Polen: Gedenken an Kaczynski-Absturz
Aktualisiert

PolenGedenken an Kaczynski-Absturz

Ein Jahr nach dem tödlichen Flugzeugabsturz des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski haben am Unfallort in Westrussland Angehörige der insgesamt 96 Opfer gedacht.

Ein Jahr nach der Flugzeugkatastrophe von Smolensk hat die polnische Präsidentengattin Anna Komorowska gemeinsam mit Angehörigen der Todesopfer die Unglücksstelle in Russland besucht. Zusammen nahmen sie am Samstag an einer Trauerfeier teil und legten Blumen am Rande eines Waldes nieder, wo am 10. April 2010 die Maschine des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski abgestürzt war. Er und 95 weitere Menschen wurden damals getötet.

Komorowska und die Angehörigen der Todesopfer besuchten auch eine Gedenkstätte, die an das Massaker von Katyn im Jahr 1940 erinnert. Mehrere tausend polnische Offiziere und weitere Kriegsgefangene waren dort von Einheiten des sowjetischen Geheimdienstes getötet worden. Kaczynski und ranghohe Mitglieder der polnischen Streitkräfte waren auf dem Weg zu der Gedenkstätte, als ihr Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen von Smolensk in dichtem Nebel abstürzte.

Schüsse nach dem Absturz

Bei dem Besuch am Samstag zeigte sich die polnische Delegation verärgert, dass eine Passage auf der Gedenktafel für die Opfer des Massakers entfernt worden war. So sei der Abschnitt, in dem vom «sowjetischen Völkermord an polnischen Kriegsgefangenen 1940 im Wald von Katyn» die Rede war, gestrichen worden. Man sei über die Änderung des Textes überrascht gewesen und habe die russische Regierung um eine Erklärung gebeten, sagte der Sprecher des polnischen Aussenministeriums, Marcin Bosacki, der Nachrichtenagentur PAP.

Hoffen auf gemeinsame Gedenktafel für die Opfer von Katyn

Die russischen Behörden hätten kritisiert, dass die ursprüngliche Tafel ohne Genehmigung und lediglich mit polnischem Text angebracht worden sei. Er hoffe, dass sich beide Seiten nun auf eine gemeinsame Gedenktafel einigen könnten, sagte Bosacki.

Moskau hatte lange Zeit die Verantwortung für das Massaker von Katyn abgestritten. Kürzlich gab sie jedoch zahlreiche Dokumente über das Kriegsverbrechen frei und gestand öffentlich ein, dass der sowjetische Machthaber Josef Stalin das Massaker in Katyn und die Tötung von insgesamt rund 22.000 polnischen Offizieren, Polizisten und Intellektuellen angeordnet hatte.

Die neuen Verstimmungen zwischen Polen und Russland folgen auf eine Phase der Annäherung nach dem Flugzeugabsturz im vergangenen Jahr. Nach dem tragischen Unglück war es in Russland zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen mit dem Nachbarland gekommen.

Nun wollen sich auch die Staatsoberhäupter beider Länder treffen und der Opfer des Flugzeugsabsturzes sowie des Massakers im Zweiten Weltkrieg gedenken: Der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski besucht auf Einladung des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am (morgigen) Montag Smolensk und die Gedenkstätte von Katyn.

(dapd)

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