Gecaj wird nicht ausgeliefert
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Gecaj wird nicht ausgeliefert

Der mutmassliche Lehrermörder Ded Gecaj wird nicht an die Schweiz ausgeliefert. Das oberste kosovarische Gericht hat eine entsprechende Beschwerde von Gecaj gutgeheissen.

Das Verfahren soll offenbar im Kosovo neu aufgerollt werden, wie BJ-Sprecher Folco Galli heute einen Bericht des «Tages-Anzeigers» bestätigte.

Der letztinstanzliche Entscheid sei am vergangenen Freitag gefallen. Damit könne Gecaj, der sich in der Schweiz wegen Mordes und Missbrauchs seiner Tochter hätte verantworten sollen, nicht ausgeliefert werden. «Wir sind einerseits enttäuscht», sagte Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz (BJ). So habe man sich reelle Chancen auf eine Auslieferung ausgerechnet. Dies nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Auslieferung des Dübendorfer Parkplatzmörders Bashkim Berisha, der Anfang Juli 2007 von der UN-Übergangsbehörde im Kosovo (UNMIK) an die Schweiz übergeben worden war. Man sei sich aber bewusst gewesen, dass die Auslieferung von Gecaj nicht garantiert gewesen sei und akzeptiere den Entscheid. Genau durchlesen habe man das Urteil aber noch nicht können.

St.Gallen bedauert

Auch die St. Galler Untersuchungsrichterin Ursula Brasey bezeichnete den Entscheid als bedauerlich und sehr überraschend. Dies insbesondere, nachdem die Vorinstanz klar anders entschieden hat. Das zuständige erstinstanzliche Gericht im Kosovo hat im vergangenen November noch die Auslieferung für alle im Auslieferungsersuch aufgeführten Delikte bewilligt. «Wir freuen uns aber, dass Gecaj nicht auf freiem Fuss ist», sagte Brasey. Der Mann war am vergangenen Freitag zunächst freigelassen, unmittelbar darauf im Rahmen eines kosovarischen Strafverfahrens aber wieder verhaftet worden. Die UNMIK habe sofort reagiert und Gecaj in Untersuchungshaft gesetzt, sagte Brasey. Es sei signalisiert worden, dass das Verfahren im Kosovo neu aufgerollt werden solle. Dies sei erfreulich.

Geständnis

Gecaj sollte sich in der Schweiz wegen Mordes am Lehrer seiner Tochter und sexuellen Missbrauchs seiner Tochter verantworten. Er hatte 1999 eine Aussprache mit dem damals 37-jährigen St. Galler Reallehrer Paul Spirig verlangt und den zweifachen Familienvater anschliessend im Besprechungszimmer erschossen. Nach der Tat flüchtete Gecaj in sein Heimatland. Er gestand dort die Tötung des Lehrers, machte jedoch geltend, dieser habe seine Tochter missbraucht. Laut den Ermittlungen der St. Galler Strafverfolgungsbehörden hatte der Lehrer von der körperlichen Misshandlung der Tochter gewusst und auch den Verdacht gehabt, dass das Mädchen von seinem Vater sexuell missbraucht worden war. Gecaj war Ende 2000 von einem serbischen Gericht zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und unmittelbar nach dem Schuldspruch wieder freigelassen worden. Diese milde Beurteilung war für die St. Galler Behörden aber nicht akzeptierbar. Sie wollen Gecaj wegen Mordes und nicht bloss wegen Totschlags vor Gericht bringen. Zudem sind die mutmasslichen Sexualdelikte gegenüber der Tochter noch nicht gerichtlich beurteilt worden. Die Frau des mutmasslichen Lehrermörders war vom Kantonsgericht St. Gallen im September 2000 wegen Körperverletzung, der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie der Nötigung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Die Tochter erhielt als 17-Jährige im Frühling 2001 das Stadtbürgerrecht von St. Gallen.

Bundesrätin Micheline Calmy-Rey befindet sich gegenwärtig auf einer Südosteuropa-Reise. Bei ihrem Treffen mit den Behörden des Kosovos und der UNMIK Ende letzter Woche sei das Auslieferungsverfahren Ded Gecajs angesprochen worden, bestätigte EDA-Sprecher Lars Knuchel.

Quelle: AP/SDA

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