«Du holen Hammer»: «Gebrochenes Deutsch kann rassistisch sein»
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«Du holen Hammer»«Gebrochenes Deutsch kann rassistisch sein»

Deutschprofi Lukas Bannwart rät davon ab, mit Fremdsprachigen gebrochen deutsch zu reden. Das könne auch verwirren und diskriminieren.

von
B. Zanni
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Fast schon legendär für den Gebrauch des sogenannten Idioten-Deutsch ist TV-Koch Daniel Bumann. Spricht er mit ausländischen Wirten oder Angestellten Klartext, rutscht er häufig sofort ins gebrochene Deutsch ab. «Sugo gleich isch!», meinte er etwa zu Wirtin Lucia im Restaurant Pizzeria da Franco, als er die mangelnde Vielfalt ihrer Sugos kritisierte.

Fast schon legendär für den Gebrauch des sogenannten Idioten-Deutsch ist TV-Koch Daniel Bumann. Spricht er mit ausländischen Wirten oder Angestellten Klartext, rutscht er häufig sofort ins gebrochene Deutsch ab. «Sugo gleich isch!», meinte er etwa zu Wirtin Lucia im Restaurant Pizzeria da Franco, als er die mangelnde Vielfalt ihrer Sugos kritisierte.

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Bei Migranten kommt die Ausdrucksweise schlecht an. Migranten, oft auch Secondos, erlebten solche Situationen im Alltag häufig, sagt Mustafa Atici, Präsident der SP MigrantInnen. «Viele Migranten fühlen sich beleidigt, wenn Schweizer im Gespräch mit ihnen ins Idioten-Deutsch wechseln.»

Bei Migranten kommt die Ausdrucksweise schlecht an. Migranten, oft auch Secondos, erlebten solche Situationen im Alltag häufig, sagt Mustafa Atici, Präsident der SP MigrantInnen. «Viele Migranten fühlen sich beleidigt, wenn Schweizer im Gespräch mit ihnen ins Idioten-Deutsch wechseln.»

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Branchenvertreter verteidigen die Ausdrucksweise. «Wir stellen fest, dass auf den Baustellen meistens eine einfache und klare, aber auch kollegiale und respektvolle Umgangsform vorherrscht», schreibt Bernhard Salzmann, Vizedirektor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

Branchenvertreter verteidigen die Ausdrucksweise. «Wir stellen fest, dass auf den Baustellen meistens eine einfache und klare, aber auch kollegiale und respektvolle Umgangsform vorherrscht», schreibt Bernhard Salzmann, Vizedirektor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

Keystone/Gaetan Bally

Herr Bannwart, manche Schweizer können zwar korrekt Hochdeutsch sprechen, wechseln im Gespräch mit Ausländern aber schnell in das sogenannte Idioten-Deutsch. Warum ziehen sie dann ein «Du holen Hammer» einem «Hol den Hammer» vor?

Hat man das Gefühl, von jemandem möglicherweise nicht verstanden zu werden, retardieren viele Menschen. Das heisst, sie sprechen im Extremfall so, wie man mit ihnen als Baby gesprochen hat. Dafür reduzieren sie Wortschatz und Sätze auf das Einfachste. Die Sprecher gehen davon aus, dass sie dem Gegenüber damit eine Hilfe sind.

Verstehen Fremdsprachige einen Schweizer dann auch wirklich besser?

Nicht unbedingt. Das Idioten-Hochdeutsch kann die Kommunikation auch erschweren. Da diese Ausdrucksweise nicht Standard ist, kann sie durch ihre falschen sprachlichen Strukturen Fremdsprachige erst recht verwirren. Auch haben sie so mehr Mühe, ein korrektes Deutsch zu lernen. Nicht vergessen darf man, dass es auch Menschen gibt, die sich aus reiner Sympathie unabsichtlich dem gebrochenen Deutsch des Gegenübers anpassen.

Vertreter von Migranten sagen, sie fühlten sich beleidigt, spreche man sie auf Idioten-Deutsch an. Sind sie demnach zu empfindlich?

Nein. Es gibt durchaus Situationen, in denen das Idioten-Deutsch Ausdruck rassistischer Tendenzen sein kann. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein Schweizer das fremde Gegenüber auch noch duzt. Unter Erwachsenen hat das etwas Herabsetzendes. Wohlwollend betrachtet kann man das Duzen aber auch damit interpretieren, dass die Sprecher ja im Sinne einer Hilfestellung in die Babysprache zurückgefallen sind. Zudem gilt nicht überall dasselbe als Beleidigung.

Wie meinen Sie das?

In gewissen Arbeitsfeldern herrscht ein rüderer Umgangston. Auf der Baustelle oder in der Küche etwa haben die Mitarbeiter grossen Stress. Es lauern verdeckt oder offen Gefahren: Eine schwere Baumaschine, die rückwärts manövriert, eine Pfanne mit kochendem Wasser und viele andere mehr. Es ist üblich, dass man dort direkter kommuniziert, zwischendurch ausruft und Kraftausdrücke benutzt. Diese Berufsleute überlegen sich deshalb auch nicht viel, wenn sie den fremdsprachigen Kollegen auf Idioten-Deutsch ansprechen. Sie sind direkter als vielleicht Büroangestellte und sehen darin keine Beleidigung. Es verhält sich ähnlich wie bei jungen Mädchen, die einander Bitch und Schlampe nachrufen, ohne sich um den Inhalt dieser Worte Gedanken zu machen.

Welchen Effekt hat das Idioten-Deutsch auf Schweizer, die es häufig benutzen?

Es kann sich auf ein sauberes Hochdeutsch negativ auswirken. Wenn man lernen will, eloquent zu reden, muss man halt auch eloquent reden. Nur schon der eigenen Ausdrucksweise zuliebe empfehle ich, im Austausch mit Fremdsprachigen vom Idioten-Deutsch abzusehen. Fremdsprachige sollen auch ruhig jemanden bitten, normales Deutsch mit ihnen zu sprechen. Wichtig ist dabei jedoch, dass sie auch Interesse am Deutschlernen zeigen und abends vielleicht auch mal SRF oder ZDF schauen anstatt Sendungen in ihrer Muttersprache.

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