Aktualisiert 22.02.2019 07:42

Erich Vogel

«GC mangelt es an Führungskompetenz»

GC steckt in der grössten Krise seit 1949. Für Erich Vogel, ehemaliger Fussball-Manager und GC-Vizepräsident, gibt es nur einen Ausweg: Fehler eingestehen und zurücktreten.

von
E. Tedesco
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Entsetzen: Julien Ngoy und der Grasshopper Club Zürich sind nach der 0:1-Niederlage letzten Sonntag gegen Xamax Tabellenletzter.

Entsetzen: Julien Ngoy und der Grasshopper Club Zürich sind nach der 0:1-Niederlage letzten Sonntag gegen Xamax Tabellenletzter.

Keystone/Ennio Leanza
Auch Thorsten Finks Animation an der Seitenlinie konnte die Niederlage nicht abwenden. Mit einem Schnitt von 0,81 Punkten pro Spiel steht der deutsche Trainer schlecht da.

Auch Thorsten Finks Animation an der Seitenlinie konnte die Niederlage nicht abwenden. Mit einem Schnitt von 0,81 Punkten pro Spiel steht der deutsche Trainer schlecht da.

Keystone/Ennio Leanza
GC steckt in der grössten Krise seit 1949. Und dann kommt aus: CEO Manuel Huber (rechts) macht in der Karibik Ferien.

GC steckt in der grössten Krise seit 1949. Und dann kommt aus: CEO Manuel Huber (rechts) macht in der Karibik Ferien.

Keystone/Walter Bieri

Was kommt noch? Seit letztem Sonntag ist GC Tabellenletzter und ausgerechnet jetzt kommt heraus, dass CEO Manuel Huber während der grössten Krise der Clubgeschichte in der Karibik weilt. Verärgert über die GC-Führung, verkündete Hauptsponsor Reinhard Fromm seinen Rückzug per Ende Saison. Auch Erich Vogel, ehemaliger Fussball-Manager und GC-Vizepräsident von 2007 bis 2009, spricht im Interview mit 20 Minuten Klartext.

Herr Vogel, mit der Niederlage gegen Xamax ist GC auf den letzten Tabellenplatz gerutscht. Und CEO Manuel Huber weilt in der Karibik. Wie geht das?

Ich habe das auch mitbekommen. Das ist auf jeden Fall sehr speziell.

Was meinen Sie mit sehr speziell?

In so einer Situation müssen die Obersten in der Hierarchie, Stephan Anliker für die strategische und Manuel Huber für die operative Führung, hinstehen und Verantwortung übernehmen. Sie stehen an vorderster Front. Der Präsident entscheidet, wie viel Freiheiten und Kontrolle er ausübt. Freiheiten gewähren heisst aber nicht, dass man sich aus der Verantwortung stehlen kann. Wenn er das zulässt, dass sein oberster Angestellter in so einer Krise Ferien macht, ist das sehr speziell und wird auch von den Spielern wahrgenommen.

Aber der CEO schiesst keine Tore und gewinnt keine Spiele.

Das ist schon klar, aber Spieler nehmen in schwierigen Zeiten wie ein Seismograph alles wahr. Diese Wahrnehmung läuft mehr im Unbewussten ab, aber sie gibt den Spielern das Gefühl einer Schwäche, wenn die Führung nicht da ist, und kann Auswirkungen auf die Leistung haben.

Und verärgert zudem auch Hauptsponsor Reinhard Fromm, der droht, auszusteigen.

Man muss jedem Sponsor Sorge tragen und sich um ihn kümmern – umso mehr, wenn man finanziell nicht gut dasteht.

Der Hauptschuldige an der aktuellen GC-Krise heisst demnach für Sie Stephan Anliker?

GC steckt in der grössten Krise seit 1949. Für mich ist klar, dass es GC an Fussball- und Führungskompetenz mangelt. Seit Anliker übernommen hat, wurde GC 8., 4., 8., 9. und liegt jetzt auf Rang 10. Die Tendenz deutet nach unten. Die Tabelle zeigt, dass GC derzeit die schwächste Mannschaft ist. Wer wie viel Schuld an der Misere trägt, muss jeder selber erkennen. Aber wem GC wirklich am Herzen liegt, der tritt Ende Saison von sich aus zurück. Eine starke Persönlichkeit würde sagen: Ich habe zu viele Fehler gemacht, ich ziehe die Konsequenzen.

Man könnte aber auch sagen: Ich habe den Karren in den Dreck gezogen, ich schleiche mich nicht aus der Verantwortung.

Dann geht es dieser Person lediglich ums eigene Wohl, Ego und Prestige. Man muss auch erkennen können, wenn man etwas nicht geschafft hat. GC wurde in den letzten fünf Jahren immer schlechter, das würde man in keiner anderen Branche dulden. Wenn einem diese Krise nicht zu denken gibt ... Es hiess aber immer nur: Der Vogel macht Unruhe. Die Mannschaft ist jung oder die Mannschaft ist noch nicht eingespielt.

Ist das Ihre Kritik am Kader?

GC hat in dieser Saison 20 Transfers gemacht. 20! Ich habe noch keinen Club erlebt, der so Erfolg hatte. Zu viele neue Spieler haben immer auch Auswirkung auf jene, die schon da sind. Die sportliche Gesamtverantwortung trägt Georges Perego, der Chef von Sportchef Mathias Walther. Perego ist seit 25 Jahren im Geschäft und somit lange genug dabei, um das zu wissen. Er ist der Erste, der zum Wohl des Vereins zurücktreten muss, aber es würde mich sehr überraschen, wenn er zu seinen immensen Fehlern stehen würde.

Sie sehen unter dieser Führung also keine Zukunft für GC?

Irgendwann muss man sagen: Es ist genug und wichtig, das Wohl des Vereins in den Vordergrund zu stellen. Denn GC muss damit rechnen, dass es absteigt. Wenn man dann nicht gleich wieder aufsteigen sollte, könnte GC komplett verschwinden.

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