«Skandalentscheid»: GC tobt wegen der Sperre gegen Bürki
Aktualisiert

«Skandalentscheid»GC tobt wegen der Sperre gegen Bürki

Verfälscht eine Sperre die Meisterschaft? Ja, finden die Grasshoppers. GC ist verärgert darüber, dass sie gegen Thun auf Stammkeeper Roman Bürki verzichten müssen.

Diese Pressemitteilung vom späten Donnerstagnachmittag hatte für Aufruhr gesorgt. Nachdem Roman Bürki vom Disziplinarrichter der Swiss Football League wegen einer groben Unsportlichkeit gegen Luzerns Pajtim Kasami mit drei Spielsperren belegt worden war, reagierten die Grasshoppers kurz darauf mit einer scharfen Antwort.

GC-Medienchef Adrian Fetscherin schlug in seinem Communiqué raue Töne an: «Skandalentscheid der SFL». Der Unmut kam schon im Titel zum Ausdruck. Bei den Grasshoppers sei man empört, hiess es weiter. Sie bemühten bei der Untersuchung des «Tathergangs» andere Interpretationen.

Tätlichkeit oder nicht?

In der thematisierten Szene, die sich am vergangenen Sonntag in der swissporarena abgespielt hatte, war Bürki aus seinem Tor geeilt und etwas gar ungestüm aufgesprungen, um einen hohen Ball abzufangen. Dabei traf der Goalie Gegner Kasami mit dem linken Fuss in der Schultergegend. Manch einer sprach von einem Kung-Fu-Tritt oder einer rücksichtslosen Attacke und wollte eine Tätlichkeit gesehen haben. Das Schiedsrichter-Gespann um Nikolaj Hänni liess jedoch die Partie weiterlaufen.

Dies war offenbar ein Fehler der Unparteiischen. Schiedsrichter-Chef Carlo Bertolini meldete sich im Nachgang zu Wort. Seiner Ansicht nach hätte es Rot für Bürki und Penalty für Luzern geben sollen. Für die Innerschweizer wäre es die grosse Chance auf eine womöglich vorentscheidende 2:0-Führung gewesen. Stattdessen musste sich der FCL am Ende mit einem 1:1 begnügen. Trotzdem mochte Trainer Bernegger nach dem Match die Schuld überhaupt nicht beim Referee suchen. Die Proteste aus dem Luzerner Lager hielten sich in Grenzen. Am ehesten begehrte noch Opfer Kasami auf, der Bilder seiner Abschürfungen veröffentlichte. Die kleine Verletzung hatte ihn aber nicht davon abgehalten, mehr als 50 Minuten weiterzuspielen.

Bei den Grasshoppers enerviert man sich nun darüber, dass die SFL mit der Sperre gegen Bürki in die Kompetenz des Schiedsrichters eingreife. Hänni habe ja hinterher bestätigt, die fragliche Situation gesehen zu haben, und die Pfeife sei stumm geblieben. Somit sei durch die SFL ein Tatsachen-Entscheid abgeändert und ein Präzedenzfall geschaffen worden. Bürki eine grobe Unsportlichkeit anzuhängen sei eine «krasse Fehlbeurteilung». Es habe sich um eine Reflex-Aktion des Goalies gehandelt, bei der keine böse Absicht vorgelegen habe. Überdies sei nicht nachvollziehbar, wie die Disziplinarkommission aufgrund einer tendenziösen Berichterstattung des Schweizer Fernsehens und der Zeitung «Blick» in ein Fussballspiel eingegriffen habe. Der zu Papier gebrachte Rundumschlag aus den GC-Reihen erstreckt sich auf etwas mehr als eine A4-Seite.

Das Schreiben provozierte den nächsten Sturm. Die Replik des «Blick» folgte prompt: «GC verliert die Nerven», meinte das Boulevard-Blatt. Es brachte sein Erstaunen zum Ausdruck, dass GC-Boss André Dosé einen derartigen Rundumschlag dulde.

Bewährungsprobe für Routinier Taini

GC-Trainer Uli Forte blieb vor dem Duell mit Thun nichts anderes übrig, als die heutige Sperre, gegen die es keine Rekursmöglichkeit gibt, zu akzeptieren. Zweifellos stellt Bürkis Absenz eine Hypothek dar. Der 22-Jährige hat im bisherigen Meisterschaftsverlauf noch keine Spielminute verpasst. Er gilt als wichtiger Bestandteil der statistisch besten Defensive der Liga.

Bürkis Out führt dazu, dass Routinier Davide Taini heute zu seinem Super-League-Debüt in dieser Saison kommt. Forte sagt: «Es ist schade, dass Roman jetzt ausfällt, weil er sehr gut in Form ist. Dies ist für uns ein herber Verlust. Aber ich bin überzeugt, dass er gut ersetzt wird. Davide ist parat. Er verfügt über viel Erfahrung.»

Taini sei zuletzt in der U21 regelmässig zu Einsätzen gelangt, um für einen solchen Notfall gewappnet zu sein. In der Hinrunde hatte der 36-Jährige, der früher beim ungeliebten Stadtrivalen FCZ engagiert gewesen war, zudem im Schweizer Cup Spielpraxis sammeln dürfen. Bei Taini könnte für einen Motivationsschub sorgen, dass GC in dieser Woche den auslaufenden Vertrag mit ihm verlängert hat. Ein schlechtes Omen könnte sein, dass die «Hoppers» in der letzten Saison alle drei Meisterschaftsspiele mit Taini in der Startformation verloren haben. (si)

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