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Gedächtnisverlust führte zu acht Jahren Gefängnis

Auf den Bahamas hat ein unter Gedächtnisverlust leidender Japaner acht Jahre lang ohne Anklage im Gefängnis gesessen.

Ein Gericht sprach dem 41-jährigen Atain Takitota eine Entschädigung von 500.000 Dollar (420.000 Euro) zu, «für den Verlust von acht Jahren und zwei Monaten seines Lebens», hiess es in dem Urteil, das am Freitag veröffentlicht wurde. Atain erklärte, er sei kurz nach seiner Ankunft auf den Bahamas im August 1992 ausgeraubt worden.

Die Polizei nahm ihn fest, weil er versucht haben soll, ein Auto aufzubrechen. Später hielten ihn die Beamten dann für einen Landstreicher. Richter erklärten in ihrem Urteil vom Donnerstag, besonders Besorgnis erregend sei, dass der Kläger nach seiner Inhaftierung niemals vor Gericht gestellt worden sei. Die Behörden hätten als einzigen Grund für seine Inhaftierung angegeben, dass er in der Öffentlichkeit nicht erwünscht sei. Atain war zeitweise in einer Hochsicherheitszelle eingesperrt, die er mit rund 20 anderen Häftlingen teilte.

Atain versuchte während seiner acht Jahre in Haft zwei Mal, sich das Leben zu nehmen. 1997 trat er in einen Hungerstreik, 1998 schnitt er sich die Pulsadern auf. Nach jedem Versuch wurde er jedoch zurück ins Gefängnis gebracht. Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass Atain an Amnesie leidet. Die Richter verwiesen auch darauf, dass die japanische Botschaft in der Dominikanischen Republik Atain zunächst nicht als Japaner identifiziert habe. Sie habe jedoch um weitere Informationen gebeten, die sie von den Behörden auf den Bahamas jedoch nie erhalten habe.

Atain reichte 2000 Klage gegen den Staatsanwalt, den Chef der Einwanderungsbehörde und den Minister für nationale Sicherheit ein. Im Oktober 2000 kam er frei. (dapd)

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