Skelette im Eis: Geben die schmelzenden Walliser Gletscher bald diese 23 Vermissten frei?

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Skelette im EisGeben die schmelzenden Walliser Gletscher bald diese 23 Vermissten frei?

Im Schnitt werden im Wallis jedes Jahr zwei Leichen auf Gletschern gefunden. Der Wert ist 2022 bereits erreicht. 

von
Lucas Orellano
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Sein Fahrzeug wurde am 26. Juli 2021 auf dem Parkplatz von Ferpècle (Gemeinde Evolène) gefunden. Vermutlich begab sich der Vermisste auf eine Wanderung. Trotz mehrerer Suchaktionen im Val d’Hérens konnte Patrick D. bis anhin nicht aufgefunden werden. Signalement: 182 cm gross, schlanke Statur, helle Hautfarbe, graue Haare, braune Augen, keine Angaben betreffend Bekleidung.
Patrick D., belgischer Staatsangehöriger, geboren am 4. Oktober 1959, wurde zum letzten Mal am 22. Juli 2021 vor seinem Zweitwohnsitz in Savièse gesehen.

Sein Fahrzeug wurde am 26. Juli 2021 auf dem Parkplatz von Ferpècle (Gemeinde Evolène) gefunden. Vermutlich begab sich der Vermisste auf eine Wanderung. Trotz mehrerer Suchaktionen im Val d’Hérens konnte Patrick D. bis anhin nicht aufgefunden werden. Signalement: 182 cm gross, schlanke Statur, helle Hautfarbe, graue Haare, braune Augen, keine Angaben betreffend Bekleidung.

Kantonspolizei Wallis (Telefonnummer für Hinweise: 027 326 56 56)
Er fuhr am Montag, 16. August 2021, in die Gegend von Champex, um dort Beeren zu pflücken. Er ist gegen Mittag nicht wie vorgesehen heimgekehrt. Sein Fahrzeug wurde inzwischen auf der Forststrasse, welche ins «Val d’Arpette» führt, gefunden. Signalement: Der 90-jährige Roland D. ist 180 cm gross und von schlanker Statur. Er hat lichtes Haar (Stirnglatze). Seine Augenfarbe ist blau. Er trägt eine beigefarbige Jacke, ein kariertes Hemd, dunkle Hosen und Turnschuhe.
Roland D. wird seit dem 16. August 2021 vermisst.

Er fuhr am Montag, 16. August 2021, in die Gegend von Champex, um dort Beeren zu pflücken. Er ist gegen Mittag nicht wie vorgesehen heimgekehrt. Sein Fahrzeug wurde inzwischen auf der Forststrasse, welche ins «Val d’Arpette» führt, gefunden. Signalement: Der 90-jährige Roland D. ist 180 cm gross und von schlanker Statur. Er hat lichtes Haar (Stirnglatze). Seine Augenfarbe ist blau. Er trägt eine beigefarbige Jacke, ein kariertes Hemd, dunkle Hosen und Turnschuhe.

Kantonspolizei Wallis (Telefonnummer für Hinweise: 027 326 56 56)
Er leidet am Beginn einer Alzheimererkrankung. Es besteht die Möglichkeit, dass der Vermisste sich zurück in die Schweiz, in die Region seines Wohnortes, begeben wollte. Wird wahrscheinlich öffentliche Transportmittel benutzen. Signalement: ca. 170 cm, schlanke Statur, helle Haut, Brillenträger, kurze graue Haare, trug ein dunkelblaues T-Shirt mit uruguayischer Flagge, braun-schwarze Halbschuhe und eine Uhr am linken Arm. Hinkt leicht. Spricht Spanisch und Französisch (mit spanischem Akzent).
Julio R., geb. am 23. September 1952, wurde zuletzt an seinem Ferienort in Ornans (F) am 18. Juli 2021 gesehen.

Er leidet am Beginn einer Alzheimererkrankung. Es besteht die Möglichkeit, dass der Vermisste sich zurück in die Schweiz, in die Region seines Wohnortes, begeben wollte. Wird wahrscheinlich öffentliche Transportmittel benutzen. Signalement: ca. 170 cm, schlanke Statur, helle Haut, Brillenträger, kurze graue Haare, trug ein dunkelblaues T-Shirt mit uruguayischer Flagge, braun-schwarze Halbschuhe und eine Uhr am linken Arm. Hinkt leicht. Spricht Spanisch und Französisch (mit spanischem Akzent).

Kantonspolizei Wallis (Telefonnummer für Hinweise: 027 326 56 56)

Darum gehts

  • Im Kanton Wallis wurden in den letzten Tagen zwei Skelette und ein Flugzeug auf Gletschern gefunden.

  • Die Kapo hält es für möglich, dass noch weitere menschliche Überreste im schmelzenden Eis gefunden werden.

  • Derzeit werden im Kanton Wallis 23 Personen mit öffentlicher Vermisstmeldung gesucht.

  • Insgesamt sind 300 Personen als vermisst gemeldet. 

Die Gletscherschmelze führt im Kanton Wallis immer mehr Verborgenes zutage: ein abgestürztes Flugzeug auf dem Aletschgletscher, ein menschliches Skelett auf dem Chessjen- und eines auf dem Stockjigletscher. Die formelle Identifikation ist noch ausstehend.

«Wir können sagen, dass in den letzten zehn Jahren durchschnittlich zwei Leichen pro Jahr auf den Gletschern gefunden worden sind», sagt Adrienne Bellwald, Chefin Kommunikation bei der Kantonspolizei Wallis, auf Nachfrage von 20 Minuten. Damit wäre der jährliche Durchschnitt aktuell bereits erreicht. 

Auf ihrer Webseite führt die Kapo Wallis eine Liste mit Menschen, die im Kanton vermisst wurden. Sie reicht zurück bis 1985 und umfasst 23 Personen. Mindestens neun davon kehrten nicht mehr von Wanderungen oder Bergtouren zurück (siehe Bildstrecke). Darunter zum Beispiel der Belgier Patrick D., der seit Juli 2021 im Val d’Hérens vermisst wird. Oder der Deutsche Manfred S., der für Wanderungen in der Region Belalp-Foggenhorn, Lötschentaler-Höhenweg und im Gebiet Bietschtal-Jolital ins Wallis gereist war.

Möglich ist auch, dass das Rätsel um Matthew Nisly gelöst wird. Der damals 20-jährige schweizerisch-amerikanische Doppelbürger aus Frauenfeld brach 2015 von der Wohnung seiner Grosseltern in Brig zu einer Wanderung auf, kehrte aber nicht mehr zurück. Von der Japanerin Junko Sato, die sich Mitte September 2000 in Zermatt zu einer Bergtour aufmachte, fehlt seither jede Spur. 

Was geben die Gletscher wieder frei?

Die Liste ist allerdings bei weitem nicht vollständig. Tatsächlich werden im ganzen Kanton Wallis rund 300 Menschen vermisst, darunter auch bekannte, wie Karl-Erivan Haub, der Chef des Milliardenunternehmens Tengelmann. Warum werden nicht alle Vermissten auf der Website aufgeführt? «Das geschieht in Absprache mit den Angehörigen, und nur, wenn sie ihr Einverständnis geben», erklärt Bellwald. 

Werden einige Vermisste nun bald wieder von den Gletschern freigegeben, von denen sie nicht mehr zurückkehrten? Wie Bellwald sagt, sei es durchaus möglich, dass noch weitere verschwundene Menschen auftauchen könnten. Der Gletscherforscher Matthias Huss wies bereits im Juni darauf hin, dass die Schweizer Gletscher in diesem Jahr besonders stark schmelzen könnten.

Bei der Aussicht, seit Jahren offene Vermisstenfälle allenfalls bald schliessen zu können, sind die Gedanken der Polizistinnen und Polizisten bei den Familien der Vermissten. «Sie warten unter Umständen seit Jahren auf das Auffinden eines Angehörigen», sagt Bellwald. Dabei könne es auch vorkommen, dass sich Familien wieder meldeten und sich erkundigten. Trotz der beiden Skelettfunde stelle die Polizei momentan aber keine Zunahme von Nachfragen fest. 

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Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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