Im Gericht verhaftet: Gebissen, vergewaltigt, fast verbrannt
Aktualisiert

Im Gericht verhaftetGebissen, vergewaltigt, fast verbrannt

Ein Taxifahrer aus Dietikon hat seine Frau nicht nur vergewaltigt, geschlagen und gebissen. Er wollte auch ihren Kopf in einem Pizzaofen verbrennen. Er muss für viereinhalb Jahre hinter Gitter.

von
Attila Szenogrady

Es war kurz vor 19 Uhr, als am Montag am Zürcher Obergericht unmittelbar nach dem Urteil die Handschellen klickten. Gleich vier Polizeibeamte nahmen einen 35-jährigen Taxifahrer aus Dietikon fest. Kurz zuvor hatte der Türke den Entscheid sichtlich schockiert aufgenommen. So lief er trotz seiner gebräunten Haut plötzlich bleich an und blickte konsterniert auf seinen unterlegenen Verteidiger.

Der Beschuldigte wurde wegen Vergewaltigung, mehrfacher Drohung, mehrfacher Körperverletzung sowie wiederholten Tätlichkeiten anklagegemäss zu einer hohen Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Eine böse Überraschung für den Mann, der noch im letzten Oktober vom Bezirksgericht Dietikon umfassend freigesprochen worden war und für die Untersuchungshaft von über einem Jahr eine Genugtuung von 38'200 Franken erhalten hatte.

Ehefrau gebissen, geschlagen und vergewaltigt

«Wir glauben vorbehaltlos den Darstellungen der geschädigten Ehefrau», führte der Gerichtspräsident Franz Bollinger während der Urteilseröffnung aus. Damit waren die Oberrichter in weiten Teilen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Demnach hatte der Beschuldigte seine um neun Jahre jüngere Landsfrau im September 2010 in die Schweiz geholt, geheiratet und danach ein Jahr lang bedroht, drangsaliert sowie geschlagen. Zudem gegen ihren Willen auch zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Die Anklage berichtet ebenso über einen weiteren Vorfall, bei welchem er seiner Frau ins linke Bein unterhalb des Gesässes biss.

Kopf in Pizzaofen stecken wollen

Der wohl schlimmste Übergriff ereignete sich aber an einem Zürcher Kebab-Stand, wo der Beschuldigte früher gearbeitet hatte. Bei einem Streit packte er seine Frau plötzlich am Hals und zerrte sie zum eingeschalteten Pizzaofen. Dort erklärte er ihr, dass er nun ihren Kopf in den Ofen stecken und verbrennen werde. Im letzten Moment gelang es der Geschädigten, die Ofentüre zu schliessen. Wobei sie sich aber an der rechten Hand verbrannte.

Ein Verhalten, das Präsident Bollinger als brutal, rücksichtslos und menschenverachtend bezeichnete.

Unschuld beteuert

Vor Obergericht hatte der Beschuldigte seine Unschuld beteuert. «Ich habe meine Ex-Frau mehr geliebt, als meine eigene Mutter», erklärte er. Zu den meisten Vorwürfen der Gegenseite hatte er eine Erklärung bereit. Die Bisswunde sei bei Sex-Spielen entstanden, sagte er. Die Brandwunde an der Hand habe sich die Geschädigte am Pizzaofen selber zugezogen. Geschlagen habe er sie niemals. Zu den aufgenommenen Telefongesprächen, bei welchem er seine Gattin massiv bedroht hatte, schwieg er sich allerdings aus.

Der Verteidiger verlangte umfassende Freisprüche und berief sich auf das Dietiker Urteil, welches von einem klassischen Vier-Augen-Delikt gesprochen hatte und nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten zu einem Freispruch gekommen war.

Anders sahen es die Oberrichter, welche wichtige Passagen des erstinstanzlichen Entscheids als nicht nachvollziehbar und gar als zynisch bezeichneten.

Herr über Leben und Tod

Das Obergericht führte aus, dass die Aussagen der Frau logisch und im Kerngeschehen plausibel ausgefallen seien. Für eine Falschbelastung sei absolut kein Motiv erkennbar.

Der Beschuldigte habe sich vielmehr als Herr über Leben und Tod aufgespielt. Im Gegensatz zum Dietiker Gericht stufte die Berufungsinstanz die aufgenommenen Telefonate als verwertbare Beweismittel ein. So würden in einem so krassen Fall die Interessen des Staates die privaten Anliegen des Beschuldigten überwiegen, befand ein Oberrichter.

Mit dieser radikalen Kehrtwende droht nun dem Taxifahrer nach der Haftentlassung aufgrund der hohen Freiheitsstrafe die Ausschaffung in die Türkei. Er lebt bereits seit 1998 in der Schweiz, beanspruchte aber am Prozess einen Dolmetscher. Trotzdem führte er aus, dass er heute zu seiner Heimat fast keine Beziehungen mehr habe. Er besuche nur gelegentlich seine betagten Eltern.

Deine Meinung