SVP-Kandidat Hofer: «Gebe der Parteileitung nach und trete nicht an»
Aktualisiert

SVP-Kandidat Hofer«Gebe der Parteileitung nach und trete nicht an»

Stefan Hofer gibt nach und tritt nicht als Gemeinderatskandidat für die SVP an. Grund dafür sind pikante Details aus seinem Berufsleben.

von
Sonja Mühlemann
Stefan Hofer soll nicht mehr für die SVP als Gemeinderat kandidieren.

Stefan Hofer soll nicht mehr für die SVP als Gemeinderat kandidieren.

Kein Anbieter/zvg

Nun ist es definitiv: Stefan Hofer tritt als Gemeinderatskandidat für die SVP zurück. «Ich gebe den Forderung der Parteileitung nach. Wir haben uns auf den Rückzug geeinigt», sagt Hofer gegenüber 20 Minuten. Er hatte sich zuvor am Dienstagmittag mit dem Parteipräsidenten der SVP Stadt Bern, Rudolf Friedli, getroffen. Dies nachdem Hofer Schlagzeilen mit seinen ehemaligen Geschäftstätigkeiten gemacht hatte.

Am Dienstag deckte der «Bund» auf, dass Hofer als Verwaltungsratspräsident der Honag AG Zimmer in einer Liegenschaft zu überhöhten Preisen ans Sozialamt vermietet hatte. Vergangene Woche war bereits bekannt geworden, dass Hofer früher ein Bordell betrieben hatte.

Grossratsmandat steht nun auf der Kippe

«Nun ist meine Politkarriere zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat», sagt Hofer. Für ihn sei der Entscheid der Parteileitung schwer nachzuvollziehen, da rechtlich nichts gegen ihn vorliege: «Es ist klar ein Image-Entscheid der Partei.» Der ehemalige Unternehmer ist zudem designierter Grossrat – am 1. März soll er den Sitz von Erich Hess erben. Dieses Amt steht laut Hofer nun aber auch auf der Kippe. Denn auch die Kantonalpartei entzieht ihm die Unterstützung – für die Parteileitung ist er nicht mehr tragbar.

Der Parteipräsident der SVP Stadt Bern, Rudolf Friedli, sagt: «Stefan Hofer ist leider politisch angeschlagen.» Seine beruflichen Tätigkeiten seien nicht mit einer Kandidatur als Gemeinderat vereinbar. «Stefan Hofer hat meines Wissens zwar keinen Eintrag im Strafregister, seine Tätigkeiten waren legal. Aber für einen Gemeinderatskandidaten gelten höhere Anforderungen als rein rechtliche», so Friedli weiter. Die SVP sei auf die Offenheit der Kandidaten angewiesen, sie könne nicht mit vernünftigem Aufwand alles selber in Erfahrung bringen. Die SVP will den frei gewordenen Listenplatz im März besetzen.

Hofer rechtfertigt Zimmerpreise

Stefan Hofer war bis Ende 2015 Verwaltungsratspräsident der Honag AG, welcher der ehemalige Gasthof Löwen im Zentrum von Münchenbuchsee gehört. Im sanierungsbedürftigen Haus bringt der Sozialdienst der Gemeinde Sozialhilfebezüger unter. Die Honag AG stellt der Gemeinde pro Zimmer monatlich 700 Franken in Rechnung. Laut Recherchen des «Bund» fehlt eine Küche, es gibt lediglich einen Kühlschrank auf dem Gang. «Es ist eine Katastrophe», sagt einer der Sozialhilfebezüger im Zeitungsbericht. «Wir haben keine Küche, keine Briefkästen, keine Waschmaschine und nur eine Dusche für alle. Und es gibt Ratten im Dachstock.»

Die Präsidentin des Berner Mieterverbandes spricht im Artikel von einem «skandalösen Fall von Mietzinswucher». Die Miete von über 700 Franken pro Zimmer in der Liegenschaft sei zu hoch. Die Gemeinde Münchenbuchsee gibt an, keine andere Möglichkeiten zu haben – es sei nicht einfach, für Sozialhilfebezüger Wohnungen zu finden.

Stefan Hofer rechtfertigt sich gegenüber 20 Minuten: «Ich habe beim Kauf der Liegenschaft die bestehenden Langzeitverträge zur Vermietung der Zimmer übernommen. Pro Tag und Zimmer stellte ich 20 Franken in Rechnung – meines Erachtens ist dies nicht überrissen. » Zudem seien die Zimmer fünfmal pro Woche gereinigt worden. Auf die fehlende Ausstattung angesprochen sagt Hofer: «Es handelt sich explizit um Hotelzimmer und nicht um Wohnungen.»

Die SVP Stadt Bern hatte vergangene Woche fünf Kandidaten für die Gemeinderatswahlen offiziell nominiert. Neben Stefan Hofer wurden Tierparkdirektor Bernd Schildger, Parteipräsident Rudolf Friedli, Grossrat Erich Hess und der parteilose Jimy Hofer aufgestellt. Die Gemeinderatswahlen finden im November 2016 statt.

Deine Meinung