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Singapur«Gebt dem Sprayer eine Belohnung»

Verkehrte Welt: Während viele Leser die Prügelstrafe in der Schweiz einführen wollen, freuen sich etliche Singapurer über das U-Bahn-Graffiti.

von
Adrian Müller

Ein 33-jähriger Schweizer versprayt in Singapur einen U-Bahn-Zug, ihm droht nun eine Prügelstrafe mit dem Rohrstock: Der Vorfall schlägt in der asiatischen Metropole hohe Wellen. Viele Zeitungen berichten auf der Frontseite über den Vandalen und warnen vor gefährlichen Lücken im Anti-Terror-Kampf, da der Schweizer in einen gesicherten Bereich der U-Bahn eingedrungen war.

Angst und Freude in Singapur

In Singapurer Online-Foren wird kontrovers über den Fall diskutiert: «Der Fall zeigt, dass Singapur die Sicherheitsmassnahmen weiter verstärken muss», schreibt Youtube-User Rzarilaha. Andere Einheimische sind entzückt über das Graffiti: «Das Kunstwerk sieht super aus, der Rest des Zuges erscheint wie Schrott dagegen», meint ein User. Karen denkt, dass alle Waggons in der U-Bahn so aussehen sollten. «Warum hat man den Schweizer verhaftet? Gebt dem Sprayer ein Preisgeld!» Viele Singapurer zeigen sich dennoch besorgt, dass der Sprayer einfach in das U-Bahn-Depot eindringen konnte. «Was, wenn er eine Bombe gelegt hätte?», erklärt Andrew Neo.

Wenig Mitleid mit dem Sprayer

Dem Schweizer drohen nun drei Jahre Knast und bis zu 8 Schläge mit einem Rohrstock. Der Fall komme am 21. Juni vor Gericht. Die Nachricht hat auch in der Schweiz eine Flut von Reaktionen ausgelöst, innert zwei Stunden gingen allein auf 20 Minuten Online gegen 200 Leserkommentare ein. Nicht wenige sind von den mittelalterlichen Methoden der Singapurer Justiz angetan. «Diese Strafen sollte man in der Schweiz einführen, dann würde es sich manch einer zweimal überlegen, Wände zu verschmieren oder andere Sachbeschädigungen zu begehen», schreibt ein Leser. Rene Wüthrich hat kein Mitleid mit dem Schweizer Sprayer: «Jeder durchschnittlich intelligente Mensch, der nach Singapur reist, weiss, dass man dort keine Kaugummis auf den Boden spuckt und erst recht keine Züge beschmiert.»

Andere Leser sind entsetzt über die brutale Strafe, die dem Schweizer blühen könnte. «Das ist barbarisch, die Strafe ist viel schlimmer als das Delikt. Eine vernünftige Massnahme wäre ein Reinigungseinsatz.»

Welche Strafe dem 33-jährigen Schweizer in Singapur blüht, ist noch unklar. Laut einer Singapurer-Newsseite wurde noch keine Anklage erhoben. «Da er ein Ausländer ist, kommt er wahrscheinlich mit einer Geldstrafe davon», mutmasst der Korrespondent.

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