Bewaffnete Leser: «Gedanke an meine Pistole gibt mir Sicherheit»
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Bewaffnete Leser«Gedanke an meine Pistole gibt mir Sicherheit»

Waffenscheine sind in der Schweiz so beliebt wie nie zuvor. Auch viele 20-Minuten-Leser besitzen eine Waffe – die meisten sind Sportschützen, aber nicht alle.

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Vivianne H. ist begeisterte Sportschützin. Zur Selbstverteidigung würde sie ihre Waffe aber nicht einsetzen.

Vivianne H. ist begeisterte Sportschützin. Zur Selbstverteidigung würde sie ihre Waffe aber nicht einsetzen.

zvg.

Immer mehr Schweizer stellen ein Gesuch für einen Waffenerwerbsschein. Für 2016 zeichnet sich laut Recherchen der «Rundschau» sogar ein Rekordwachstum ab. In mehreren Kantonen wurden bis zu 30 Prozent mehr Waffenscheine beantragt.

Als Grund für den Kauf geben viele Unsicherheit und Angst an. Durch die Terroranschläge der letzten Jahre steigt das Bedürfnis nach Selbstschutz. So auch bei Leser K. G.* (61) aus Dübendorf: «Ich habe meine Waffe vor 20 Jahren abgegeben und mich immer wohlgefühlt – bis jetzt.» Die Anschläge in Europa und die vielen kriminellen Menschen machten ihm Angst. «Ich habe kleine Kinder, die möchte ich beschützen», so G. Sobald der erste Anschlag in der Schweiz passiere, kaufe er sich wieder eine Waffe.

Freundin hat jetzt auch eine Waffe

Reto Patrick (48) aus dem Kanton Thurgau erwarb seine erste Pump-Gun vor 33 Jahren. Im Jungschützenkurs hantierte er dann mit einem Sturmgewehr. «Dort bekam ich richtig Freude am Schiessen.» Nach der RS löste er seinen ersten Waffenerwerbsschein für eine Faustwaffe. «Seither schiesse ich hauptsächlich im Schiesskeller.»

Seine Freundin sei zunächst eher gegen Waffen eingestellt gewesen. «Als ich sie aber mitgenommen und ihr alles gezeigt habe, faszinierte sie das Schiessen ebenfalls.» Letztes Jahr habe sie dann einen Waffenerwerbsschein gelöst. Jetzt teilten sie die Freude an diesem Hobby. Zusammen besitzt das Paar mehrere Gewehre und fünf Faustfeuerwaffen.

Terroristen können sich problemlos illegal bewaffnen

Im Notfall würde Patrick seine Waffen auch zur Selbstverteidigung abfeuern. Vor allem in der derzeitigen Situation überlege man sich das schon. «Irgendwie ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich eine Waffe habe – auch wenn ich damit wohl nie einen Terroristen töten werde. Der Gedanke an meine Pistole gibt mir Sicherheit.»

Ihn störe zudem die geplante Entwaffnung der Bevölkerung. «Terroristen können sich im Darknet problemlos illegal bewaffnen, doch dem ehrlichen Bürger, der einen Waffenerwerbsschein gelöst hat, will man sie wegnehmen.» Das sei nicht in Ordnung.

«Ich lebe jetzt viel bewusster»

Auch B. U.* (44) aus dem Kanton Zürich ist begeisterter Sportschütze. «Ich gehe oft am Schiessstand üben.» Er wolle seine Waffe kontrollieren können. Es sei wichtig, dass man verantwortungsvoll damit umgehe. Die Waffe sei für ihn aber auch etwas Schönes, etwas Ästhetisches. Er interessiere sich für die Mechanik dahinter und er möge Metall.

Zur Selbstverteidigung diene ihm die Waffe aber nicht. «Man hat sie ja ohnehin nicht dabei, wenn etwas passiert.» Die derzeitige Lage beunruhige ihn zwar auch. «Ich lebe einfach viel bewusster und geniesse jeden Tag, an dem es mir gut geht.»

«Bürger sollen sich nicht mit Waffen wehren»

Vivianne H.* (29) hat vor zwei Jahren mit dem Schiesssport angefangen. «Mich fasziniert die Disziplin, die Ruhe und die Konzentration, die das Pistolenschiessen mit sich bringt.» Sie besitzt zwei Pistolen, ist im Vorstand von zwei Schiessvereinen und besucht viele Schützenfeste. Sie habe einen ziemlichen Ehrgeiz entwickelt, bei allen Wettbewerben möglichst gut abzuschneiden.

Sich mit der Pistole vor Terroristen oder anderen Bedrohungen zu schützen, komme aber nicht in Frage. «Ich besitze ja keinen Waffentragschein», so die 29-Jährige. Meist passierten Anschläge in grossen Menschenmassen, da habe sie ihre Pistole ja nicht dabei. «Ich bin eh der Meinung, dass Bürger sich nicht mit Waffen wehren sollten – das geht meist schief.»

*Namen der Redaktion bekannt

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