Aktualisiert 11.06.2015 18:59

Bezirksgericht Zürich

Gearbeitet und im Casino gezockt – trotz Sozialhilfe

Sie arbeitete, zockte im Casino, finanzierte einen Liebhaber – und bezog dennoch Sozialhilfe von der Stadt Zürich. Vor Gericht legte die Frau ein Teilgeständnis ab.

von
A. Szenogrady
Wegen Sozialhilfebetrug muss sich die 39-jährige Frau vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten - das Urteil folgt später.

Wegen Sozialhilfebetrug muss sich die 39-jährige Frau vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten - das Urteil folgt später.

Die Vorwürfe sind happig. Laut Anklage hat eine heute 39-jährige Türkin von Oktober 2005 bis zu ihrer Verhaftung im Mai 2014 in der Stadt Zürich Sozialhilfegelder für über 726'000 Franken bezogen. Der Schönheitsfehler: Die angeblich mittellose, vierfache Mutter arbeitete immer wieder mal als Raumpflegerin, leistete sich ein Auto, schob einem Liebhaber in der Türkei Geld zu und zockte 89 Mal im Casino Baden. Sogar ihre Verteidigung sprach von einer fatalen Spielsucht.

Ab Ende 2011 bezog die Frau auch IV-Gelder, da sie sich als depressiv und sozial zurückgezogen lebend ausgab. Sie könne beispielsweise nur noch 60 Minuten langsam laufen und fühle sich sehr müde und krank. Der Trick klappte, da sie laut Staatsanwaltschaft von der Sozialversicherung widerrechtlich Renten kassiert hatte. Vor dem Bezirksgericht Zürich gab sie am Donnerstag an, sie habe vieles wegen der deutschen Sprache nicht verstanden.

«Probezeit» nicht bestanden

Vorgeworfen wird ihr zudem eine Scheinehe mit einem kurdischen Asylbewerber – was sie jedoch abgestritten hat. Sie habe ihn heiraten wollen, allerdings habe er die «Probezeit» nach dem Standesamt nicht bestanden. Deshalb habe sie nicht mit ihm zusammengelebt.

Letztlich konnte ihr die Staatsanwaltschaft bei den Sozialhilfebetrügen nur einen zugegebenen Deliktsbetrag von mindestens 38'000 Franken und ausserdem die widerrechtlich bezogenen IV-Gelder von 5600 Franken nachweisen.

Vor Gericht legte die Frau ein Teilgeständnis ab. Der Staatsanwalt fordert milde acht Monate Freiheitsstrafe bedingt, die Verteidigung gar nur eine bedingte Geldstrafe. Im schlimmsten Fall seien fünf Monate Freiheitsentzug auf Bewährung angemessen. Das Urteil folgt später.

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