Europa League: GC zahlt den Preis der Erfolglosigkeit
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Europa LeagueGC zahlt den Preis der Erfolglosigkeit

Zum zweiten Mal in Folge drohen die Grasshoppers am Playoff der Europa League zu scheitern. Der Weg zurück auf die internationale Bühne ist ein steiniger.

von
Sandro Compagno

Victor Vazquez stand in der Mixed Zone der St. Galler AFG-Arena und wusste nicht, ob er sich nun freuen oder ärgern sollte. Der spanische Stürmer von Club Brügge war der erste, der in diesem Hinspiel der Europa League die grossen Abwehrschwächen der Grasshoppers aufgedeckt hatte. «Es war eine perfekte Aktion: Ich schüttle den Verteidiger ab, laufe um den Torhüter, habe das leere Tor vor mir», erzählt der Mann aus der Jugendakademie des FC Barcelona. «Was dann passiert ist, weiss ich selber nicht.» Vazquez schaffte das Kunststück, aus sieben Metern den Pfosten zu treffen. «Ich bin wirklich sauer auf mich. Wir hätten statt 2:1 locker 3:1 oder 4:1 gewinnen können.»

Zum Zeitpunkt der nur beinahe «perfekten Aktion» waren 50 Sekunden gespielt und die GC-Viererkette hatte ein erstes Mal den Eindruck hinterlassen, der die nächsten 92 Minuten anhalten sollte: jenen der totalen Überforderung. Für die behäbigen Innenverteidiger Jahic und Grichting ging alles ein wenig zu schnell, dazu stellte GC-Trainer Michael Skibbe für den gesperrten Pavlovic einen blutjungen Linksverteidiger namens Ulisses Garcia auf. Er tat dem 18-Jährigen damit keinen Gefallen. Moritz Bauer, den Skibbe Anfang der Woche aus dem Kader gestrichen hatte, war als verletzt gemeldet. Es muss im Training passiert sein.

Der Frust von Vero Salatic

Ein paar Meter neben Victor Vazquez stand GC-Captain Vero Salatic und blickte auf den kleinen Monitor an der Wand. «Was haben die anderen gemacht?», fragte Salatic. Beide 3:1 gewonnen. «Na toll, dann sind wir wieder die Einzigen, die aussehen wie die...» Das Wort Deppen sagte Salatic nicht. Das wäre auch zu hart gewesen. Dazu war Club Brügge ganz einfach ein zu starker Playoff-Gegner, nicht zu vergleichen mit Spartak Trnava und Debrecen, welche die beiden anderen Schweizer Klubs YB und Zürich vorgesetzt bekamen und jeweils 3:1 schlugen.

Die Nummer 142 Europas

Als einziger der drei im EL-Playoff beteiligten Schweizer Klubs waren die Grasshoppers als Nummer 142 des Uefa-Rankings bei der Auslosung nicht gesetzt. Entsprechend schwierig ist ihr Los mit dem belgischen Spitzenklub. Während bei den Young Boys (Nummer 71) das Erreichen der K.o.-Phase der Europa League 2010/11 in der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa steht und beim FCZ (Nr. 129) wenigstens die EL-Gruppenphase 2011/12, haben die Grasshoppers nichts Derartiges vorzuweisen. Nur zweimal schaffte es der Schweizer Rekordmeister in den letzten zehn Jahren in die Gruppenphase eines europäischen Bewerbes: 2005/06 und 2006/07. Damals hiess der arme Bruder der Champions League noch Uefacup, aus acht Spielen resultierten acht Niederlagen.

Die Chancen, sich im Uefa-Ranking zu verbessern, stehen nach dieser 1:2-Heimniederlage nicht besser. «Wir müssen der Realität ins Auge blicken», sagt GC-Trainer Michael Skibbe mit einem Anflug von leiser Resignation, «Brügge ist ein Gegner mit einer hohen Qualität, die Belgier haben uns die Grenzen aufgezeigt.» Nachdem sich der Trainer und sein Captain in den letzten zehn Tagen öffentlich gezofft hatten, waren sie sich immerhin in diesem Punkt einig. Salatic: «Das ist ein sehr starker Gegner. Wir müssen am Ende froh sein, dass wir nur zwei Tore kassiert haben.»

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