15.09.2020 17:33

VaterschaftsurlaubGeburt, Geld und Gefühle – drei Väter erzählen

Wir haben euch Papis gefragt, wie ihr über den Vaterschaftsurlaub abstimmen werdet. Das haben drei von euch geantwortet.

von
Jacqueline Straub, Remo Schraner
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Für Papi Leo ist klar: Er wird für den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub stimmen. «Manche Arbeitgeber zahlen zur Geburt des Kindes bis zu 2000 Franken. Das ist ja schön, aber ich würde lieber zwei Wochen Vaterschaftsurlaub nehmen, denn Zeit mit dem eigenen Kind ist durch nichts zu ersetzen», sagt er.

Für Papi Leo ist klar: Er wird für den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub stimmen. «Manche Arbeitgeber zahlen zur Geburt des Kindes bis zu 2000 Franken. Das ist ja schön, aber ich würde lieber zwei Wochen Vaterschaftsurlaub nehmen, denn Zeit mit dem eigenen Kind ist durch nichts zu ersetzen», sagt er.

zvg
Anders sieht das Stefan (47). Er ist gegen mehr Urlaub für den Vater, befürwortet aber die Erhöhung des Kindergeldes: «Durch das Mehrgeld müsste die Frau nach dem Mutterschaftsurlaub nicht gleich wieder arbeiten gehen und kann für das Kind sorgen.»

Anders sieht das Stefan (47). Er ist gegen mehr Urlaub für den Vater, befürwortet aber die Erhöhung des Kindergeldes: «Durch das Mehrgeld müsste die Frau nach dem Mutterschaftsurlaub nicht gleich wieder arbeiten gehen und kann für das Kind sorgen

zvg
«Bloss ein Tag ist meiner Meinung nach für alle Beteiligten gesundheitlich, mental und gesellschaftlich eine Zumutung», sagt  Max (39) und wird darum für den erweiterten Vaterschaftsurlaub stimmen.

«Bloss ein Tag ist meiner Meinung nach für alle Beteiligten gesundheitlich, mental und gesellschaftlich eine Zumutung», sagt Max (39) und wird darum für den erweiterten Vaterschaftsurlaub stimmen.

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Darum gehts

  • Am 27. September entscheidet das Schweizer Stimmvolk, ob frischgebackene Väter künftig zwei Wochen bezahlten Urlaub bekommen oder nicht.
  • Bis anhin haben Männer Anspruch auf einen bezahlten freien Tag.
  • Wir haben euch Papis gefragt, warum ihr dafür oder dagegen stimmt – das sind ihre Antworten:

«Ein Tag ist nichts – den hätte ich bereits im Kreisssaal aufgebraucht»

Leo (29), Fachmann Gesundheit:
«Die Geburt meines Sohnes war sehr schwierig, meine Ehefrau lag 40 Stunden in den Wehen. Bereits einen Tag nach der Geburt wollte sie nach Hause, da das Spital völlig überfüllt war. Zwar waren nach der Geburt meines Sohnes auch noch meine Mutter und meine Schwiegermutter vor Ort, um uns zu unterstützen, aber die Situation mit einem Kind ist komplett neu. Bei dem zweiten Kind sieht es dann sicher etwas anders aus. Als Paar standen wir vor einer ganz neuen Herausforderung. Von meinem Arbeitgeber habe ich zwei Wochen Vaterschaftsurlaub erhalten. Zusätzlich habe ich zwei Wochen Ferien genommen. Damit sich meine Frau erholen konnte, habe ich den kompletten Haushalt erledigt. So konnte sie alle zwei bis drei Stunden mit dem Kleinen schlafen und sich voll und ganz um ihn kümmern, während ich das Drumherum machte. Ich konnte in dieser Zeit eine enorme Bindung zu meinem Sohn aufbauen. Es war die schönste Zeit in meinem Leben. Ich finde es wichtig, dass nicht nur Mütter intensiv Zeit mit den Kindern verbringen können, sondern auch die Väter. Manche Arbeitgeber zahlen zur Geburt des Kindes bis zu 2000 Franken. Das ist ja schön, aber ich würde lieber zwei Wochen Vaterschaftsurlaub nehmen, denn Zeit mit dem eigenen Kind ist durch nichts zu ersetzen. Dass es nun einen riesigen Aufstand gegen den Vaterschaftsurlaub gibt, verstehe ich nicht. Schliesslich gibt es diesen in anderen Ländern auch schon, etwa in Schweden, und leisten könnte es sich die Schweiz allemal. Ich hoffe, dass der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub angenommen wird, denn ein Tag ist wirklich nichts, den hätte ich bereits im Kreisssaal aufgebraucht gehabt.»

«Ich hatte nicht frei und habe trotzdem ein super Verhältnis zu meinen Kindern»

Stefan (47), Tätowierer:
«Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub soll wahrscheinlich den Anreiz schaffen, mehr Nachwuchs zu haben. Für mich ist das aber der falsche Weg. Denn: Was soll der Arbeitgeber machen, wenn ihm dadurch die Arbeitskräfte fehlen? Die Arbeit muss trotzdem gemacht werden. Väter würden darum längerfristig auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, Singles und kinderlose Paare hingegen bevorzugt. Und wer sollte diesen Urlaub bezahlen? Das würde an uns Steuerzahlern liegen. Mein Vorschlag wäre, das Kindergeld zu erhöhen. Zwar würde auch das etwas kosten, aber der Mann würde nicht bei der Arbeit fehlen. Durch das Mehrgeld müsste die Frau nach dem Mutterschaftsurlaub nicht gleich wieder arbeiten gehen und kann für das Kind sorgen. Ich finde, die heutige Generation schickt die Kinder sowieso viel zu früh in die Kita. Das zerstört die Bindung zu den Eltern eher als ein fehlender zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub. Als ich mit 21 Jahren Vater wurde, hatte ich auch keine zwei Wochen frei, und mit meinen beiden Kindern habe ich heute ein super Verhältnis. Entweder man interessiert sich für das Kind oder nicht. Ein Vaterschaftsurlaub würde da keinen Unterschied machen. Ich sah meine Familie nur an den Wochenenden, weil ich im ersten Lebensjahr meines Erstgeborenen über 1000 Überstunden machte, um meine Familie durchzubringen. Klar hätte ich mir gewünscht, mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen zu können. Aber es ist nun mal nicht alles machbar. Wer eine Familie will, muss mit den Konsequenzen leben können.»

Ungleichgewicht im Pro/Kontra

Von allen Einsendungen gab es lediglich eine Gegenstimme von einem Vater, der kein politische Amt innehat. Dieses Ungleichgewicht spiegeln wir in der Auswahl dieser drei Aussagen wider.

«Nach so einer intensiven Geburt war auch die eine Woche zu wenig»

Max (39), Lehrer:
«Bei der Geburt meiner ersten Tochter gab es Komplikationen, und die Entbindung dauerte vier Tage. Ich verbrachte 48 Stunden mit meiner Frau im Gebärsaal und 48 Stunden im Spitalzimmer. Nonstop war ich an ihrer Seite. Meine Frau hatte durch die anstrengende Geburt ziemliche Schmerzen und musste noch eine Woche im Spital bleiben. Unser Kind, das viel zu früh zur Welt kam, war weitere vier Monate auf der Neonatologie im Unispital. Es war für uns alle eine extreme Stresssituation und sehr belastend. Gesetzlich hätte ich nur einen Tag Vaterschaftsurlaub gehabt. Mein Arbeitgeber hat mir aber einen Woche gegeben, wofür ich sehr dankbar war. Aber nach so einer intensiven Geburt war auch die eine Woche zu wenig. Ich hatte das grosse Glück, dass anschliessend an den Vaterschaftsurlaub die Herbstferien begannen und ich dadurch noch ein paar Extratage mit meiner Familie hatte. Es wäre für mich als Vater nicht möglich gewesen, direkt wieder arbeiten gehen zu können. Denn eine Geburt macht auch emotional etwas mit einem Mann. Bei der Geburt unseres zweiten Kindes bekam ich wieder eine Woche frei. Weil unsere Tochter am Freitag vor Ferienende auf die Welt kam, hatte ich ebenfalls noch ein paar wertvolle Extratage. Obwohl die verlängerte Woche sehr schnell vorbeiging, konnte ich mich voll um meine Familie kümmern und musste dank der freien Woche nie an die Arbeit denken. Ich habe mich um den Haushalt gekümmert und konnte gleichzeitig Zeit mit unserem Nachwuchs verbringen. Obwohl ich meine Arbeit leidenschaftlich gerne ausübe, möchte ich in den wichtigsten Momenten im Leben 100 Prozent für meine Familie da sein und sie geniessen können. Da ich dank den Extratagen ab der Geburt zehn Tage für meine Familie zur Verfügung hatte, habe ich nichts vermisst, trotzdem hätte ich auch gerne noch eine weitere Woche angehängt. Ein Tag ist meiner Meinung nach für alle Beteiligten gesundheitlich, mental und gesellschaftlich eine Zumutung.»

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689 Kommentare
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Familie

16.09.2020, 20:02

Familie ist das was zählt. Ein Kind oder mehrere Kinder zu haben ist einfach sehr schön. Auch wenn der Chef euch keine Ferientage gibt wenn das nicht angenommen wird, nehmt einfach unbezahltes Ferien, wenn das nicht geht erscheint am Arbeitsplatz einfach nicht.. Die meisten werden denken ja aber so nicht dies das. Ich meine schlussendlich ist niemand dankbar für die geleistete Arbeit. Jeder von uns ist ersetzbar. Mach einfach kein kopf auch wenn ein Kündigung auf euch zukommt. Die Zeit mit der Frau nach geburt zu geniessen und für sie da zu sein ist unbezahlbar. Alles andere kommt und geht(heute hast du einen guten job und bist reich, aber das nächste tag hat keine garantie.. ihr wisst was ich meine..)

Jürg

16.09.2020, 18:37

Steuern rauf und Familien fördern. Diese leisten den entscheidenden Beitrag für Gesellschaft und Wohlstand!

Mutter

16.09.2020, 18:36

Schluss mit der familienpolitischen Steinzeit: elternzeit, teilzeitmodelle, bezahlbare Kitas usw.