Aktualisiert 02.09.2006 20:00

Gedenktag zum Bergsturz von Goldau

Genau 200 Jahre nach dem Bergsturz haben am Samstag in Goldau Bevölkerung und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kirche der Katastrophe und der 457 Opfer gedacht.

Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz forderte ein anderes Verhältnis zur Natur.

In ihrer Rede an der Gedenkfeier zum 200. Jahrestag des Goldauer Bergsturzes vom 2. September 1806 erinnerte die Bundeskanzlerin daran, dass der Mensch gegenüber entfesselten Naturkräften «ein sehr, sehr schwaches Wesen» sei. Das gelte für einen Bergsturz wie für Vulkanausbrüche, Orkane und Sturmfluten.

Nicht nur Objekt der Ausbeutung

Naturkatastrophen riefen den Menschen aber auch in Erinnerung, was sie eigentlich schon wüssten: «Sie geben uns deutlich zu verstehen, dass wir unser Verhältnis zur Natur, zum Berg, zur Erde wandeln müssen», sagte Annemarie Huber-Hotz laut Redetext.

Die teilweise in riesige Sportarenen verwandelten Berge, die Natur überhaupt dürfe nicht nur als Objekt der Eroberung und der Ausbeutung gesehen werden, sagte die Bundeskanzlerin: «Unser Ziel muss vielmehr ein partnerschaftliches Verhältnis sein.»

Solidarität stimmt zuversichtlich

Die Erinnerung an die Solidaritätswelle, welche die grösste Naturkatastrophe der Schweiz ausgelöst hatte, stimme sie aber auch zuversichtlich, sagte Annemarie Huber-Hotz: «Mehr und mehr entwickelt sich auch ein Solidaritätsbewusstsein für die Generationen, die nach uns kommen.»

An die Hilfe nach dem Bergsturz erinnerten auch Heinz Theiler, Gemeindepräsident von Arth, zu dem Goldau gehört, und der Schwyzer Landammann Alois Christen. Goldau sei wieder erblüht und dank dem Bahnhof heute ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt der Schweiz.

Die Bevölkerung habe «ein versöhnliches Verhältnis zum Berg», sagte Gemeinderätin Margrit Betschart, die den Gedenktag organisiert hatte. Man habe gelernt, mit der Bedrohung zu leben, zumal diese heute besser eingeschätzt werden könne.

Kunst im Kreisel

Bundeskanzlerin Huber-Hotz enthüllte im Rahmen der Feier ein Kunstwerk im Kreisel an der Bahnhofstrasse, das künftig an den Bergsturz erinnert. Geschaffen wurden die in einem Wettbewerb ausgewählten Objekte von Magda Blau aus Zürich, German Benz aus Pfäffikon und Verena Vanoli aus Immensee.

Umrahmt wurde der Gedenkanlass von szenischen Darstellungen der Laienbühne 66 sowie von Musikkorps und Chören. Bei der Kirche Goldau fand im Anschluss eine ökumenische Feier statt, deren Abschluss das eigens komponierte «Bergsturzlied» von Peter Lüssi bildete. Am Abend stand ein Kindermusical auf dem Programm.

Bereits am 26. August hatte die Wiederaufführung der Oper «Der Bergsturz» von Joseph Weigel Premiere; sie wird noch bis zum 6. Oktober im Mythen Forum Schwyz gespielt. Bis zum 24. September ist im Forum der Schweizer Geschichte zudem die Ausstellung «Der Berg kommt» zu sehen. (sda)

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