Gedenken an Srebrenica-Massaker

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Gedenken an Srebrenica-Massaker

Am zwölften Jahrestag des Massakers von Srebrenica haben in Bosnien mehr als 30'000 Menschen der Opfer gedacht.

Sie versammelten sich an der Gedenkstätte Srebrenica-Potocari, dem Ort, wo die meisten der bis 8.000 Todesopfer das letzte Mal lebend gesehen wurden. Im Verlauf der Gedenkfeiern sollten am Mittwoch die sterblichen Überreste von 465 Opfern beigesetzt werden, die kürzlich in Massengräbern entdeckt wurden.

Unter den Trauernden war auch die 52 Jahre alte Sehida Abdurahmanovic, die ihren Ehemann Jakup begraben wollte. Sie und ihr Mann hätten sich getrennt, bevor damals die Soldaten gekommen seien, erklärte sie. Sie sei bei den Frauen gelieben, während ihr Mann mit dem 20 Jahre alten Sohn in den Bergen habe Schutz suchen wollen. Nur der Sohn überlebte. «Jakup wurde vor einem Jahr identifiziert», sagte sie. «Ab heute wird seine Seele Frieden finden und ich werde einen Ort haben, zu dem ich kommen und an dem ich beten kann.»

Serbische Truppen überrannten Srebrenica am 11. Juli 1995. Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen wertete das Massaker, dem in den letzten Monaten des Bosnienkrieges 1955 rund 8.000 muslimische Männer und Jungen zum Opfer fielen, als Völkermord. Die beiden mutmasslichen Hauptverantwortlichen, der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und dessen General Ratko Mladic, befinden sich seit Jahren auf der Flucht. (dapd)

Chronologie

- April 1992: In Bosnien bricht Krieg aus. Die ost-bosnische Gemeinde Srebrenica wird von Serben erobert, die Moslems gewinnen sie jedoch nach einigen Wochen zurück. 75 Prozent der 36 000 Einwohnerinnen und Einwohner Srebrenicas sind Moslems.

- Januar bis März 1993: Srebrenica wird im Kriegsverlauf zur moslemischen Enklave inmitten von Gebieten, die von Serben erobert wurden. Es kommt immer wieder zu Angriffen serbischer Truppen. Zahlreiche Moslems flüchten in die Stadt - die Bevölkerungszahl steigt auf 60 000. Die Versorgungslage ist kritisch.

- April 1993: Die Vereinten Nationen (UNO) erklären Srebrenica und zwei weitere Gemeinden in Ost-Bosnien (Zepa und Gorazde) zu «Schutzzonen». UNO-Soldaten werden entsandt, die Angriffe der serbischen Armee hören auf. Die Stadt bleibt allerdings isoliert.

- 9. Juli 1995: Serbenführer Radovan Karadzic befiehlt die Erstürmung Srebrenicas. Seine Soldaten unter General Ratko Mladic greifen die Beobachtungsposten der niederländischen UNO-Soldaten an. Sie nehmen etwa 30 Soldaten als Geiseln.

- 10. Juli: Die Serben beginnen, Srebrenica zu beschiessen. Die niederländischen Truppen drohen mit NATO-Luftangriffen, falls sich die Serben nicht bis zum folgenden Morgen zurückziehen.

- 11. Juli: Flugzeuge der NATO bombardieren serbische Panzer. Die Serben drohen damit, Srebrenica erneut zu beschiessen und ihre niederländischen Geiseln zu töten. Die Luftangriffe hören auf. Am Abend dringen Mladic und seine Truppen in die Stadt ein.

- 11. bis 18. Juli: Über Nacht fliehen etwa 15 000 bosnische Moslems, sowohl Soldaten als auch Zivilisten, in die Berge. Sie wollen moslemisches Gebiet erreichen. Viele sterben durch Kugeln serbischer Soldaten und Heckenschützen. Wer gefangen wird, wird getötet. In der Stadt werden Frauen und Kinder von den Männern getrennt und von den serbischen Truppen mit Bussen in moslemisches Gebiet geschickt. Die Männer, die meisten von ihnen zwischen 16 und 70 Jahren alt, werden in Kaufhäuser, Schulen und Ställe gesperrt und von den serbischen Soldaten erschossen. Etwa 8000 Jungen und Männer kommen beim Massaker ums Leben. (sda)

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