Teures Parken: Gebüsst wegen falscher Ventilstellung
Aktualisiert

Teures ParkenGebüsst wegen falscher Ventilstellung

Bussen sind ärgerlich. Erhält man sie unberechtigterweise, ist der Frust noch grösser. In St. Gallen erhielt ein Student eine Parkbusse wegen der falschen Stellung seiner Pneuventile. Tatsächlich fiel der Mann einem «sehr, sehr seltenen» statistischen Zufall zum Opfer.

von
Amir Mustedanagic

Norman S.* ist sauer. Der Student hat eine Parkbusse wegen «Ändern der eingestellten Ankunftszeit, ohne wegzufahren» erhalten. Kosten: 40 Franken. Getan hat er dies aber nicht - im Gegenteil.

Tatort Blaue Zone: S. parkiert um 8:45 Uhr sein Auto in der Speicherstrasse in St. Gallen. Die Parkscheibe stellt er ordnungsgemäss auf 9 Uhr und besucht eine Freundin. Kurz vor 10 Uhr fährt S. mit der Frau zu einem Arzttermin in der Rorschacherstrasse. In der Zwischenzeit hatte aber eine Polizeibeamtin seine Parkscheibe kontrolliert und die Ankunftszeit notiert (8:45 Uhr).

Gegen 12:30 Uhr kehrt S. zurück. 30 Meter von der Parklücke am Morgen parkiert er erneut. Wieder stellt er die Parkscheibe - diesmal mit Folgen. Als er nämlich gegen 13:30 Uhr geht, klebt eine Busse von 40 Franken an seiner Windschutzscheibe. Der Grund: «Ändern der eingestellten Ankunftszeit, ohne wegzufahren.»

«8,6-prozentige Wahrscheinlichkeit einer dummen Übereinstimmung»

«Ich habe gedacht, ich spinne», sagt der junge Mann. Die Polizei habe moniert, er habe sein Auto zwischen 8:45 und 13:05 Uhr in der blauen Zone parkiert, ohne tatsächlich weggefahren zu sein. S. suchte umgehend den Kontakt zur Polizei und schilderte seinen Fall. Als Beleg für sein fehlerfreies Parkieren bot S. Zeugenaussagen des Arztes und von dessen Angestellten an. Diese hätten gesehen, dass er mit dem Auto zum Arzttermin erschienen sei. Die Polizei wollte davon nichts wissen: «Sie erklärten, dass die Ventilstellung sich nicht verändert habe und dies Beweis genug wäre.» Die Augenzeugen hingegen seien kein Sachbeweis. Wenn ihm die Busse nicht passe, müsse er eine Beschwerde einreichen.

Die Ventilstellung wird von der Polizei aufgenommen, um Parksünder zu überführen. Dabei wird die Position des Pneuventils bei der Kontrolle der Parkdauer notiert. Bei der erneuten Kontrolle werden Parkscheibe und Ventilstand verglichen. Ist die Ankunftszeit verändert, der Ventilstand aber derselbe, stellt die Polizei eine Parkbusse aus, weil sie davon ausgeht, dass das Fahrzeug nicht bewegt wurde.

Überzeugt von seiner Unschuld wollte S. dies aber nicht einfach hinnehmen. Er griff kurzerhand zum Taschenrechner. Nach einer kleinen Fingerübung in Wahrscheinlichkeitsrechnen wandte er sich wieder an die Polizei: «Ich habe der Beamtin erklärt, dass eine 8,6-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Räder in der gleichen Stellung zum Stehen kommen.»

Polizei: «Sehr, sehr seltener statistischer Zufall»

Die Polizei hatte wenig Interesse an seinen Ausführungen, wie Norman S. sagt. «Wir können nicht zu 100 Prozent ausschliessen, dass die Ventilstellung ähnlich oder gleich ist», sagt Benjamin Lütolf, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Solche Fälle seien aber «sehr, sehr selten». Den Frust des Mannes versteht er nicht ganz: «Er hat Zeugenaussagen und die rechtlichen Möglichkeiten, Beschwerde einzureichen.» Alles spreche letztlich für ihn. Das Ventilsystem habe sich bisher bewährt und das nicht nur in St. Gallen, so Lütolf.

«Es ist ein geeignetes Beweismittel, um das Wegfahren zu überprüfen», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Auch in der Limmat-Stadt wird das Ventilsystem angewendet. Dass es dabei Fehler geben kann, ist bekannt. Fälle seien aber ausgesprochen selten. Wie die Ventilstellung genau dokumentiert und aufgenommen wird, wollte man weder in Zürich noch in St. Gallen verraten – aus polizeitaktischen Gründen.

Norman S. ist das egal. Er hat zahlreiche Varianten durchgerechnet und der Polizei vorgelegt. Gebracht hat es nichts. Er wird die Busse bezahlen müssen, denn auf einen Rechtsstreit will er sich nicht einlassen. «Dafür fehlt mir schlicht und einfach das Geld.»

* Name der Redaktion bekannt

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