbeit, noch mehr Leistung und Leidenschaft.» Der Blick auf die Tabelle sei schön, aber nicht mehr als eine Momentaufnahme. «Wir haben uns eigentlich selber ein Bein gestellt und müssen uns in dem bestätigen, was wir bis jetzt erreicht haben und die Bestätigung ist im Leben immer schwieriger – das weiss man.»

Ziele werden nicht nach oben korrigiert

Deshalb werden die Ziele auch nicht gegen oben korrigiert. Forte energisch: «Nein, auf keinen Fall! Ich habe gesagt, dass bis zur Winterpause rein gar nichts passiert. Wir arbeiten genau gleich weiter und lassen die Tabelle wie bisher auf der Seite - auch wenn wir jetzt eine sehr schöne Aussichtsposition haben. Das erste Meisterschaftsviertel ist zu Ende und nun gehen wir das zweite an. Nicht mehr und nicht weniger.» Das dann aber wohl nicht mehr zu Fuss. Denn bis Donnerstag und dem Heimspiel gegen Luzern sollte der Mannschaftsbus wieder geflickt oder zumindest Ersatz organisiert sein.

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